Weniger Straftaten während Corona? Die Polizei nennt Zahlen

rnKriminalität

Das NRW-Innenministerium gibt bekannt, dass die Kriminalität im Land gesunken ist. Für den Kreis Unna hat die Kreispolizeibehörde Zahlen herausgegeben – und warnt vor falschen Schlussfolgerungen.

Selm

, 15.07.2020, 11:03 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Innenministerium vermeldet, dass die Kriminalität im Land während der Corona-Zeit gesunken ist. Wie sieht es in der Stadt Selm und im Kreis Unna aus? Die Kreispolizeibehörde gibt einen Corona-Zwischenstand bekannt. Allerdings nur auf Kreisebene - stadtscharf konnte die Polizei die Zahlen auf Anfrage der Redaktion nicht aufschlüsseln.

Die Zahlen der angezeigten Straftaten im Kreis Unna waren während der Corona-Krise rückläufig. Das gibt die Kreispolizeibehörde auf Anfrage bekannt. Einzige Ausnahme: Gestiegen sind die Anzeigen zu „Straftaten zum Nachteil älterer Menschen“.

Darunter fallen Betrügereien und Trickdiebstähle, die über den „Enkeltrick“ oder ähnliche Vorgehen begangen werden. 507 Anzeigen wurden zwischen März und Juni registriert. Im gleichen Zeitraum 2019 waren es mit 397 angezeigten Fällen etwa 20 Prozent weniger.

„Wir fordern die Menschen bei diesen Taten auf, Anzeige zu erstatten. Auch das Anzeigeverhalten der älteren Menschen spielt eine Rolle“, erklärt Kreispolizeisprecher Bernd Pentrop die hohe Zahl.

Einbrüche haben sich fast halbiert

Deutlich zurückgegangen sind dagegen die angezeigten Wohnungseinbrüche im Kreis Unna. Von März bis Juni wurden nur etwa halb so viele Einbrüche gemeldet wie im gleichen Zeitraum 2019. So sank die Zahl von 118 auf 65.

„Die Menschen waren ja zu Hause, dann sinkt auch die Zahl der Wohnungseinbrüche“, kommentiert Bernd Pentrop die Zahlen.

In Selm zeigten die letzten bekannten Zahlen einen Anstieg der Einbrüche. Waren es 2018 noch 28 Fälle, wurden 2019 bereits 42 Einbrüche aktenkundig.

Auch die Fälle angezeigter Raubdelikte im Kreis sind seit den Corona-Beschränkungen deutlich zurückgegangen. 28 Anzeigen sind bei der Polizei zwischen März und Juni eingegangen, 2019 waren noch 48.

Häusliche Gewalt konstant geblieben

Die Zahl häuslicher Gewalt im Kreis ist – legt man die bei der Polizei angezeigten Fälle zu Grunde – weitestgehend konstant geblieben. „Ich hätte erwartet, dass wir einen eklatanten Anstieg bei häuslicher Gewalt haben“, gesteht Pentrop. Das ließen die Zahlen aber nicht vermuten. Dennoch: „Jeder Fall ist einer zu viel.“

Bei den Taschendiebstählen lässt sich am deutlichsten ein Corona-Zusammenhang herstellen. Während der Einzelhandel-Schließungen im April und Mai wurden jeweils nur elf Anzeigen bei der Polizei aufgenommen. Im Juni waren es dann mit 48 Fällen sogar deutlich mehr als 2019 (29).

Zahlen mit Vorsicht zu genießen

Im Gegensatz zu den Zahlen des Innenministeriums lassen die Zahlen der Kreispolizeibehörde keine validen Aussagen zu Straftaten zu, räumtt Polizeisprecher Bernd Pentrop ein.

Bei den Zahlen der Polizei handele es sich lediglich um von der Dienststelle registrierte Anzeigen zu den entsprechenden Delikten. So könnten allerdings auch Anzeigen in die Statistik eingehen, die sich später als haltlos erweisen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt