Vorläufiges Aus für das Café Ehrenamt in Selm

Finanzierungsprobleme

Das Café Ehrenamt - beliebter Treffpunkt am Kirchplatz in der Selmer Altstadt - schließt am 30. September. „Bis auf Weiteres“, heißt es von der Betreibergesellschaft. Eine Formulierung, die die Möglichkeit offenlässt, dass es eine Nachfolgelösung geben könnte. Wir sagen, was Stand jetzt Fakt ist.

SELM

, 03.09.2016, 06:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jedenfalls arbeiten die Verantwortlichen daran, wie das Café Ehrenamt weitergeführt werden kann. Fakt ist dies:

  • „Trotz guter Einnahmen aus dem Verkauf von Getränken, Kuchen und Snacks sind die laufenden Kosten nicht zu decken - und das seit mehreren Jahren“, erklärt Pfarrer Claus Themann für die gemeinnützige Unternehmergesellschaft, die das Café seit 2011 mit eigenen Haushaltsmitteln trage.
  • „Was uns die Haare vom Kopf frisst, sind die hohen Nebenkosten“, berichtet der Pfarrer. Der Raum sei energetisch nicht sehr gut. Hinzu kämen die Steuern.
  • Der Mietvertrag mit dem Privateigentümer des Gebäudes sei bereits gekündigt.

In der Hoffnung, dass sich das Projekt Café Ehrenamt irgendwann selber trage, hätten die Betreiber lange gewartet, denn: „Es ist ein Café, wo viele Beziehungen und Kontakte entstanden sind und das mit viel Engagement von 14 Ehrenamtlichen geführt wird“, sagt Themann.

Jetzt lesen

Die Entscheidung, das Café zu schließen, sei den Gesellschaftern – der Pfarrei St. Ludger und dem Regionalverbund der katholischen Erwachsenenbildung und Familienbildung im Kreisdekanat Coesfeld – schwergefallen. Es habe viele Versuche gegeben, das Café anzukurbeln. „Es sind auch bessere Umsätze erzielt worden, und dennoch kommen wir auf keine guten Zahlen.“

Erste Überlegungen, wie das Café Ehrenamt weitergeführt werden kann, gebe es. Dazu bedürfe es:

  • einer neuen Trägerschaft
  • einer inhaltlichen Neukonzeptionierung mit neuen Angeboten, etwa für verschiedene Generationen
  • und Menschen, die bereit sind, das Angebot finanziell oder durch Mitarbeit zu unterstützen.

Wer will helfen?
Interessierte, die mitarbeiten wollen, das Café finanziell unterstützen oder Standorte anbieten können, melden sich bei Heide-Marie Schmidt, Tel. (02592) 2492133 oder per E-Mail an schmidt@bistum-muenster.de.

Auf der Suche nach neuen Trägern, neuem Standort und Mitarbeit(ern) sei jede Hilfe willkommen, sagt Heide-Marie Schmidt. Sie koordiniert die Angebote des Mehrgenerationshauses der Familienbildungsstätte und ist Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen. Von denen würden viele auch beim neuen Café Ehrenamt mitmachen, schätzt Petra Sowislo, „wir machen es ja gern“. Sie gehört zum Stamm der Ehrenamtlichen.

Die Stimmung im Team schwanke nach der Nachricht der Schließung „zwischen traurig und wütend“. Für viele der Gäste sei das Café Ehrenamt der Lebensmittelpunkt.

"Das wird eine harte Zeit für uns"

Und auch für die Ehrenamtlichen sei die Arbeit im Café Ehrenamt eine Bereicherung: „Es macht Spaß“, sagt Maria Bannert. „Man hat selber wieder eine Aufgabe, bekommt Anerkennung“, ergänzt eine Kollegin.

Die Gäste wussten am Freitag übrigens noch nichts von der Schließung. „Bitte fragen sie die jetzt nicht, was sie davon halten“, bittet Petra Sowislo unseren Reporter. „Wenn die Gäste das aus der Zeitung erfahren, kommen die sowieso auf uns zu. Das wird eine harte Zeit für uns, das kann ich Ihnen sagen.“  

Lesen Sie jetzt