Wie eine Handgranate eine Familie aus Bork zerstörte

Unglück vor 62 Jahren

Als der Borker Heinrich Rotte am 3. März 1953 bei Räumarbeiten durch eine explodierende Handgranate starb, verloren Anneliese Frommann und Elisabeth Anders ihren Vater. Die Schwestern waren damals elf und fünf Jahre alt und erzählen heute, auf welch tragische Weise ihr Vater vor fast genau 62 Jahren wirklich ums Leben kam.

BORK

, 27.02.2015, 06:10 Uhr / Lesedauer: 1 min

An dem Dienstag im März durchkämmte mal wieder ein 50 Mann starkes Räumkommando den Wald an der ehemaligen Lufthauptmunitionsanstalt. Dazu gehörte auch Heinrich Rotte. Er arbeitete beim Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung Münster.

Die Munitionsfabrik in Bork produzierte 1938 bis zur Auflösung am 31. März 1945 unter anderem Granaten als Nachschub für die Front. Sprengungen durch die Nationalsozialisten und die Alliierten hatten Munition über das gesamte Gelände verteilt. Drei Jahre zuvor sammelten Sprengstoffexperten allein 200.000 Granaten ein.

Handgranate für Wurzel gehalten

Die Eierhandgranate, die Heinrich Rotte tötete, fanden sie damals nicht. Mit einem Metalldetektor suchte er um die Mittagszeit Eisen im Boden - irgendwann schlug das Ortungsgerät wieder aus. Der Borker grub, stieß aber auf einen Gegenstand, den er für eine Wurzel hielt.

Ein Irrtum, wie sich Sekunden später herausstellte. Denn bei dem Versuch, die Wurzel mit einer Hacke durchzuschlagen, detonierte die Granate. "Er wurde an der Halsschlagader getroffen und ist quasi verblutet", berichtet Anneliese Frommann. Sie hatte damals bei Freunden gespielt, als die Nachricht im Dorf ankam.

Gedenkstein erinnerte lange an Unglück

Die Beerdigung Tage später sei ein Riesen-Spektakel gewesen, sagen die Schwestern. Ihre Mutter Paula Rotte habe so einen Trubel nicht gewollt. Die Witwe sei während der Beisetzung nicht anwesend gewesen, erzählen sie. Offizielle, Arbeitskollegen, Politik - sie alle nahmen damals an der Beerdigung teil.

20 Jahre später, ab 1973, erinnerte ein Gedenkstein an das Unglück. Der Text auf der Bronzetafel: "Hier verlor am 3.3.1953 der Räumarbeiter Heinrich Rotte vom Kampfmittelräumdienst der Regierung Münster in Ausübung des Dienstes sein Leben. Eine grössere Liebe hat niemand als wer sein Leben hingibt für seine Freunde. (Joh. 15.13)."

2008 verließ die Bundeswehr das Depot - mit ihr verschwand auch die sichtbare Erinnerung im Stadtbild an Heinrich Rotte. "Die Erinnerung", sagte Anneliese Frommann, "bleibt aber wach."

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