Warum dieser Samstag für Selmer Kinder ein ganz besonderer Tag ist

rnKarneval in Selm

Was die Erwachsenen in dieser Session nicht schaffen, war für die Kinder kein Problem. Sie sind im Karneval mit einem Prinzenpaar vertreten. Wer die beiden sind, war lange ein Geheimnis.

17.11.2018, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das war nichts für Sina. Das dunkelhaarige Mädchen schüttelt den Kopf. Sie musste dichthalten, schon seit Monaten. Kein Wort zu niemandem. Dabei hätte sie doch so gerne all ihren Freundinnen und Freunden die Neuigkeit mitgeteilt: Sie, Sina Bartkowiak, 14 Jahre alt, wird Karnevalsprinzessin von Selm.

Nur die beste Freundin wusste es

Nur die beste Freundin Josie hat sie eingeweiht. Denn die wusste sowieso seit Juni Bescheid: eine Art Familiengeheimnis. Josie lacht und zeigt auf den Jungen neben ihr: „Mein kleiner Bruder Leeland“, stellt sie vor: „Der neue Prinz.“

Leeland Viebranz ist elf Jahre alt und damit drei Jahre jünger als die Prinzessin – und zwei Köpfe kleiner. Beides macht ihm nichts. Sina auch nicht. „Wir kennen uns gut“ versichern beide. Das sei entscheidend. Schließlich werden die Zwei bis zum 6. März, dem Aschermittwoch, an dem bekanntlich alles vorbei ist, viele Stunden Seite an Seite verbringen: auf dem Kinderprinzenthron, dem einzigen, der in dieser Session in Selm besetzt sein wird.

Proklamation: ein schwieriges Wort

Zum ersten Mal werden Sina und Leeland an diesem Samstag darauf Platz nehmen: um 15.11 Uhr im Bürgerhaus. „Bei der Proklamation, sagt Leeland. Das schwierige Wort kommt ihm ganz selbstverständlich über die Zunge „Aber vor einigen Wochen kannte ich es noch gar nicht“, gibt er zu.

Leeland ist im Karneval ein Neuling. Da hat ihm Sina, die seit Jahren in der Garde tanzt, einiges voraus. Umgekehrt bringt aber auch der Prinz etwas in die Regentschaft, von dem sie profitieren kann. Leeland ist routiniert, wenn es darum geht, vor großem Publikum zu stehen. Seit drei Jahren liest er Jahr für Jahr die Martinsgeschichte beim Selmer Martinszug vor. Wenn das Kinderprinzenpaar an diesem Samstag das Narrenvolk im Bürgerhaus begrüßen muss, wird der kleine Prinz keine weichen Knie haben – voraussichtlich.

Forderung des Prinzen: Spielplätze verbessern

Die Erwachsenen feiern an diesem Sonntag ab 20.11 Uhr zwar auch Karneval im Bürgerhaus, aber ohne Prinzenpaar. Die designierten Tollitäten hatten kalte Füße bekommen. Nach der Absage war es zu spät für die Selmer Karnevalsgesellschaft Ersatz zu finden. Alle närrische Macht fällt damit in dieser Session den Kindern zu: eine Vorstellung, die Leeland und Sina gefällt. Was er machen würde, wenn er nicht nur Prinz von Selm wäre, sondern auch Bürgermeister, weiß der Elfjährige genau: „Ich würde die Spielplätze verbessern.“ Alte und defekte Spielgeräte gegen neue ersetzen, die richtig Spaß machen. „Spielen“ nennt Leeland sei größtes Hobby, zum Bedauern seiner Mutter. Denn der Sekundarschüler meint nicht das Toben draußen auf den Spielplätzen, sondern drinnen vorm Computer. Dafür werde aber jetzt, mit Beginn seiner Amtszeit, weniger Zeit bleiben, sind sich beide sicher.

Warum dieser Samstag für Selmer Kinder ein ganz besonderer Tag ist

Sie können auch schon souverän repräsentieren: das Prinzenpaar (vorne rechts) mit seinem Hofstaat. © Sylvia vom Hofe

Sina geht schon seit Jahren zweimal die Woche zum Gardetanztraining: „Nicht nur zur Karnevalszeit, sondern ganzjährig.“ Außerdem backt die Sekundarschülerin für ihr Leben gern. Bei den vielen Auftritten, die jetzt vor ihr und Leeland liegen, kann süße Nervennahrung nicht schaden.

An diesem Samstag 17. November, erfolgt die Proklamation des Prinzenpaars um 15.11 Uhr im Bürgerhaus, Willy-Brandt-Platz. Die Erwachsenen feiern ab 20.11 Uhr.
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