Was die Nähkurse in Bork so besonders macht

Angebot der Familienbildungsstätte

Am Nähkurs von Agnes Puhe an der Bahnhofstraße in Bork teilzunehmen, ist einfach. Mitzubringen sind: Spaß am Nähen und Zeit am Vormittag. Der Kurs der Familienbildungsstätte (FBS) Selm erfordert Konzentration. Als Belohnung lockt längst nicht nur Mode Marke Eigenschnitt, wie ein Kursbesuch zeigt.

BORK

, 25.07.2017, 06:25 Uhr / Lesedauer: 3 min
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.

Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.

Im Kursraum an der Ludgeristraße hilft jede jeder. Drei Stunden lang ab 8.30 Uhr. Puh, das klingt lang. „Drei Stunden sind nix, wenn man erst mal anfängt“, kontert die Kursleiterin. Der Besuch des Reporters zeigt, dass Agnes Puhe Recht hat.

Was genau die Frauen im Kurs machen, erklärt Agnes Puhe so: „In der Regel werden hier Kleidungsstücke für den Eigenbedarf und für Kinder gefertigt.“ Erste Erkenntnis: Die Frauen produzieren. „Sie lernen aber auch, selber zuzuschneiden. Einige kannten das aber auch schon.“ Die einzelnen Arbeitsgänge sinnvoll zu verbinden, sei ein wichtiger Schritt.

Das Problem: „Manchmal vergessen die Frauen die einzelnen Arbeitsschritte bis zum nächsten Kursmorgen wieder.“ Sie sagt das ohne Vorwurf, denn: „Eigentlich ist Nähen ja ein Lehrberuf.“ Zweite Erkenntnis: Nähen zu lernen, ist nicht mal eben so zu erledigen.

Teilnehmer brauchen keine Vorkenntnisse

Agnes Puhe zum Beispiel ist gelernte Damenschneiderin. „Das habe ich drei Jahre lang gelernt, damals, als ich noch jung und schön war.“ „Jetzt bist Du nur noch schön“, ruft eine Frau dazwischen und erntet das Gelächter der anderen. Dritte Erkenntnis: Nähen ist nicht staubtrocken, sondern auch lustig.

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Zu Besuch beim Nähkurs in Bork

Ein Besuch beim Nähkurs von Agnes Puhe in Bork zeigt: Der Kurs der Familienbildungsstätte (FBS) Selm erfordert Konzentration. Teilzunehmen, ist relativ einfach. Mitzubringen sind: Spaß am Nähen und Zeit am Vormittag.
24.07.2017
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Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
Nähen ist nützlich, aber auch ein Gemeinschaftserlebnis der besonderen Art, das beweist ein Besuch beim Nähkurs in Bork.© Foto: Arndt Brede
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Dass Nähen für Nicht-Profis offenbar ein ständiger Lernprozess ist, kann Menschen, die völlig von vorn anfangen wollen, aber sich vielleicht nicht trauen, Hoffnung machen. „Ja, man kann ohne Vorkenntnisse zu uns kommen und man kann am Ende eigene Kleidung oder für Nichten und Neffen erstellen“, sagt die Kursleiterin, und die anderen nicken. So, als wollten sie sagen: Jeder ist willkommen, wir kümmern uns schon.

Und was kann man nähen? „Kleine Taschen, Kosmetiktaschen, Schürzen, T-Shirts“, listet Agnes Puhe auf. Um es kurz zu sagen: „Alles, was man nähen kann.“

Schluss ist erst, wenn die Schränke voll sind

„Und wenn man nach 32 Jahren aufhört, kann man es allein zuhause weiter machen“, ergänzt Irmgard Kaiser. Wie bitte? „Ja, heute ist mein letzter Tag“, sagt die 74-Jährige. Sie habe tatsächlich vor 32 Jahren erstmals den Nähkurs besucht und sei dabei geblieben. Warum aber jetzt der Schlussstrich? „Bei mir sind die Schränke voll“, erzählt sie lächelnd. „Ich kann so ziemlich alles alleine, und irgendwann muss auch mal Schluss sein.“

Man mag sich gar nicht vorstellen, wie viele Kleidungsstücke Irmgard Kaiser in 32 Jahren gefertigt hat. „Zählen kann ich sie nicht.“ „Erst hat man für die Kinder und Enkel Höschen und so was genäht, und jetzt näht man halt größere Sachen“, wirft Ursula Bördeling ein. Sie ist auch schon knapp 14 Jahre dabei.

Gemeinschaftssinn macht den Nähkurs aus

Was aber ist das Besondere an solch einem Nähkurs. Die Frauen könnten ja auch im stillen Kämmerlein vor sich hin arbeiten und ihr Wissen aus Büchern beziehen. Was auf diesen Einwurf des Reporters folgt, würde jeden Chorleiter erfreuen. Wie aus einem Mund schallte es aus allen Frauenkehlen: „Die Gemeinschaft.“ „Wenn mal jemand was vergessen hat, habe es jemand anderes mit und leiht es.“

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Seit knapp sieben Jahren leitet Agnes Puhe den Kurs. Gern, wie sie sagt. Kann sie als Profi von den Kursteilnehmerinnen denn auch etwas lernen? „Ja, klar. Manchmal kommen sie mit guten Ideen, von denen ich noch nie ’was gehört habe. Andererseits bringe ich ja auch neue Ideen mit in den Kurs rein. Es ist ein Geben und Nehmen.“

Männer trauen sich nur vereinzelt dazu

Bleibt noch eine nicht unwichtige Frage zu klären: Warum sind im Nähkurs keine Männer? „Männer trauen sich das nicht“, meint Agnes Puhe. Aber warum trauen sich Adams Söhne nicht. Evas Töchter trauen sich doch auch. „Vereinzelt habe ich auch schon mal Männer in den Kursen und Jungs in den Kinderkursen gehabt“, gibt die Kursleiterin zu.

„Für die Jungs ist das schwierig. Jungs, die nähen, sind in der Regel sehr sensibel. Und Mädchen achten nicht unbedingt auf sensible Jungs.“ Männer, die gern nähen, so die Einschätzung der Kursleiterin, gehen nicht in einen Kurs. „Wobei sie ja von den Frauen umgarnt würden.“

Also: Es spricht nichts dagegen, dass Männer in den Nähkurs kommen. Sie müssen nur Stoff und ein Schnittmuster mitbringen. Spaß am Nähen bekommen sie in der Gemeinschaft…  

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