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Voodoo-Prozess: Mutmaßlicher Menschenhändler motzt in abgehörtem Gespräch über Blitzer

Voodoo-Prozess

Abgehörte Telefonate: Seit Wochen stehen sie im Voodoo-Prozess um Ausbeutung in Bordellen in Selm und Castrop-Rauxel auf der Agenda. Am Mittwoch ging es dabei auch um Ärger mit einem Blitzer.

Selm, Castrop-Rauxel

, 17.04.2019 / Lesedauer: 3 min
Voodoo-Prozess: Mutmaßlicher Menschenhändler motzt in abgehörtem Gespräch über Blitzer

Die Angeklagten, ihre Verteidiger und Dolmetscher beim Prozessauftakt im Dezember 2017. © Werner von Braunschweig

Der Prozess um durch Voodoo-Zauber erzwungenen Menschenhandel und Ausbeutung in Rotlicht-Clubs in Selm, Castrop-Rauxel und anderen Orten der Region erweist sich schon länger als eine Geduldsprobe für alle Beteiligten.

Seit mehreren Wochen sind die Richter am Bochumer Landgericht damit beschäftigt, abgehörte Telefonate der Angeklagten zunächst im Original vorzuspielen und damit offiziell als Beweismittel einzuführen. Anschließend wird eine ins Deutsche übersetzte Version des Dialogs verlesen, ehe schließlich der oder die jeweils betroffene Angeklagte etwas zu dem Gesprächsstoff erklären soll.

Am Mittwoch waren nicht nur strafrechtlich wertvolle Gesprächsfetzen dabei. Es ging auch um Kühe, Blitzer und eine Bibel.

Angeklagter gerät telefonierend in Radarfalle

„Shit! Das war ein Blitzer. Aber ich bin doch gar nicht schneller als 30 gefahren“, echauffiert sich der Hauptangeklagte (34) in einem Telefonat mit dem 28-jährigen Mitangeklagten. Das in englischer Sprache geführte Gespräch, bei dem die Ermittler vor allem an Inhalten über geplante Schleusungen von ausreisewilligen Frauen aus Nigeria interessiert waren, war am 26. Januar 2017 von der Polizei heimlich aufgezeichnet worden. Der Hauptangeklagte war währenddessen offensichtlich in Deutschland mit einem Pkw unterwegs - und in eine stationäre Radarfalle geraten.

„Ich bin wirklich maximal 30 gefahren. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich mein Telefon in der Hand habe“, spekuliert der 34-Jährige weiter. Um dann kurz vor dem Beenden des Gesprächs nochmal Dampf abzulassen: „Ich habe die Schnauze voll!“

Eine Kuh als Hochzeitgeschenk

Ehe die Prozessbeteiligten am Mittwoch auf die eigentlich anvisierten Gesprächspassagen stießen - wie zum Beispiel „Ich habe eine Frau, die ich Dir geben will. Ich werde sie extra für Dich hübsch machen und verschönern“, mussten sie noch weitere außergewöhnliche Infos anhören. Mal philosophierte der Hauptangeklagte in einem Gespräch mit einer Bekannten in Vorbereitung einer Afrika-Reise zur Hochzeit seines bestens Freundes über eine „Kuh“ als Geschenk. Mal ging es um eine angeblich vergessene „Bibel“, die ihm aus Nigeria mitgebracht werden sollte.

Neben dem 34-jährigen Hauptangeklagten wird seit Dezember 2017 fünf weiteren Nigerianern (drei Männer und zwei Frauen) wegen Menschenhandels, Zuhälterei, sexueller Ausbeutung und Betrugs der Prozess gemacht. Die Gruppe soll von 2015 bis 2017 mehr als zehn Frauen illegal aus Afrika eingeschleust und anschließend an zahlreiche Bordelle im Ruhrgebiet, auch nach Selm und Castrop-Rauxel, vermittelt haben.

Vor der Schleusung durch die Wüste und über das Mittelmeer sollen die Frauen in Nigeria vor einen Juju-Priester zur Einschüchterung ein blutiges Voodoo-Ritual mit Tierblut und Fingernägeln durchlaufen haben.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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