Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Verteidigung geht beim Waffelino-Prozess in die Offensive

Waffelino-Prozess

Im Prozess um den Brand im ehemaligen Selmer Café "Waffelino" sind die Richter aufgefordert worden, die Suche nach alternativen Verdächtigen noch einmal zu forcieren.

Selm/Dortmund

, 18.03.2019 / Lesedauer: 3 min
Verteidigung geht beim Waffelino-Prozess in die Offensive

Der Angeklagte zwischen seinen Verteidigern Ralf Bleicher (li.) und Sebastian Kägebein. © Martin von Braunschweig

Neue Zeugen und eine Sisyphus-Internet-Recherche: Im Prozess um den lebensgefährlichen Brand im Café "Waffelino" sind die Verteidiger am Montag in die Offensive gegangen. Sie wollen die Richter am Dortmunder Schwurgericht dazu bringen, bei der Suche nach dem Täter weiter in die Tiefe zu gehen. Dabei ging ihr Blick erneut in Richtung eines libanesischen Familienclans.

Verteidiger Ralf Bleicher hat gleich acht Beweisanträge gestellt, die sich im Wesentlichen um diese Frage drehen: Wurde das Feuer von September 2017 möglicherweise durch einen Brandsatz verursacht, der aus einer Gruppe heraus in das Lokal geworfen worden ist?

"Kleiner Bruder mit großer Nase"

Dazu soll ein Zeuge vernommen werden, der genau diese Gruppe beobachtet und dabei auch einen Mann erkannt haben will. Bei der Polizei soll er später von dem "kleinen Bruder" eines Bekannten gesprochen haben - mit großer Nase und einer auffälligen Strickjacke.

Nur kurze Zeit danach habe jedoch genau dieser Zeuge seine frühere Aussage zurückziehen wollen. Aus Angst? Genau das hatte angeblich auch die Polizei vermutet und den Verdacht geäußert, dass Bedrohungen im Spiel sein könnten. Deshalb solle laut Verteidigung nicht nur der Zeuge, sondern auch der Vernehmungsbeamte von den Richtern gehört werden. "Das ist wichtig, bei der Frage, ob und welche Alternativtäter es geben könnte", so Bleicher.

Verteidiger interessiert Feuerwerk auf Cranger Kirmes

Genau wie die Uhrzeiten. Dazu wurde beantragt, einen Mitarbeiter der Cranger Kirmes zu laden. Die Frage: Wann hat 2017 das Feuerwerk stattgefunden? Unmittelbar danach soll einer der aus Verteidigersicht möglichen Alternativtäter den Kirmesplatz nämlich verlassen haben.

Es sollen sogar noch Fotos und ein Video aus der Brandnacht existieren, die die Verteidiger ebenfalls interessieren. Sie sollen von einer Frau gemacht worden sein, die damals am Tatort war, vor Gericht aber nicht vernommen worden ist. "Die Bilder könnten Aufsschluss darüber geben, wer damals vor Ort war", so Bleicher.

Fraglich ist nach wie vor auch der Verbleib der teuren Kaffeemaschine. Ein Brandsachverständiger hatte im Prozess erklärt, dass sie bei Ausbruch des Feuers nicht mehr im Café gestanden haben kann. Die Verteidiger regten deshalb eine Internet-Recherche bei eBay-Kleinanzeigen an. Vielleicht sei sie dort ja zum Verkauf angeboten worden.

Ob die Richter den Anträgen der Verteidigung folgen werden, ist allerdings noch offen.

Zeugin: "Wir hatten richtig Glück."

Dem angeklagten Ex-Café-Betreiber wird vorgeworfen, das Lokal angesteckt zu haben, um anschließend die Versicherungssumme zu kassieren - was er bestreitet. Weil in den Wohnungen über dem "Waffelino" zahlreiche Personen geschlafen hatten, lautet die Anklage allerdings auch auf 19-fachen Mordversuch.

Eine der Betroffenen sagte den Richtern dazu am Montag: "Ich habe geschlafen, als es plötzlich an unserer Tür geklopft hat. Wir sind dann sofort raus." Das Treppenhaus sei zwar schon voller Qualm gewesen, aber man sei sicher und ohne Rauchvergiftung auf die Straße gelangt. "Wir hatten richtig Glück", so die 49-jährige Altenpflegerin im Prozess. Der Prozess wird fortgesetzt.

Lesen Sie jetzt