Welchen Zweck hat eigentlich die Regionale 2016?

Interview und Übersicht

Was ist eigentlich die "Regionale 2016"? Was soll sie bewirken in Selm, Olfen und Nordkirchen, was in Haltern, Dorsten und Schermbeck, was in Ahaus, Vreden, Stadtlohn und Coesfeld? Sind die Projekte nicht nur etwas, mit dem sich Bürgermeister profilieren wollen? Wir haben mit der Regionale-Chefin gesprochen und zeigen eine Auswahl der Projekte auf einer interaktiven Karte.

SELM

, 28.04.2016 / Lesedauer: 11 min

Zu Beginn des Regionale-Präsentationsjahres hatten wir Gäste in der Redaktion: Uta Schneider, Geschäftsführerin der Regionale-Agentur, und Sprecher André Dünnebacke. Am Wochenende (29./30 April) beginnt offiziell das Präsentationsjahr. Wir legten Uta Schneider drei Thesen vor, die man oft im Zusammenhang mit der Regionale hört, und stellten ihr dann Fragen.

Die Regionale 2016 geht auf die Zielgerade: Am Freitag in Coesfeld kommen 600 Gäste aus Politik, Verwaltungen und Bürgerschaft, um offiziell ins Präsentationsjahr zu starten. Uta Schneider ist Geschäftsführerin der Regionale-Agentur, die sich um die Koordination der 43 Projekte kümmert, Kontakte zwischen Kommunen und anderen Behörden herstellt.

Wir haben Uta Schneider zum Interview in unsere Redaktion eingeladen, ihr viele Fragen gestellt und Thesen vorgehalten, die in den vergangenen Jahren immer mal wieder zu hören waren. Was sagen Sie dazu, Frau Schneider?

Sie können sich anhören.

 

Erste These: Die Regionale ist ein Mittel für Bürgermeister in Landgemeinden und kleineren Städten, um sich Denkmäler als Leuchttürme ihrer Amtszeit zu errichten. 

Schneider: Nicht in diesem Gebiet. Ich glaube, dass es nicht ein einziges Regionale-Projekt gibt, das einem Bürgermeister ein Denkmal setzt. Es sind Projekte, die sich mit der Zukunft unserer Region beschäftigen und diese Zukunft sichern. Das ist Aufgabe von Bürgermeistern, Räten und Verwaltungen. Wir haben ganz am Anfang zehn Zukunftsfragen gestellt, die sich damit beschäftigen, wie Menschen hier in der Zukunft zusammenleben können. Darauf geben die Projekte Antworten. Darum sind sie keine Bürgermeister-Denkmäler - in keinem Fall. 

Zweite These: Die Regionale ist eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Planerbüros, damit die gut zu tun haben und sich Luftschlösser ausdenken können, um die Region zu gestalten.

Schneider: Wenn es Luftschlösser wären, würden sie die Region nicht gestalten, sondern wie Blasen darüber schweben. Regionale-Projekte sind ganz handfest, sie haben auch handfesten Bedarf - sie sind nicht "nice to have", sondern sie leisten einen Beitrag zur Zukunft der Region. Es geht um Mobilität, Stadterneuerung, Projekte, die sich mit Veränderungen in unserer Landschaft beschäftigen - Projekte, die bleiben. Und von daher kann ich da kein Luftschloss drin erkennen. 

Dritte These: Die Regionale ist ein Steuerverschwendungswerkzeug. 

Schneider: Natürlich geht es in den Projekten um Fördermittel. Aber die Förderprogramme sind ja genau für diesen Zweck da. Unser deutsches System sagt, wir wollen Dinge im Sinne unserer Bevölkerung fördern. Und genau dafür sind die Regionale-Projekte ja da. Darum kann ich keine Steuerverschwendung erkennen. Wir wollen, dass unsere Städte leben. Dafür gibt es das Förderprogramm - und die Voraussetzungen müssen erfüllt sein. Alles läuft so, wie wir es in diesem Staat so handhaben. 

Hier erfahren Sie mehr über die Regionale-Projekte in Ihrer Region: Fahren Sie mit dem Cursor über die Karte um die Artikel-Links zu sehen. Alle Projekte der Regionale finden Sie hier.

