Was nun beim Türkei-Urlaub zu beachten ist

Verschärfte Reisehinweise

Die drei Freundinnen aus Selm hatten sich schon auf ihren Türkei-Urlaub gefreut. Doch dann verschärfte das Außenministerium am Donnerstag die Reisehinweise für das Land. Wie sehen diese Hinweise genau aus? Was ist der Unterschied zu einer Reisewarnung? Und kann man noch umbuchen? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

SELM

, 23.07.2017, 18:23 Uhr / Lesedauer: 2 min
Was nun beim Türkei-Urlaub zu beachten ist

Zum Themendienst-Bericht von Philipp Laage und Julia Naue vom 12. April 2017: Die Türkei ist derzeit eines der Sorgenkinder der europäischen Tourismusbranche. (Archivbild vom 31.05.2010/Nur zur redaktionellen Verwendung durch Themendienst-Bezieher.) Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn | Verwendung weltweit

Was rät das Auswärtige Amt? Weil mittlerweile auch „völlig unbescholtene deutsche Staatsbürger“ in der Türkei in Schwierigkeiten geraten könnten, wie Außenminister Sigmar Gabriel am Donnerstag sagte, hat das Auswärtige Amt seine Sicherheitshinweise für Türkeireisende verschärft. Jetzt lauten sie: „Personen, die aus privaten oder geschäftlichen Gründen in die Türkei reisen, wird zu erhöhter Vorsicht geraten und empfohlen, sich auch bei kurzzeitigen Aufenthalten in die Listen für Deutsche im Ausland bei Konsulaten und der Botschaft einzutragen.“ Eine offizielle Reisewarnung ist das aber nicht.

Was ist der Unterschied zu einer Reisewarnung? Zwar hat Gabriel gesagt, dass er niemandem empfehlen könne, in die Türkei zu reisen. Das verstehe der Zuhörer zwar durchaus als Reisewarnung, sagt Pia Melchert von der für Selm zuständigen Verbraucherzentrale Lünen auf Anfrage, „formal ist es aber keine“. Erst wenn das Auswärtige Amt ausdrücklich vor einem Land oder einer Region warnt, dürften Urlauber ihre Reisen dorthin gebührenfrei stornieren.

Müssen Reisende, die ihren Türkeiurlaub nicht mehr antreten möchten, jetzt also zahlen? Ja. Das gilt sowohl für Stornogebühren, die bei einer Absage anfallen – je nach den jeweiligen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und dem Zeitpunkt der Absage zwischen 25 und 75 Prozent des Reisepreises – als auch für Umbuchungsgebühren. Die liegen laut Natalia Janke vom Reisebüro Natalia-Tours bei bis zu 40 Euro pro Person.

Die Verbraucherzentrale NRW appelliert an die Reiseveranstalter, sich kulant zu zeigen und auf Gebühren zu verzichten: „Wer angesichts dieser aktuellen Entwicklung von einer bereits gebuchten Reise zurücktreten will, sollte bei Veranstaltern auf Verständnis treffen“, bekräftigt Pia Melchert von der Verbraucherzentrale Lünen. „Vielleicht sollte für solche Fälle ein Fonds eingerichtet werden“, sagt Natalia Janke, damit weder die Veranstalter als auch die Kunden auf den Kosten sitzen blieben.

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Wie haben die Reisenden in Selm reagiert? Sehr unterschiedlich. Während die drei Kundinnen von Natalia-Tours sofort umbuchten – sie fliegen jetzt lieber nach Ägypten – , haben Kunden von Thomas Hofmanns City-Reisebüro an der Ludgeristraße bislang bei Beratungsgesprächen belassen. „Danach waren sie beruhigt“, sagt Hofmann. Er selbst würde auch weiterhin in die Türkei fliegen.

„Politische Diskussionen sollte man aber meiden“, empfiehlt Joachim Horn vom gleichnamigen Reisebüro Horn an der Kreisstraße. Allen, die auf eigene Faust durchs Land reisen möchten, empfiehlt er, sich online in der sogenannten Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amtes' type='' href='https://elefand.diplo.de/elefandextern/home/login!form.action eintragen zu lassen. 

Welche Urlaubsziele sind bei den Selmern zurzeit besonders beliebt? „Ägypten ist sehr gefragt“, sagt Thomas Hofmann. Daran hätten die dortigen Anschläge nichts geändert. Die Türkei sei auch ein Jahr nach dem gescheiterten Putschversuch beliebt – auch weil die Angebote dort in diesem Jahr besonders günstig seien. Spanien habe deutlich im Preis angezogen, sei aber ein Renner, meinen die Selmer Reiseexperten übereinstimmend.

Lässt sich für diese Ferien jetzt noch etwas buchen, wenn es nicht gerade die Türkei sein sollte? „In fast allen Ländern ist noch etwas zu bekommen“, sagt Joachim Horn. Auch wenn das selten Schnäppchen seien. Natalia Janke sieht Mallorca dagegen nahezu ausgebucht.

Nicht nur die politische Situation trübt Urlaubsfreuden, sondern auch das Seebeben vor der griechischen Insel Kos. Sind dort Stornierungen möglich? „Urlauber sollten sich mit den Reiseveranstaltern in Verbindung setzen“, rät Verbraucherschützerin Melchert. Nur wenn erhebliche Schäden am Hotel selbst seien, gäbe es wohl einen Rechtsanspruch. „Aber auch da sollte man auf Kulanz setzen.“ Die Mitarbeiter der örtlichen Reisebüros kennen keinen Betroffenen.

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