Voodoo-Prozess: Prostituierte wurden offenbar nicht nur in Afrika „verzaubert“

Voodoo-Prozess

Im „Voodoo-Prozess“ geht es um sexuelle Ausbeutung von Prostituierten in Selm und Castrop-Rauxel – und rituellen Zauber. Aus einem abgehörten Telefonat sind neue Details bekannt geworden.

Selm

, 27.06.2019, 16:14 Uhr / Lesedauer: 2 min
Voodoo-Prozess: Prostituierte wurden offenbar nicht nur in Afrika „verzaubert“

Die Angeklagten an der Seite von Verteidigern und Dolmetschern beim Prozessauftakt am Bochumer Landgericht im Dezember 2017. © Werner von Braunschweig

Im Prozess um durch Voodoo-Rituale erzwungenen Menschenhandel mit nigerianischen Prostituierten in Rotlicht-Clubs in Selm, Castrop-Rauxel und Umgebung sind am Donnerstag, 27. Juni, neue Details bekannt geworden.

Aus einem abgehörten Telefonat geht hervor, dass offenbar nicht nur vor der illegalen Einschleusung durch einen sogenannten Juju-Priester in Afrika Einschüchterungsrituale mit Tierblut abgehalten worden sind.

Auch später im Ruhrgebiet sollen einzelne Frauen einer spirituellen Behandlung ausgesetzt worden sein – dem sogenannten „Gegen-Voodoo“.

Prostituierte litt unter Albträumen

Nachdem eine der Prostituierten dem Hauptangeklagten offenbar berichtet hatte, dass sie nach ihrer Arbeit in Bordellen oft Albträume hat und davon träumt, im Schlaf erwürgt zu werden, soll der 34-Jährige Kontakt zu einer in Deutschland lebenden Nigerianerin aufgenommen haben.

Diese Frau soll vom Hauptangeklagten mit einer Art „Gegen-Zauber“ beauftragt worden sein.

Aus einem abgehörten Telefonat, das am Donnerstag vor dem Bochumer Landgericht abgespielt wurde, geht hervor, dass die Frau hier in Deutschland offenbar aber nicht alle benötigten „Sachen“ für die Abhaltung des „Gegen-Zaubers“ vorgefunden hat.

Geister sollen Gegen-Zauber nicht akzeptiert haben

„Sie hat mir gesagt, dass sie die notwendigen Sachen hier nicht findet“, ließ der Hauptangeklagte einen Dolmetscher erklären. Ohne diese notwendigen Gegenstände hätten „die Geister den von ihr vorgenommenen Zauber offenbar nicht akzeptiert“, soll die Frau weiter erklärt haben.

Der Hauptangeklagte habe daraufhin zu ihr gesagt, dass das kein Wunder sei, weil sie „die Sache dann eben nicht richtig gemacht“ habe.

Dann soll folgender Satz vom Hauptangeklagten am Telefon gefallen sein: „Wenn Du die Sachen haben willst, kann ich Dir sagen, wo Du sie hier findest.“

Der Prozess läuft schon seit eineinhalb Jahren

Dem 34-jährigen Hauptangeklagten und fünf weiteren Nigerianern (drei Männern und zwei Frauen) wird seit eineinhalb Jahren wegen Menschenhandels, Zuhälterei, sexueller Ausbeutung und Betrugs der Prozess gemacht.

Die Gruppe soll von 2015 bis 2017 mehr als zehn Frauen illegal aus Afrika eingeschleust und anschließend an zahlreiche Bordelle im Ruhrgebiet, unter anderem auch nach Selm und Castrop-Rauxel, vermittelt haben.

Vor der beschwerlichen Schleusung durch die Sahara und über das Mittelmeer bis nach Europa sollen die Frauen in Nigeria vor einen Juju-Priester zur Einschüchterung ein blutiges Voodoo-Ritual mit Tierblut und Fingernägeln durchlaufen haben. Die Angeklagten sind zum Teil geständig. Der Prozess wird fortgesetzt.

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