 

Warum braucht es denn die Dachmarke, die Agentur Regionale? Es ist doch der übliche Weg, dass Bund und Länder Geld geben für Strukturprojekte. 

Schneider: Das ist richtig, aber die Regionale gibt da noch einen drauf. Die Regionale hat nicht nur den Zweck, dass Fördermittel in die Region kommen. Sondern sie hat den Zweck, auch interkommunal und in neuen Partnerschaften, in neuen Netzwerken die Zukunft zu sichern. Es gibt eine neue Kultur dadurch in der Region. Die Region kann die Schwerpunkte selber setzen und die Lösungsansätze für die Zukunft finden. Das ist ein Unterschied zu "Gemeinde X stellt einen Förderantrag bei der Bezirksregierung". Wir haben es hier mit mehreren Bezirksregierungen und Landkreisen zu tun und grenzüberschreitenden Projekten...

Wie ist es denn zu dieser Region gekommen? 

Schneider: Die Lippe ist hier in Selm die Grenze. Die Kreise Borken und Coesfeld haben sich zusammengetan mit den Kommunen, die historisch zum Münsterland gehören und sich hier als zugehörig empfinden. Das ist ein spannender Grenzraum hier zwischen Ruhrgebiet und Münsterland, in dem die Zusammenarbeit zum Beispiel zwischen Olfen, Haltern und Selm erheblich gewachsen ist - das sind drei Landkreise, es gab vorher wenig Beziehungen, man kannte sich praktisch gar nicht. Inzwischen hat man mehrere gemeinsame Projekte. Wir nehmen immer wieder wahr, dass die Verwaltungen sagen: Wir sind uns näher gekommen und können viel mehr erreichen, als wenn wir es alleine versuchten. Das ist ein Essential in der Regionale, ein Hauptanliegen, diese Zusammenarbeit zu fördern. Wir stehen vor Zukunftsherausforderungen, nicht nur im Münsterland, sondern überall, wo man einfach immer wieder feststellen muss, dass man, wenn man nur um seinen Kirchturm herum denkt, das nicht wird lösen können. 

Lassen Sie uns bei Zukunftsherausforderungen mal konkret werden. Was ist für diesen Raum verbindend vom Kreis Borken und Coesfeld bis nach Recklinghausen und in den Kreis Unna? Warum muss dieser Raum gefördert werden?

Schneider: Es ist so, dass das Münsterland - und da zähle ich Selm, Werne, aber auch Haltern und Dorsten dazu - seine eigenen Qualitäten hat. Aber hier gibt es demografischen Wandel, der kleinräumig sehr unterschiedlich ist. Wir haben in diesem großen Gebiet von 35 Gemeinden solche die wachsen, die schrumpfen, mit einer sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Lage. Wir merken, dass demografischer, wirtschaftlich-struktureller, aber auch klimatischer Wandel und all diese Dinge, die auf uns zukommen, Einfluss auf diese Region nehmen. Die Region tut gut daran, sich gemeinsam aufzustellen, um zu gucken, wie man damit umgehen kann. Darum gibt es Projekte in den Bereichen Mobilität, soziale Gemeinschaften mit der Frage: Wie leben wir künftig zusammen? Aber auch Fragen: Wie gehen wir mit Flüssen, mit der Landschaft um? Daran sind viele Gemeinden beteiligt. 

Warum sind die Kreise Steinfurt, Warendorf und die Stadt Münster nicht mit dabei?

Schneider: Weil es da 2004 eine Regionale gab. Regionale ist immer ein Wettbewerb, den das Land auslobt. Im Wettbewerb 2007 hat sich eben diese Region zusammengefunden. 2004 gab es die Regionale "Rechts und links der Ems" mit den Kreisen Steinfurt und Warendorf und der Stadt Münster. Deshalb haben diesmal die anderen Münsterlandkreise zusammengetan. 

Wie sieht es denn zwölf Jahre danach im Kreis Steinfurt aus? Vermutlich werden Sie sagen: Da hat man eine richtig schöne Welt geschaffen... Ist es so rosig? 

