Vor 200 Jahren: Freiherr vom Stein bezieht Schloss

Ein historisches Datum

Schulen, Straßen und Stiftungen tragen seinen Namen, Denkmäler erinnern an ihn: Freiherr vom Stein hat die Region stark geprägt. Vor genau 200 Jahren war ein historischer Tag: Der Verwaltungsreformer durfte das Schloss Cappenberg beziehen. Darauf hatte er lange warten müssen. Eine Gastautorin erzählt die Geschichte für uns nach.

CAPPENBERG

von Christel Gewitzsch

, 01.07.2016, 05:29 Uhr / Lesedauer: 3 min
Ein Stahlstich vom Freiherrn vom Stein.

Ein Stahlstich vom Freiherrn vom Stein.

Genau vor 200 Jahren vollzog sich etwas, das auch heute noch von großer Bedeutung für die Stadt Selm und die Region ist: Der Freiherr Karl vom und zum Stein erhielt von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen die Erlaubnis, das Schloss Cappenberg zu beziehen. Sie galt ab dem 1. Juli 1816.

Der Freiherr tauschte das Schloss Cappenberg gegen sein Gut Birnbaum in Posen. Es galt seitdem als sein offizieller Altersruhesitz. Wie genau dieser Tausch vor sich ging, hat Christel Gewitzsch, die in ihrem Internetportal aktenlage.net historisch bedeutsame Ereignisse rund um Selm aufarbeitet, für uns beschrieben: 

Die Genehmigung kam später als erhofft 

Die Geduld des Freiherrn vom Stein war auf eine harte Probe gestellt worden, bis ihn endlich Anfang Juli 1816 die ersehnte Nachricht erreichte: die Genehmigung des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. für den Tausch des Gutes Birnbaum gegen Cappenberg.

Für Steins Geschmack hatte diese Entscheidung viel zu lange auf sich warten lassen. Seit dem Ende der Befreiungskriege trug er sich mit dem Gedanken, das so weit von seinen nassauischen Besitzungen entfernt gelegene Gut in der Provinz Posen durch ein anderes zu ersetzen. Cappenberg blieb dabei nicht ohne Konkurrenz, nahm aber schnell die Favoritenrolle ein: Westfalen war Stein während seiner 28-jährigen Dienstzeit als preußischer Beamter ans Herz gewachsen.

Das ist der Freiherr vom Stein
Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (geb. 1757 in Nassau) war ein preußischer Staatsmann und Reformator, der 1831 in Cappenberg starb. Der Freiherr vom Stein trat besonders in den Befreiungskriegen gegen Napoleon in Erscheinung und wollte später die deutschen Staaten neu organisieren. Sein Andenken wird durch zahlreiche Denkmäler erhalten, viele Schulen tragen seinen Namen. Auch die Zeche Minister Stein in Dortmund ist nach ihm benannt. Mittlerweile gibt es vielfältige Bemühungen, Selm als Freiherr-vom-Stein-Stadt zu etablieren. 

Ende des Jahres 1815 schrieb Stein in seinen Briefen von der Suche nach einem Tauschobjekt. Finanzminister Bülow hatte ihm versichert, sein Anliegen zu unterstützen. Auch der preußische Beamte Eichhorn in Berlin versprach zu helfen und die Mitglieder der Domänen-Sektion waren ihm wohlgesonnen. Stein bat den Freiherr von Wincke, den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, sich um die Angelegenheit zu kümmern.

Langes Warten: Vom Stein hatte Todessehnsucht

Doch der König ließ sich viel Zeit mit seiner Entscheidung. Stein drängte Anfang des Jahres 1816 und führte einige Male sein fortgeschrittenes Alter (er war damals 58 Jahre alt) und seine angegriffene Gesundheit als Gründe für die Eile an. Er glaubte, die nötigen Vorarbeiten, Berechnungen des Ertrags von Birnbaum und Cappenberg, erledigt zu haben und hatte für einen finanziellen Ausgleich Vorschläge eingereicht. Aber die endgültigen Berechnungen für Birnbaum verzögerten sich. Die in Teilen noch ungeklärte rechtliche Situation der Bauern in Westfalen erschwerte die Wertermittlung von Cappenberg.

Obwohl ihn aufmunternde Nachrichten über die Entwicklung des Tausches erreichten, schrieb Stein im Mai an seine Schwester Marianne von Verdruss, Krankheit und Todessehnsucht. Dem Kanzler Hardenberg erklärte er etwas später, er glaube nicht mehr an einen positiven Bescheid und werde die Idee wohl aufgeben müssen. Doch ein Brief des Finanzministers Bülow vom 28. Juni brachte ihm endlich Gewissheit. Mit Wirkung vom 1. Juli 1816 genehmigte der König den Tausch.

Der Freiherr schwärmte von der Umgebung Cappenbergs 

Auch wenn die endgültige Unterzeichnung des Vertrages noch einige Jahre auf sich warten ließ, widmete Stein seinem neuen Eigentum viel Aufmerksamkeit. Das Schloss war nach Jahren der Vernachlässigung nicht bezugsfertig. Im Propsteiflügel wollte Stein für sich und seine Familie eine Wohnung einrichten lassen, um einen Großteil des Sommers 1816 dort verbringen zu können. Im August machte er sich auf den Weg nach Westfalen und nach einem kurzen Aufenthalt in Münster nahm er Quartier in Cappenberg.

Er gab seinem Rentmeister Franz Heidenreich Geisberg und seinen Oberförster Daniel Poock erste Instruktionen und bedankte sich bei Freiherr von Vincke für dessen Unterstützung. Im Mai 1817, so schrieb er an die Gräfin Kielmansegg, wolle er das Schloss so weit in Stand gesetzt haben, dass Familie und Freunde dort untergebracht werden konnten. Um ihren Besuch bei ihm zu befördern, geriet er regelrecht ins Schwärmen. Er schrieb ihr von der „herrlichen Vegetation [der] Eichen und Buchen“ und von dem „weiten, freien Blick in eine große, schöne, von den Gebirgen des Sauerlandes begrenzte Ebene“; dem Grafen versprach er „ein ausgedehntes Jagdrevier.“

Vom Stein plante die Gestaltung des Schlosses im Detail 

Am 5. September 1816 beendete Stein seinen ersten Aufenthalt als neuer Eigentümer in Cappenberg und kehrte nach Nassau zurück. Seine Bemühungen um Cappenberg hielten aber auch während seiner Abwesenheit an. In ständigem Briefwechsel mit seinem Rentmeister und Oberförster kümmerte er sich um alle Belange der Gutsverwaltung. Und da er ein leeres Haus gekauft hatte, machte er sich mit Schwung an die Ausstattung.

Für die Möblierung des Schlosses beauftragte er Handwerker in nah und fern, gab detaillierte Anweisungen, nutzte die Messestadt Frankfurt für Einkäufe von Tapeten, Möbelstoffen und Tischzeug und nahm so sein neues Domizil nach und nach in Besitz.

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