Waffelino-Prozess: Elektriker gibt an, den gesuchten Schlüssel nicht mehr zu haben

Waffelino-Prozess

Im Waffelino-Prozess haben die Richter endlich den "Mann mit dem dritten Schlüssel" vernommen. Der Zeuge will das gute Stück aber schon längst wieder abgegeben haben.

Selm

, 19.04.2019, 07:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Waffelino-Prozess: Elektriker gibt an, den gesuchten Schlüssel nicht mehr zu haben

Der Prozess gegen Hamza K. soll im Mai zu Ende gehen. © Martin von Braunschweig

Im Waffelino-Prozess um mögliche Brandstifitungen hatten die Verteidiger des Angeklagten Hamza K. angeregt, einen 24-jährigen Zeugen zu befragen, der einen Schlüssel zum Café Waffelino gehabt haben soll. Der Selmer soll Anfang 2017 bei den Renovierungsarbeiten im Ladenlokal des Cafés geholfen haben. Und Hamza K. hatte erklärt, er habe dem Elektriker damals auch einen Schlüssel gegeben.

"Das stimmt", sagte der Zeuge am Donnerstag. Heute habe er den Schlüssel aber natürlich längst nicht mehr. "Als ich mit meinen Arbeiten fertig war, habe ich ihn entweder auf eine Ablage gelegt oder im Schloss stecken lassen", so der 24-Jährige.

Keine Einbruchsspuren an der Tür

Die Schlüsselfrage ist deshalb interessant, weil ein Gutachter des LKA die Schäden an der Eingangstür des Cafés eindeutig als "keine Einbruchsspuren" identifiziert hatte. Die Macken und Kratzer müssen bei geöffneter Tür angebracht worden sein. Und zwar von einem Täter, der in Besitz eines Schlüssels war. Zum damaligen Zeitpunkt gab es aber nur drei Schlüssel: Einen hatte Hamza K., einen dessen Verlobte und den dritten vermuteten die Verteidiger bis Donnerstag bei dem 24-jährigen Elektriker.

Offensichtlich scheidet der Zeuge jedoch als verdächtige Person aus. Auch seine angeblichen Freundschaften mit Mitgliedern einer libanesischen Großfamilie scheinen als Spur im Sande zu verlaufen. Hamza K. hatte durchblicken lassen, er traue der Großfamilie durchaus die Brandstiftung im Café Waffelino zu. Der Zeuge sagte jedoch: "Ja, man kennt sich. Aber Selm ist eine kleine Stadt, da kennen sich die meisten Menschen irgendwie.“

Bruder von Hamza K. suchte Kontakt

Der 24-Jährige räumte jedoch ein, im Vorfeld seiner Aussage vor Gericht von einem Bruder des Angeklagten angesprochen worden zu sein. Auch der habe sich für den Schlüssel zum Ladenlokal interessiert und gefragt: "Kannst du nicht einfach aussagen, dass du den Schlüssel einem anderen Mann gegeben hast?" Der Zeuge wollte sich darauf allerdings nicht einlassen. "Dann hätte ich mich ja strafbar gemacht", sagte er am Donnerstag.

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