Schneider: Ja, wobei man sagen muss, dass sich Regionale - wir haben jetzt die achte - verändert hat: Die Themen waren damals andere als die, an denen wir jetzt arbeiten.

Nämlich?

Schneider: Die haben sich damals sehr mit dem Thema Landschaft und Tourismus sowie kulturellen Fragen beschäftigt. Wenn Sie mal in den Kreis Steinfurt oder Warendorf fahren, nur als Beispiel, der Salinenpark oder der Falkenhof in Rheine, das sind Projekte der Regionale 2004, ebenso das Kloster Gravenhorst oder das Literaturhaus in Nottbeck, oder das Ballenlager in Greven - viele kulturelle Orte. Dazu gibt es den Ems-Radweg. 

Dinge, die sich nicht entwickelt hätten in dem Ausmaß, wenn es die Regionale nicht gegeben hätte?

Schneider: Ja, das ist so. 

Und es gibt keine Projekte, wo es nicht so funktioniert hat? 

Schneider: Ganz ehrlich? Das kann ich Ihnen im Detail nicht sagen, weil ich mich mit den Projekten 2004 nicht so intensiv beschäftigt habe wie mit denen, die jetzt kommen...

Noch eine methodische Frage trotzdem: Gibt es da denn noch zum Beispiel vonseiten der Agentur Bestrebungen, sich anzusehen, was jetzt daraus geworden ist? Ob die Fördermittel richtig eingesetzt wurden?

Schneider: Die Agentur von 2004 hat sich aufgelöst. Es ist Aufgabe des Landes, Evaluierungen zu machen. Aber ob es wissenschaftliche Erhebungen gab, kann ich nicht sagen - weiß ich nicht. 

Okay, schauen wir auf die Projekte 2016: Gibt es da Ihr persönliches Lieblingsprojekt?

Schneider: Oh, diese Frage bekomme ich immer gestellt. Was sage ich immer? (schaut André Dünnebacke an)

Immer da, wo Sie sind, sagen Sie, dass das lokale hier das Lieblingsprojekt ist...

Schneider: Nein. (lacht) Ich sage immer: Ich habe kein Lieblingsprojekt. Ich habe 43 Lieblingsprojekte. Die sind alle ganz unterschiedlich, die Bandbreite ist groß. Es gibt verschiedene Schwerpunktthemen, die auf unterschiedliche Weise bearbeitet werden. Da muss man nicht ein einzelnes hervorheben. Es gibt kleine und große Projekte, Projekte mit viel Geld und solche, die so gut wie nichts kosten und trotzdem gut sind. 

Wir sind in Selm - also müssen wir über die "Aktive Mitte" sprechen. Ein Projekt mit A-Stempel und 20 Millionen Euro Volumen. Was sagen Sie dazu?

Schneider: Das müssen wir, ja. Wir haben dieses Projekt ausgesprochen gerne begleitet. Wir als Agentur sind ja genau dafür zuständig. Selm hat in einer Zeit, in der es der Stadt wirtschaftlich nicht gut geht, sehr engagiert Spielräume ausgelotet. Das ist das Besondere daran, das, was uns für die gesamte Region interessiert hat. Das ist ja der Punkt: Die ganze Region schaut hin, wie eine Stadt solche Spielräume auslotet. Und es ist in unglaublich toller Art und Weise hier gelungen, Bürgerschaft und Wirtschaft hier mit einzubinden, dafür zu interessieren und zu sagen: Wir haben knappe Kassen und müssen jetzt schauen, worauf wir uns konzentrieren, und daran arbeiten wir wirklich. Das funktioniert gut hier und bringt verschiedene Dinge zusammen: Die Aktive Mitte hat verschiedene Aspekte. Den Aspekt, wie sich der Selmer Bach nach der Wasserrahmenrichtlinie weiterentwickeln kann, weil sie ihm mehr Platz geben muss. Und kombiniert das mit Stadtentwicklung, sagt, wir konzentrieren uns auf diesen Bereich, bringen die Schulen zusammen, schaffen einen Ort, wo sie der Wirtschaft begegnen - das hat viele Aspekte, die zusammenkommen. Und dass dann auch noch die Bürgerstiftung sich für die Burg Botzlar engagieren kann, ist ganz toll. Wir hatten neulich dort den Wettbewerb und ich bin ganz gespannt, wie es da weiter geht. 

