Weiße Weihnachten? Wohl nicht mehr als ein Traum

Pollenwarndienst statt Winterkälte

13 Grad in Selm - und das Mitte Dezember! Statt Winter-Feeling gibt es momentan frühlingshafte Temperaturen. Zum ersten Mal muss der Wetterdienst bereits im Dezember vor fliegenden Haselpollen warnen. Ändern soll sich das vorerst nicht. Schnee zu Weihnachten scheint somit ausgeschlossen - auch wenn es kälter werden soll.

SELM

, 18.12.2015 / Lesedauer: 3 min
Weiße Weihnachten? Wohl nicht mehr als ein Traum

Alte bekannte Störche haben sich auf dem Horst in der alten Aue niedergelassen.

„Bis auf die Alpen und den bayerischen Wald müssen wir in diesem Jahr in ganz Deutschland von grünen Weihnachten ausgehen“, sagt Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD) auf Anfrage unserer Redaktion. Und als sei das nicht schlimm genug, kommt die schlechte Nachricht für Allergiker hinterher: „Am Dienstag haben wir unseren Pollenwarndienst für einige Frühblüher aktiviert“, sagt Friedrich. 

Diesen Service bietet der DWD seit dem Jahr 2000 an - und muss nun zum ersten Mal bereits im Dezember vor fliegenden Haselpollen warnen, deren Zeit eigentlich immer erst im Februar kommt. Es scheint ohnehin die Zeit der Rekorde zu sein: 2014 war das wärmste Jahr in Deutschland mit einem Mittelwert von 10,3 Grad seit Beginn der Wetteraufzeichnung 1881.

Weltweit wärmster Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung

„2015 wird das aber nicht toppen“, sagt Friedrich, „im Moment liegen wir etwa 0,7 Grad unter dem letztjährigen Mittelwert“. Die Weltorganisation für Meteorologie und die Nasa haben aber ihre Daten für das auslaufende Jahr bekannt gegeben und da schafft 2015 doch noch einen Rekord: Es ist das - weltweit - wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnung.

Die Prognose für die letzten zwei Wochen des Jahres sehen dann auch eher enttäuschend aus. „Wir gehen mit großer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es so mild bleiben wird“, sagt der Wetterexperte. Es könne zwar um die Feiertage kälter werden - für Schnee reiche das aber nicht aus. 

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Die Wahrscheinlichkeit in der Region rund um Selm weiße Weihnacht zu feiern, liege generell ohnehin nur bei zehn Prozent. „Die Erfahrung zeigt, dass es im Rheinland und Ruhrgebiet nur alle zehn Jahre weiße Weihnachten gibt“, so Friedrich. Das letzte mal gab es 2010 in ganz Deutschland ein weißes Weihnachtsfest. „Das war ein Rekordjahr mit einem schneereichen Dezember“.

Storchenpaar bleibt schon seit zwei Jahren in Olfen

Welche Auswirkungen die warmen Winter haben, zeige sich gut an verschiedenen Vogelarten, erklärt Uwe Norra, Pressesprecher des Nabu für Selm. Kurzschnabelgänse beispielsweise, die in Spitzbergen beheimatet sind, überwintern nicht mehr in den Niederlanden, sondern in Dänemark. In Olfen gebe es außerdem ein Storchenpaar, dass seit zwei Jahren in der Steverstadt bleibt. 

„Die Vögel suchen sich Ausweichgebiete. Statt nach Spanien oder Nordafrika zu fliegen, blieben sie hier und sparen ihre Kräfte“, so Norra. Immer mehr Vögel würden sich so ein neues Gebiet zum Überwintern suchen. „Für Vögel, die in den Bergen leben, ist das irgendwann ein Problem, wenn ihnen der Lebensraum genommen wird“, sagt das Nabu-Mitglied.

Milde Winter sorgen für Probleme im Forstbetrieb

Der milde Winter hat auch Auswirkungen auf die heimischen Wälder. Forstbetriebe benötigen Frostperioden, um die Wälder zu bewirtschaften. „Wenn der Boden nicht fest genug ist, können wir da nicht drüberfahren und unsere Arbeit erledigen“, sagt der Leiter des Forstbetriebsbezirks Werne, Lünen und Selm, Marco Adamek.

Erst nach einer Woche Dauerfrost sei der Boden fest genug, damit die Förster in den Wäldern arbeiten können - dann schaffen sie für bestimmte Bäume mehr Platz. „Das klingt für viele hart, aber die meisten Wälder hier sind zwar sehr naturbelassen, aber fast immer von Menschenhand geformt“, so Adamek.

Für die Tiere in den heimischen Wäldern sieht Adamek keine Gefahr. „Greifvögel, Wildschweine und Rehe haben so eine viel einfachere Futtersuche.“ Ein schneereicher Winter stelle da eine größere Gefahr für die Waldbewohner dar. Adamek: „Ein harter Winter ist selektiv - dann überleben nur die Stärksten.“  

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