Viertklässler zurück an der Ludgerischule: Unsicherheit am ersten Tag

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Normal sieht der Schulalltag im Moment nicht aus: Auch für die Viertklässler nicht, die auch in Selm am Donnerstag zum ersten mal nach Wochen wieder in die Schule durften.

Selm

, 07.05.2020, 14:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andrea Dabrowski braucht einen Moment, um das richtige Wort zu finden. Um zu beschreiben, wie es war, als am Donnerstagmorgen zum ersten Mal seit März wieder Schülerinnen und Schüler - von der Notbetreuung mal abgesehen - wieder zu ihrer Grundschule gekommen sind. „Ich glaube es herrschte schon noch eine große Unsicherheit“, sagt die stellvertretende Schulleiterin der Ludgerischule in Selm dann.

Die circa 40 Schüler - also eine Hälfte des vierten Jahrgangs - musste sich, so erzählt sie weiter, auf dem Schulhof aufstellen. Dort sind auf dem Boden extra Linien aufgesprüht - um den Mindestabstand zu markieren. 1,50 Meter nach vorne und hinten und 2 Metern zu den Seiten. Alle Lehrer und Kinder hatten außerdem eine Maske auf - bis auf im Unterricht ist das Pflicht. Nachdem sie nacheinander vor dem Einlassen die Hände desinfiziert hatten, ging es in die Klassenzimmer.

Normal sieht anders aus.

„Die Kinder waren alle sehr diszipliniert“, sagt Andrea Dabrowski aber. Von zu Hause hatten alle eine Dose mitgebracht, die sie auf ihren festen Platz im Klassenzimmer stellten - der Ort, an dem sie für die Unterrichtszeiten ihre Alltagsmasken ablegen konnten.

Vorbereitungen der Schüler in Video-Konferenzen

In Videokonferenzen hatten die Klassenlehrer den Schülern schon in der vergangenen Woche erklärt, wie der Schulalltag in der Corona-Krise ablaufen soll, welche Vorsichtsmaßnahmen und Regeln es gibt. Darum, so sagt es Andrea Dabrowski, ging es natürlich auch am ersten Schultag für die Viertklässler zunächst, bevor dann in den kommenden Tagen der Unterricht in den Fächern beginnt. Immer vier Schulstunden am Tag - mit Pausen zu unterschiedlichen Zeiten für die einzelnen Gruppen.

Auf dem Schulhof sind Linien aufgezeichnet. Dort stellen sich die Schülerinnen und Schüler morgens auf.

Auf dem Schulhof sind Linien aufgezeichnet. Dort stellen sich die Schülerinnen und Schüler morgens auf. © Marie Rademacher

„Es ist kein normales Schulklima“, sagt Andrea Dabrowski ganz offen in Bezug auf den ersten Tag. Auch viele Kleinigkeiten sind einfach anders als sonst: Die Kinder tragen im Moment keine Hausschuhe in der Schule wie sonst, sie dürfen die Garderoben nicht benutzen. Persönliche Dinge hängen außerhalb des Klassenzimmers in Plastiktüten, Schilder an Türen und Wänden weisen auf den Mindestabstand hin.

Insgesamt, so sagt es Andrea Dabrowski, sind sie und das Kollegium aber auch froh, dass es jetzt wieder langsam losgeht. Denn während die Betreuung zu Hause für einige Familien gut lief und sogar als positiv empfunden wurde, gab es an anderen Stellen auch Probleme. „Die Voraussetzungen in den Familien sind ja auch sehr unterschiedlich. Nicht jeder hat einen großen Garten - es gibt auch Alleinerziehende mit drei kleinen Kindern und einer Wohnung ohne Balkon“, sagt sie. Dann kommen zusätzlich Ängst oder etwa Schwierigkeiten mit der technischen Ausrüstung fürs Homeschooling: „Es gab auch Eltern, die am Telefon geweint haben“, sagt Andrea Dabrowski.

Videos von Lehrern

Das Kollegium habe versucht, nahen Kontakt zu den Schülern und Eltern zu halten. „Ich habe ganz viele Videos gedreht“, erzählt beispielsweise Anke Plenge, eine Lehrerin der Schule. Für den Sachkundeuntericht hat sie den Kindern so an einem Teich etwas gezeigt, für Mathe eine Ausstellung geometrischer Körper im Alltag gemacht. Es sei auch schon vorgekommen, so sagt sie, dass Lehrer Kindern Unterrichtsmaterial vorbei gebracht hätten - wenn die Eltern zum Beispiel keinen Drucker haben.

Sachen der Kinder hängen in Plastiktüten an der Garderobe und liegen nicht wie sonst im Klassenraum.

Sachen der Kinder hängen in Plastiktüten an der Garderobe und liegen nicht wie sonst im Klassenraum. © Marie Rademacher

Wie genau nach dem Start der Vierer jetzt der Schulalltag in der kommenden Woche auch für die anderen Jahrgänge wieder startet, kann sie am Donnerstagmorgen konkret noch gar nicht sagen. „Da müssen wir uns alle ein bisschen in Geduld üben“, erklärt sie. Erst, wenn es den entsprechenden Erlass vom Land NRW in schriftlicher Form gebe, könne das Kollegium Pläne aufstellen und die Eltern und Schüler entsprechend informieren. „Uns ist einfach wichtig, dass wir die Kinder jetzt wiedersehen. Auch um einschätzen zu können, wie es ihnen gerade geht“, sagt Andrea Dabrowski.

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