Okay, das sind die Projekte in Selm. Ein Ort weiter: Nordkirchen hat allein drei Projekte... 

Schneider: Ja, zum einen das mit Selm zusammen: Bewegtes Land. Wie können wir Mobilität am Übergang von Ruhrgebiet und Münsterland sichern? Es ist ja so, dass die Busse aus Nordkirchen Richtung Münster fahren, aber viele Menschen sicherlich im Ruhrgebiet arbeiten. In Selm gibt es einen Bahnhof, in Haltern auch. Das zu verbinden, ist Bestandteil dieses Projektes - und damit umzugehen, dass wir im Münsterland eine besondere Siedlungsstruktur haben, dass viele Leute in Einzelhof-Lagen wohnen und es nicht schaffen können, bis zur Bushaltestelle zu kommen, wenn sie älter werden - deshalb haben wir das aktive Bürgerbussystem, Überlegungen zum Schulbusverkehr. Wir bauen eine Radwegeverbindung von Nordkirchen bis Haltern, die gut ausgebaut ist und an den Bahnhöfen das Umsteigen einfach macht. Wir haben dann noch ab nächstes Jahr ja auch noch den durchgängigen Bus von Münster nach Datteln haben, der Grenzen überschreitet. 

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Dann haben wir Inklusion in Nordkirchen.

Schneider: Ja, ein tolles Thema, das beispielgebend für viele andere Gemeinden sein kann. Es wird in unserer Gesellschaft ja nur im Zusammenhang mit Schule diskutiert. Nordkirchen sagt nun: Das ist zu kurz gegriffen. Das ist auch richtig, wenn man sich die UN-Konvention anschaut. Es geht darum, dass alle Menschen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben haben sollen. Nordkirchen hat die besondere Situation mit der Kinderheilstätte mitten im Ort. Das will Nordkirchen besonders ausbauen und weit über die Schule hinaus das Leben von Menschen mit und ohne Einschränkungen vorantreiben. Wie gehen wir in der Verwaltung damit um? Das betrifft die Frage, wie man Wohnmöglichkeiten schafft. Wie gestalten wir den Übergang von Schule zu Beruf? Es gibt dieses Jahr wieder den Tag, wo Jugendliche aus den Einrichtungen in normalen Betrieben hospitieren, um zu gucken, ob es Möglichkeiten gibt, vielleicht doch zusammenzuarbeiten. Ich glaube, das als Gesamtprozess zu sehen mit vielen einzelnen Bausteinen, von denen einige investiv sind und andere nur organisatorisch, das macht dem Projekt so interessant. 

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Das ist der Bogen zum dritten Projekt Wohnzukunft Südkirchen, wo es um generationsübergreifende Quartiersentwicklung und Wohnformen im Alter geht. Da ist man gefühlt in einer Art Labor, das man dann als Schablone für andere Orte nutzen kann. Oder?

Schneider: Genau das steckt dahinter. Es ist ein Thema, das das ganze Münsterland angeht: Sie wissen, wie viele Einfamilienhäuser wir in dieser Region haben. Die Städte des Münsterlandes sind nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges unglaublich nach außen gewachsen. Die Einfamilienhaus-Gegenden stehen vor dem Generationswechsel. Wir haben in der Regionale aufgerufen zu Ideen, wie man damit umgehen kann. An den Orten, wo noch Wachstum und Zuzug ist, verkaufen sich die Häuser ganz schnell, in anderen aber dauert es länger, bis sie verkauft sind. Sich da zu überlegen, wie man diese frühen Einfamilienhausgebiete fit für die Zukunft macht, ist ein Projekt, das in Nordkirchen, in Billerbeck und in Dorsten bearbeitet wird. Wir arbeiten daran, dass das Thema an weiteren Orten aufgegriffen wird. 

