Was sagen Cappenberger Bürger zum Dorfladen?

Initiative für Genossenschaft

Ein idyllischer Stadtteil Selms. Etwas über 2000 Einwohner. Ein einziges Lebensmittelgeschäft. Da fehlt doch was. Meinen auch die Cappenberger und freuen sich darauf, dass es eine Initiative von Cappenbergern gibt, die per Genossenschaft einen Dorfladen gründen wollen. Wir haben uns umgehört.

CAPPENBERG

, 30.04.2016, 05:01 Uhr / Lesedauer: 3 min
Was sagen Cappenberger Bürger zum Dorfladen?

Noch ist es ein kleines Lebensmittelgeschäft, das Martin Maßmann in der Rosenstraße betreibt. Bald schon könnte dort ein Dorfladen entstehen.

Was halten die Cappenberger von der Dorfladen-Idee? Wir haben fünf Bürger gefragt, wie sie zu dem Genossenschafts-Projekt stehen.

"Superidee"

Holger Möller hat eine klare Meinung: „Das ist eine Superidee. Ich bin davon überzeugt, dass das bestehende Geschäft an Attraktivität gewinnt. Jeder wird irgendwie das Gefühl haben: Ich bin daran beteiligt und sorge dafür, dass hier endlich mal eine vernünftige Lebensmittelstruktur hinkommt. Die alten Leute haben keine Probleme mehr einzukaufen. Das ist eine runde, gelungene Sache.“ Er sei davon überzeugt, „dass wir hier die nötigen Leute zusammenbekommen.“

"Wenig Versorgung"

„Ich habe es erst gerade erfahren“, berichtet Anja Völkening. „Spontan gesagt, finde ich es super. Ich finde es schade, dass es hier so wenig Versorgung in Cappenberg gibt. Ich würde das unterstützen und dort auch einkaufen gehen.“

"Anlaufstelle"

Positiv nimmt auch Petra Kropp die Initiative Dorfladen auf: „Ich finde das gut, weil es hier auf Cappenberg fehlt. Es fehlt hier eine Anlaufstelle, wo man nicht nur einkaufen, sondern sich auch treffen kann. Wenn alle an einem Strang ziehen, wird das mit Sicherheit gelingen. Cappenberger sind stark.“

"Einkaufen ist schwierig"

Seit mehr als zehn Jahren wohnt Gerda-Marie Wältermann in Cappenberg. Ihre Meinung: „Ich kann das nur befürworten. Auf Cappenberg ist nicht allzu viel, bis auf die Bäckerei und die Pizzeria, wofür wir sehr dankbar sind, dass es sie gibt. Wir brauchen den Einkaufsladen. Sonst muss man runter nach Lünen zum Einkaufen fahren. Dazu braucht man ein Auto. Na ja, mit dem Bus ginge es auch, aber mit den Einkäufen ist es auch mit dem Bus wieder schwierig, gerade wenn man älter ist.“

"Treffpunkt"

Das Dorf Cappenberg werde durch den Dorfladen wieder erblühen, meint Christoph Böcker: „Weil die Leute dann einen Treffpunkt haben. Wir haben sonst nichts hier oben, wo wir uns treffen können. Viele kennen sich hier in Cappenberg nicht, weil viele neu hier zugezogen sind, worüber wir uns freuen. Im Dorfladen kann man sich dann begegnen und kennenlernen.“ Er habe sofort ja gesagt, als er gefragt worden sei, ob er bei einer Genossenschaft mitmachen würde. „Wir waren schon bei mehreren Dorfläden, haben uns angeguckt, wie das da läuft.“

Zum Beispiel in Nottuln-Schapdetten. „Die Leute, die den Dorfladen dort betreiben, sagen, dass das Dorfleben aufgewertet worden sei und die Einwohner den Laden gern annehmen.“ So wie in Schapdetten müssen auch die Cappenberger einen Businessplan aufstellen. „Das haben wir aber schon in die Wege geleitet“, sagt Martin Maßmann, der Betreiber des jetzigen Lebensmittelgeschäftes.

„Die Umsätze sind fast konstant“ - so funktioniert der Dorfladen in Schapdetten

Finden sie genügend Bürger, um 80.000 Euro für den Start zusammen zu bringen? Kann ein Dorfladen in einem kleinen Ort wie Schapdetten mit 1300 Einwohnern dauerhaft überleben? Fahren die Bürger am Ende doch fünf oder sechs Kilometer nach Nottuln oder Havixbeck, um gleich andere Dinge mit zu erledigen? Fragen über Fragen, die sich die Initiatoren in diesem Nottulner Dorf gestellt haben.

Sorgen in den Sommerferien

Heute, knapp drei Jahre später, können sie feststellen, dass sie offensichtlich alles richtig gemacht haben. „Der Laden wird gut angenommen, die Umsätze sind fast konstant“, sagt auf Anfrage unserer Redaktion Ariane Richert vom Vorstand der eigens gegründeten Genossenschaft.

Zugleich räumt sie ein, dass nach einem „grandiosen Startmonat“ im März 2014 die Euphorie nachließ. Gerade in den Sommerferien gab es Sorgen, ob das Konzept langfristig trägt. „Vor einem Jahr zog es richtig an“, berichtet Ariane Richert weiter. Sie freut sich, dass die Bürger des Ortes den Wert ihres „Dettener Dorfladens“ zu schätzen gelernt haben.

Nur noch ein Bäcker

Es gehe um mehr als die Besorgung der Dinge für den täglichen Bedarf. „Ohne das Geschäft sieht man sich nicht mehr“, nennt Ariane Richert einen zweiten wichtigen Aspekt. Genau diese Situation habe es vor der Eröffnung gegeben. Der letzte Metzger hatte vor Jahren geschlossen, ein Lebensmittelgeschäft gab es nicht. Einzig ein örtlicher Bäcker hatte geöffnet und bot einige Lebensmittel an.

Als auch dort die Schließungspläne konkreter wurden, ergriffen engagierte Bürger die Initiative. Statt der benötigten 320 Anteile für jeweils 250 Euro zeichneten die Bürger 362 Anteile. In Eigeninitiative bauten sie das Geschäft des Bäckers um.

Personal eingestellt

Auf knapp 100 Quadratmetern bietet der Laden jetzt an sieben Tagen in der Woche viele frische Lebensmittel, Süßwaren, Getränke, Tiefkühlprodukte und etliches mehr an. Während der Vorstand der Genossenschaft ehrenamtlich arbeitet, ist das Verkaufspersonal angestellt

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