Video: So leise fährt die Post durch Lüdinghausen

StreetScooter im Einsatz

Wenn der Postmann zweimal klingelt - dann ist das in Lüdinghausen jetzt lauter, als wenn er mit seinem Auto durch die Straßen braust. Denn seit März fährt die Post dort elektrisch. Und das ist für Zusteller wie für andere Verkehrsteilnehmer eine Umstellung.

LÜDINGHAUSEN

31.05.2017, 18:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die neuen Autos von der Post hört man nicht. Und sie stoßen keine Abgase mehr aus. „Sieben Diesel-Transporter haben wir jetzt durch unsere elektrischen StreetScooter ersetzt“, erklärt Christoph Willmann, Teamleiter der Postzusteller in Lüdinghausen. Ein weiterer wird folgen.

Dann bedient die Post ihre Kunden vor Ort mit acht sauberen E-Mobilen und nur noch drei schmutzigen Verbrennern. Eines Tages werden auch die verschwinden. Denn die nächsten Generationen der Ökomobile haben größere Reichweiten und genügen dann auch für die Brief- und Paketzustellung in den größten Postbezirken.

Zusteller: "Es macht richtig Spaß, damit zu fahren"

Bei den Mitarbeitern des Gelben Riesen kommen die Autos bestens an. Denn sie durften bei der Entwicklung ein Wörtchen mitreden. Das hat sich gelohnt, weil dabei ein für die Zusteller optimales Fahrzeug mit richtiger Ladehöhe und glatter Ladefläche herausgekommen ist.

„Es macht richtig Spaß, mit den StreetScootern zu fahren. In erster Linie sind sie für uns natürlich Arbeitsgeräte und als solche sehr gut geeignet“, versichert Christoph Willmann. Auch die bei Elektromotoren systembedingte Vollautomatik kommt ihm und seinen Kollegen bei den ständigen Stop-and-Go-Fahrten entgegen.

Post wollte umstellen, aber die Autokonzerne lehnten ab

Die Mitwirkung der Zusteller war möglich, weil die Post ihre Elektroautos selbst baut.  Wie es dazu kam, erläutert Pressesprecher Rainer Ernzer, der extra für uns aus Düsseldorf nach Lüdinghausen kam: „Eigentlich sind wir ja kein Autobauer, sondern ein Logistik-Unternehmen. Als wir vor einigen Jahren beschlossen haben, unsere Fahrzeugflotte umweltfreundlich umzubauen, haben wir zunächst die Elektrotransporter getestet, die auf dem Markt waren. Da war aber nichts für unsere Zwecke dabei.“

Dann sprach die Post die großen deutschen Autokonzerne an, für sie ein passendes Fahrzeug zu entwickeln. „Die winkten aber alle ab“, sagt Ernzer. „Einer wollte, dass wir uns mit einer Riesensumme an den Entwicklungskosten beteiligen.“

Die Zauberformel lautet "80 - 80 - 80"

Auf der IAA in Frankfurt wurden die Postler dann auf die Firma StreetScooter aufmerksam. Dieses Startup, das an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen entstanden war, hatte die gleichen ökologischen Vorstellungen wie der Bonner Logistiker. Es entwickelte die passgenauen Autos für die Post und wurde 2014 vom Konzern übernommen. Mittlerweile hat die kleine Hightech-Schmiede einen rasanten Aufschwung genommen.

Im Jahr 2012 gingen die ersten StreetScooter mit dem Modellnamen „Work“ in Betrieb. Für diese Arbeitspferde ist 80 die Zauberzahl: 80 Pakete im Laderaum, 80 km/h schnell und 80 Kilometer Reichweite. Das genügt für die meisten Zustellbezirke. In Lüdinghausen hängen die Autos nach Feierabend an den Ladestation auf dem Posthof. Die Zeit bis zum nächsten Morgen ist mehr als genug, um die Akkus wieder zu füllen.

So stellt die Post langsam ihren Fuhrpark um

  • Derzeit gehören 2750 StreetScooter Modell „Work“ zum 34000 Pakettransporter großen Fuhrpark der Deutschen Post. Im Münsterland fahren sie außer in Lüdinghausen auch schon in Dülmen, Neunkirchen, Ahaus und Billerbeck. Ascheberg soll noch in diesem Jahr folgen.
  • In wenigen Wochen kommt das Modell „Work L“ auf die Straßen. Es hat mit acht Kubikmetern Laderaum doppelt so viel Platz wie der Vorgänger und eine Reichweite von 100 Kilometer. In anderthalb Jahren werden auch die großen DHL-Fahrzeuge durch eine StreetScooter-Version mit 20 Kubikmeter Ladevolumen ersetzt. Die heißen dann „Work XL“.
  • Noch in diesem Jahr will die Post will die Produktionskapazität des  Elektrolieferwagens verdoppeln. Bis Ende des Jahres soll die Produktion von 10.000 auf bis zu 20.000 gesteigert werden. Dazu wird ein zweiter Produktionsstandort in der Nähe von Aachen in Betrieb genommen.
  • Mindestens die Hälfte der diesjährigen Jahresproduktion ist für den Verkauf an Dritte bestimmt. Die Preise für den StreetScooter Work beginnen ab 32.000 Euro. Durch seine Modulbauweise kann der elektrische Lastesel auch mit einer Ladepritsche, als Kipper und mit anderen Funktionen produziert werden.
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