Weil die Quote im Kreis Unna recht hoch ist, wird zunächst kein neuer Kinderarzt nach Bork kommen. © picture alliance / dpa
Versorgungslücke

Wegen Überversorgung: Bork könnte längere Zeit auf Kinderarzt warten

In Bork gibt es seit über einem Jahr keinen Kinderarzt mehr. Das ärgert manche Eltern. Im Moment darf sich aber kein neuer Arzt niederlassen, denn es gibt im Kreis tatsächlich zu viele.

In der Borker Ärztelandschaft klafft weiter eine Lücke: Nachdem Dr. Birgit Speitel sich im September vergangenen Jahres in den Ruhestand verabschiedet hat, gibt es in ganz Bork keinen Kinderarzt mehr. Das sorgt teilweise für Unmut in der Bevölkerung. „Normale Ärzte gibt es hier wie Sand am Meer! Bäckereien ohne Ende!!! Aber ein Kinderarzt ist zu viel verlangt???“, regte sich ein User auf Facebook auf. In Selm gibt es insgesamt zwei Kinderärztinnen. Ob es in Bork bald auch wieder einen geben wird, ist weiterhin fraglich. Denn hier kommt es auf die Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) an.

Kreis Unna für Kinderärzte gesperrt

Wichtig dabei ist: Birgit Speitel hat sich zwar hauptsächlich um junge Patienten gekümmert, ihre Zulassung hatte sie aber nicht als Kinderärztin, sondern als Hausärztin. „Die Übernahme des Arztsitzes von Dr. Speitel durch einen Kinderarzt war somit nicht möglich“, erklärt Vanessa Pudlo, Pressesprecherin der KVWL.

Und auch in der näheren Zukunft könnte es in Bork mit der kinderärztlichen Versorgung schwierig werden. Denn die Kinderärzte gehören zur sogenannten fachärztlichen Versorgung, die Planung des Versorgungsgrades erfolgt auf Kreisebene.

Im Kreis Unna sind derzeit (Stand 31. Mai) insgesamt 26 Kinderärzte zugelassen, das entspricht einem Versorgungsgrad von 111,4 Prozent. Die vorgesehene Abdeckung (100 Prozent) richtet sich nach verschiedenen Faktoren. Ab 110 Prozent gilt ein Bereich als überversorgt. Das heißt, dass der Kreis Unna derzeit für Neuzulassungen von Kinderärzten gesperrt ist. Weder in Bork noch in anderen Orten kann es aktuell eine neue Praxis geben. „Der aktuelle Stand wird zwei Mal im Jahr, im Mai und im November, überprüft. Wenn einer der Kinderärzte aufhört, könnte dieser aber seine Praxis weitergeben und diese würde nachbesetzt“, erläutert die Pressesprecherin.

Neue Ärzte könnten sich überall im Kreis niederlassen

Solange Letzteres im Kreis Unna der Fall ist, ändert sich an dem Versorgungsgrad nichts und die Borker dürfen nicht auf einen neuen Kinderarzt hoffen. Nur wenn eine Praxis keinen Nachfolger findet, würde die Sperrung aufgehoben. Dann könnte sich ein neuer Arzt frei entscheiden, wo im Kreis er sich niederlassen will. „Ärzte können eine Praxis übernehmen oder sich mit anderen Ärzten einigen und in eine bestehende Praxis einsteigen“, nennt Vanessa Pudlo verschiedene Optionen.

Matthias Schröder ist Inhaber der Praxis an der Hauptstraße, in der Dr. Birgit Speitel früher gearbeitet hat. Er hatte im vergangenen Jahr bedauert, dass dort keine Kinder mehr behandelt werden können und erklärt: „Wir haben die entsprechende Genehmigung nicht bekommen.“ Somit können in Bork derzeit nur Jugendliche ab 14 Jahren behandelt werden. Und das wird wohl vorerst so bleiben.

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Bastian Becker