Selmer Landwirt sucht Paten für Blühstreifen

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Blühstreifen an Ackerflächen werden mittlerweile von vielen Landwirten angelegt. Patrick Balster hat jetzt eine Idee, wie aus einem kleinen Streifen eine richtig große Fläche werden kann.

Selm

, 27.03.2019, 16:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Patrick Balster und seine Frau Susanne zeigen auf das große Schild, das auf ihrem Acker steht. Auch der 14-jährige Sohn Paul ist dabei. Und der kleine Mops Berta natürlich auch. In der Hand halten die drei jeweils einen Eimer mit Blumensamen. „Rettet die Bienen und werdet Paten!“, steht auf dem Schild.

Selmer Landwirt sucht Paten für Blühstreifen

Hundert Quadratmeter Blumenwiese kann man als Pate übernehmen. Das kostet 50 Euro. © Martina Niehaus

„Hier wird es bald schön bunt aussehen“, freut sich Patrick Balster bereits.

Denn der Selmer Landwirt hat gerade ein besonderes Projekt gestartet: Er bietet Patenschaften für Blühstreifen an. Wer 50 Euro zahlt, wird ein Jahr lang Pate für 100 Quadratmeter Blumenwiese.

Schon seit mehreren Jahren, erzählt Balster, baut er auf dem Hof immer wieder Flächen an, auf denen Insekten und Vögel Nahrung finden. „Wenn man sieht, wie gut das angenommen wird, fängt man an, über vieles nachzudenken“, sagt er.

„Man möchte etwas für die Natur tun, hat aber keinen Garten“

Bei einem Landwirt in Bayern habe er dann vor einigen Wochen zum ersten Mal von der Möglichkeit gehört, Blühflächen für Paten zur Verfügung zu stellen. „Ich finde das super. Mancher möchte gerne etwas für die Natur tun, hat aber keinen eigenen Garten. Hier können alle mitmachen, sogar Schulklassen oder Firmen.“

Und die Resonanz ist richtig gut. „Viele lesen das Schild.“ Vom Haus aus beobachtet die Familie täglich, wie Autos, die an dem Acker entlangfahren, langsamer werden und halten. „Außerdem hatte ich vor kurzem einen Aufruf bei ebay-Kleinanzeigen reingestellt“, erklärt der 44-Jährige.

Selmer Landwirt sucht Paten für Blühstreifen

Auf diesem Acker sollen im Frühling und Sommer viele bunte Blumen sprießen. Im Hintergrund liegt der Hof Balster. © Martina Niehaus

Gehofft hatte er auf mindestens 20 Patenschaften, um eine zusammenhängende Fläche von 2000 Quadratmetern bepflanzen zu können. Mittlerweile sind es schon 60 Anfragen. Sogar eine Kita aus Südkirchen sei schon eingestiegen. „Ich habe aber auf meinem Acker noch sehr viel Platz“, wirbt Patrick Balster für sein Projekt. „Mit den Anfragen kann ich bis jetzt einen 30 Meter breiten Streifen bepflanzen.“

Picknickplatz für Paten: „Alle sollen etwas von der Wiese haben“

Wer Pate für die Blumenwiese wird, darf zwar keine Blumen pflücken. „Das macht ja keinen Sinn; die Pflanzen sollen für die Natur da sein.“ Doch für die Paten soll in einem Bereich der Fläche eine Art Picknickplatz eingerichtet werden. „Das war die Idee meines Sohnes Paul. So haben die Leute auch etwas davon. Hier können sie die Natur genießen und sich an den Blumen erfreuen. Wer von weiter weg kommt, kann so ein Picknick mit einem richtig schönen Tagesausflug verbinden.“ Auch ein Schild mit den Namen der Paten werde Balster gerne am Feldrand aufstellen - „aber nur, wenn sie das möchten.“

Selmer Landwirt sucht Paten für Blühstreifen

© Martina Niehaus

Bei der passenden Aussaat hat sich Patrick Balster im Internet und bei einem benachbarten Imker informiert. Erst habe er überlegt, mehrjährige Blumen zu pflanzen. „Aber man weiß nicht genau, ob die dann tatsächlich alle im nächsten Jahr wiederkommen, und wie viel Unkraut dazwischen ist.“ Deshalb kommt im Pilotprojekt erst einmal eine einjährige Saat auf den Acker.

In der Samenmischung sind Korn- und Ringelblumen, Klatschmohn, Dill und Schwarzkümmel, Sonnenblume und Koriander, verschiedene Kleesorten und noch viele andere enthalten. Mitte April wird der Landwirt die Saat aufbringen. „Ich werde starten, sobald keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind“, erklärt er.

„Das ist ja völliger Unsinn“

Die Wiese, die dann wächst, soll auch über den Winter bis einschließlich zum nächsten Februar stehenbleiben. „Es gibt Richtlinien, da müssen die Landwirte ihre Blühstreifen schon mit der Ernte im Sommer abmähen. Das ist ja völliger Unsinn“, schimpft der Landwirt auf zuviel unnötige Bürokratie. Denn schließlich würden sich auch viele Vögel im Herbst und Winter von den Blumensamen ernähren. „Insekten legen dort ihre Eier ab“, ergänzt Balster.

Der Landwirt betont noch einmal, dass die Fläche durch die Patenschaft nicht verkauft oder verpachtet werde. „Es geht einfach darum, was auf dem Acker wachsen kann.“

Jetzt hofft Familie Balster darauf, dass sich noch mehr Paten für die Blumenwiese am Buxfort 8 finden. Patrick Balster hofft, dass es noch einige werden. „Man muss darüber nachdenken, was man tun kann.“

Infos für Paten
  • Der Hof der Familie Balster liegt am Buxfort 8; der Acker liegt genau neben dem Hof.
  • Wer Pate einer Blühfläche bei Patrick Balster werden möchte, kann sich per Mail unter Rettet-die-Bienen@outlook.de melden.
  • Der Kontakt ist auch per Telefon möglich (02592) 9199300.
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