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André Dünnebacke: Ich glaube, dass dieses Schablonendenken ganz entscheidend ist. Da sind wir wieder bei der Frage nach Denkmal für Bürgermeister: Wenn das so wäre, dann ließe sich das nicht denken. In Selm geht es um Stadtentwicklung in wirtschaftlich schwerer Situation. In Nordkirchen die Inklusion, etwas, das alle betrifft. In Olfen die Frage, wie man ein leerstehendes Haus wieder nutzt und bürgerschaftliches Engagement in Gemeinschaft mit der Stadt einzubinden, ein Haus für die Menschen daraus zu machen.

Schneider: Da zeigt sich, wie das funktioniert: Die Bürgerstiftung in Olfen und die in Selm tauschen sich ja aus darüber, was die einen im Leohaus und die anderen in der Burg Botzlar machen. Da kann man sich beraten und besprechen: Wie habt ihr denn das gemacht? Passt das bei uns auch, können wir das für uns weiterentwickeln? Das passiert jetzt schon, ist also nicht nur auf die Zukunft gerichtet. Es ist Ergebnis des Prozesses, in dem wir seit 2010 stecken. In Vreden entsteht ein kulturhistorisches Zentrum, wo Kulturarbeit in der Zukunft im Kreis Borken laufen soll. Die arbeiten zusammen mit der Burg Vischering in Lüdinghausen und dem Stadtmuseum in Borken - die tauschen sich jetzt schon aus und bilden sozusagen ein neues Netzwerk zu neuen Themen. Das ist eines unserer wesentlichen Ziele.

In Haltern wird die Stadtmühlenbucht im Rahmen des Zweistromland-Projektes umgestaltet. Der „Experimentierraum Wassermodell“ wird von der Mehrheit der Politik getragen, ist aber bei den Bürgern umstritten. Auch bei der Aktiven Mitte Selm, ein neues Stadtzentrum zu bauen, gibt es Kritik aus der Bürgerschaft. Wie stehen Sie zu der Kritik, dass Bürgerwille nicht überall eine Rolle spielt?

Schneider: Ich glaube schon, dass wir sehr auf Bürgerbeteiligung achten. In allen Projekten hat es frühzeitig Bürgerinformationen gegeben. Auch besondere Formen der Bürgerbeteiligung wie Werkstätten und Workshops waren darunter. Das hat an allen Orten stattgefunden. In Haltern, da wohne ich selbst, hat es endlos viele Gelegenheiten gegeben, über dieses Projekt zu diskutieren und Anregungen einzubringen. Die Politik hat sich damit auseinandergesetzt, das ist zumindest meine Beobachtung. Wir entscheiden am Ende nicht, das tun die Kommunalpolitiker. Aber das Projekt in Haltern ist Teil des großen interkommunalen Projektes Zweistromland, zusammen mit anderen Partnern. Und es passt in das Entwicklungskonzept der Stadt Haltern genauso wie in das Konzept Zweistromland insgesamt. Haltern ist der richtige Ort, Appetit auf das Zweistromland zu machen. Ich nehme das wahr, lese in der Zeitung auch, dass es viele kritische Stimmen gibt. Das gibt es an vielen Orten innerhalb aber auch außerhalb der Regionale: Es gibt erst immer viel kritische Stimmen und wenn ein Projekt fertig ist, sagen viele: Ach, das ist aber schön! Das wollen wir in Haltern dann auch noch mal abwarten... (lacht) Man schreibt selten Leserbriefe, wenn man für ein Projekt ist. Von daher haben die kritischen Stimmen sehr viel Raum. 

Am Ende sind Sie zurzeit wahrscheinlich eine der beliebtesten Personen der Region, oder? Überall, wo Sie sind, werden Sie freundlich empfangen? Sie eröffnen hier etwas, dort etwas... Fühlt sich das für Sie auch so an?

Schneider: Nein, denn diese Regionale ist ein Gemeinschaftswerk der ganzen Region. Es sind unglaubliche viele Menschen beteiligt - Bürgermeister, Kommunalpolitiker, Mitarbeiter aus Verwaltungen, Ehrenamtliche. Die alle zusammen machen die Regionale. Wir sind nur diejenigen, die ein bisschen geholfen haben, das zu organisieren. Das ist nicht meine Veranstaltung, sondern eine der Menschen aus der Region. So verstehen wir auch unser Auftakt-Wochenende jetzt: Wir alle aus der Regionale-Agentur werden unterwegs sein und gucken, wie sich die Projekte in die Öffentlichkeit tragen. Darum geht es jetzt: Dass die Zukunftsprojekte jetzt in der Bevölkerung sichtbar werden, auch wenn noch nicht alles umgebaut ist. Ich meine, bis der Selmer Bach umgestaltet wird, das dauert einfach noch ein bisschen, aber wir werden Samstagmorgen die Sehstation eröffnen, wo die Menschen die nächsten drei Jahre auf die Baustelle gucken können und sehen, wie das wächst. 

Wie lange gibt es Sie als Agentur dann noch? 

Schneider: Das steht im Gesellschaftervertrag: Wir lösen uns Ende 2017 auf. Wir machen jetzt ein Jahr lang Präsentationsjahr bis zu den Sommerferien 2017. Dann haben wir noch ein halbes Jahr zur Dokumentation, Abrechnung und Archivierung. 

Ist die meiste Arbeit damit jetzt schon erledigt?

Dünnebacke: Die Schwerpunkte haben sich verlagert. Bisher waren wir auf Produktentwicklung fokussiert. Das geht weiter, verschiebt sich aber in die Öffentlichkeitsarbeit. 

Schneider: Aber das war von Anfang an klar. Hätten wir das Gespräch ganz am Anfang der Regionale geführt, hätte ich viel mehr Schwierigkeiten gehabt, Ihnen zu erklären, was Regionale ist, weil alles noch frisch war und es noch keine Projekte gab. Jetzt sitzen wir in Selm, wissen, was mit Neuer Stadt am Wasser, Selmer Bach, Aktive Mitte, Burg Botzlar passiert. Man kann Bilder sehen, was passieren soll - es ist konkreter geworden. Die Öffentlichkeit kann die Projekte in diesem Jahr kennenlernen. Wir laden dazu ein, vor der eigenen Haustüre zu gucken. Es ist ja oft so, dass viele in die Nachbarstadt schauen, zum Beispiel zur Burg Vischering. Es tut sich was, und es lohnt sich, das anzugucken. Wir haben einen großen Veranstaltungskalender. Im ersten Vierteljahr steht schon einiges auf der Liste. 

Da fahren Sie überall hin...

Schneider (lacht): Nein, das werde ich nicht schaffen, Ich habe leider noch keinen mitarbeitenden Zwilling. Aber ich habe Kollegen in der Agentur, das werden wir uns aufteilen. 

Am Ende müssen wir einmal in die Glaskugel schauen. Über vielen Projekten steht der Begriff Nachhaltigkeit. Was glauben Sie denn: Wie sieht es in 20 Jahren aus? Schaffen wir, die Zukunftsfragen mit dem Werkzeug Regionale zu bewältigen?

Schneider: Ich glaube schon, dass sich diese Region mit der Regionale einen Erfahrungsschatz zulegt: Modellprojekte, Blaupausen, Übertragbarkeiten - das ist das eine, Netzwerke, die bleiben. Und Nachhaltigkeit ist uns ein ganz großes Anliegen, von Anfang an. Projekte, die einen A-Stempel haben wollen, müssen nachhaltig sein. Darin muss dargestellt werden, dass sie in 20 Jahren noch laufen, nicht, dass dann kein Geld mehr da ist, den Strom zu bezahlen oder die Stiefmütterchen zu pflanzen. Das ist ja nicht im Sinne des Ausgebens von Steuergeldern. Bei Landesgartenschauen wird genau das immer diskutiert: ein Jahr die volle Blütenpracht, aber was ist hinterher? Das ist immer ein zentrales Thema bei Gartenschauen. Aber diese Fragen stellen wir im Vorherein sehr gründlich - und es gibt einige Projekte, die daran noch sehr hart arbeiten und noch nicht am Ende sind.  

 

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