Was fliegt denn da? Fast unbekannter Flugkörper schwebt über Cappenberg

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Über die Baumkronen schiebt sich eine riesige Zigarre: ein nagelneues, aber aus der Mode gekommenes Fluggerät. Weltweit gibt es nur fünf davon. Eines schwebt am Mittwoch über Cappenberg.

Selm, Cappenberg

, 29.05.2019, 17:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

ZF steht in großen weißen Lettern auf dem blauen Zigarrenkopf in luftiger Höhe. Das lässt sich auch vom Boden noch bequem lesen. Die Abkürzung steht für Zahnradfabrik. Damit ist das Unternehmen aber nur unvollständig beschrieben.

ZF ist einer der weltweit größten Automobilzulieferer. Das Unternehmen aus Friedrichshafen ist außerdem einer der Hauptgesellschafter der ZLT Zeppelin Luftschifftechnik GmbH & Co.. Und die stellt neu her, was eigentlich schon auf dem Friedhof der Technikgeschichte beigesetzt ist: Zeppeline.

Weltweit nur fünf Zeppeline

„Eine tolle Art zu reisen“, sagt Bettina Tillmanns am Telefon. Sie ist Sprecherin von ZF, eigentlich für das Fachgebiet Wirtschaft und Finanzen zuständig, aber bei Zeppelinen macht sie auch einmal eine Ausnahme: besonders bei den beiden Zeppelinen mit dem weithin sichtbaren ZF-Aufdruck: die beiden einzigen Zeppeline ganz Europa. „Weltweit gibt es fünf“, sagt sie. Was die Rarität über Cappenberg macht, kann sie erklären.

„Eigentlich“, so die Unternehmenssprecherin, „sind die Zeppeline in Friedrichshafen stationiert“. Einer von beiden sei gerade in Berlin gewesen und habe am zurückliegenden Wochenende über dem Gelände des stillgelegten Flughafens Tempelhof geschwebt, während sich 300 Meter tiefer ganz besondere Autos ein Rennen lieferten.

Verbrennungsmotor mit Flugbenzin

Die Formel E, die Rennklasse für E-Fahrzeuge, gibt dort Gas. In den Boliden, aber auch in ganz normalen Elektroautos, sind ZF-Bauteile verbaut, wie Tillmanns mitteilt. In dem Luftschiff ebenfalls. Das ist aber schon die einzige Gemeinsamkeit. Denn der Zeppelin ist mit einer Reisegeschwindigkeit von 70 bis 80 Stundenkilometern und einer Spitzengeschwindigkeit von 125 eher ein gemächlicher Riese - angetrieben von einem Verbrennungsmotor mit Flugbenzin: der moderne Vertreter einer Technik, die totgesagt schien - und die Tod brachte.

36 Menschen sterben, als am 3. Mai 1937 die „Hindenburg“ zu einer Fahrt von Frankfurt nach Lakehurst bei New York startete und kurz vor der Landung in Flammen aufgeht, 62 überleben. Die Katastrophe beendet die Zeit der Zeppeline, damals Hochtechnologie. Trotz mehrerer Versuche gelingt es nicht, sie im großen Stil zu reaktivieren, obwohl er viele Vorzüge hat.

Bis zu 24 Stunden kann er in der Luft bleiben, 1000 Kilometer am Stück zurücklegen und zwölf Passagiere mitnehmen. Es gibt sogar eine Toilette mit Fenster. Bettina Tillmanns kennt aber auch Nachteile. Der Zeppelin, der im Gegensatz zu einem Prallluftschiff oder Blimp ein starres inneres Gerüst besitzt, könne 2,43 Tonnen transportieren: weniger als jeder LKW.

Mit 495 Euro ist jeder dabei

Warum der Koloss überhaupt seine Runden dreht, und dann noch über Cappenberg? Er dient in erster Linie als Werbeträger, aber nicht nur das. „Regelmäßig ist er auch für Forschungszwecke im Einsatz“, sagt die Sprecherin. Mit den entsprechenden Genehmigungen könne er deutlich höher oder tiefer fliegen als 300 Meter. Seitdem er im Einsatz ist, gebe es eine steigende Nachfragen nach touristischen Flügen“. 495 Euro kostet ein Platz.

„Bis Sonntag ist er noch bei Ihnen“, sagt die Unternehmenssprecherin und meint damit „in NRW“. Start und Landung erfolgt bei Bonn. Auch wenn sie es nicht genau wisse, hält sie es für wahrscheinlich dass er bis dahin noch häufiger auf seinen Rundflügen zu beobachten sei. Danach geht es zurück nach Friedrichshafen.

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