Wie selbst Kunst aus dem Krieg Trost spenden kann

Ausstellung in Selm

Samer Alchoufi bereichert mit seiner Kunst seit mehr als einem Jahr Selm und Umgebung. In der Hospizgruppe stellt der Syrer aus Damaskus nun Werke zum Thema Leben, Sterben und Tod aus. Eine Ausstellung, die durch Freundschaft entstand, nachdenklich stimmt und Hoffnung macht.

SELM

, 14.04.2016, 05:11 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der syrische Künstler Samer Alchoufi malte vier Bilder eigens für die neue Ausstellung bei der Hospizgruppe Selm-Olfen. Bindeglied war Karin Goebel, 2. Vorsitzende des Vereins, die mit der Familie Alchoufi befreundet ist.

Der syrische Künstler Samer Alchoufi malte vier Bilder eigens für die neue Ausstellung bei der Hospizgruppe Selm-Olfen. Bindeglied war Karin Goebel, 2. Vorsitzende des Vereins, die mit der Familie Alchoufi befreundet ist.

Es begann Anfang 2015 im Multikulti-Forum in Lünen. Später stellte Samer Alchoufi seine Kunst im kleinen Saal des Bürgerhauses aus. Ab dem 1. Dezember für ein Vierteljahr im Amtshaus in Bork. Nun gibt es wieder eine Reihe von Kunstwerken des Syrers, der mit seiner Familie in Bork wohnt, zu sehen. Der Hospizverein Selm-Olfen hat ihn dazu gewonnen, Werke zum Thema Leben, Sterben und Tod zu zeigen. Dahinter steckt eine persönliche Freundschaft. Eine, die mit der Kunst zu tun hat.

Karin Goebel, 2. Vorsitzende der Hospizgruppe, ist ein ruhiger Mensch. Eine ausgeglichene, bedachte, empathische Frau. So wirkt sie auch, als sie uns am Dienstagabend die Tür zu den Räumen der Hospizgruppe an der Kreisstraße öffnet. Herzlich. Wir sind zu dritt: Samer Alchoufi, 46 Jahre alt, Vater dreier Kinder aus Damaskus in Syrien, ist da. Er ist Künstler und bereichert Selm und Umgebung seit mehr als einem Jahr mit seinen Werken aus Acrylfarbe. So jetzt auch die Räume des Hospizvereins.

Geschenk an die Gruppe

Im Verlauf des Gespräches wird er Karin Goebel, einer richtig guten Freundin der Familie, wie beide beteuern, offenbaren, dass einige der Bilder ein Geschenk an die Gruppe sind, keine Leihgabe wie sonst bei Ausstellungen üblich. Karin Goebel kann es kaum glauben.

Die Freundschaft der beiden hat auch mit der Kunst zu tun: als Samer Alchoufi im Dezember 2015 von der Stadt Selm über Fokus-Mitarbeiterin Manon Pirags die Chance erhält, in der 1. Etage des Amtshauses in Bork seine Werke zu zeigen. Quartalsweise wechseln hier, zwischen dem Trausaal und den Büros vom Bürgermeister und anderen Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die Ausstellungen. Samer Alchoufi ist der erste Flüchtling, der hier Bilder ausstellt. Mehr als zwei Dutzend Bilder sind es, die Szenen von Krieg und Zeichen von Frieden in der syrischen Heimat zeigen. Mehr als 70 Gäste kommen zur Vernissage – das ist weit mehr als sonst üblich.

Gefühle transportieren

Karin Goebel kommt mit ihrem Mann in die Ausstellung. Nicht zur Eröffnung, sie schaut sich später um und ist angetan von den Gefühlen, die Samer Alchoufi mit seiner Kunst transportiert. Sie kauft eines seiner Kunstwerke – und so vertieft sich die Bekanntschaft, die schon vorher besteht, zu einer Freundschaft und einer Idee: Samer Alchoufi könnte auch etwas für den Hospizverein machen.

Samer Alchoufi sucht einige seiner Bilder aus. Und malt neue Bilder, auch wenn seine Freizeit inzwischen knapp ist. Der Christ aus Syrien arbeitet bei „European Homecare“, einer Gesellschaft, die Flüchtlingsunterkünfte betreibt: In Dortmund unweit des Westfalenparks ist er in einer Zeltstadt angestellt, wo derzeit rund 200 Menschen untergebracht sind. Er ist als Dolmetscher tätig, weil er schon seit etwas mehr als drei Jahren in Deutschland lebt. Ein wichtiges Bindeglied. Und mit seiner Familie ein „Musterbeispiel für gelungene Integration“, wie die Beigeordnete Sylvia Engemann im Dezember bei der Vernissage im Amtshaus gegenüber unserer Redaktion sagte.

Samer Alchoufi meint: „Es ist falsch, wenn die Kurden oder die Türken oder andere Bevölkerungsgruppen in Deutschland unter sich bleiben. Sie müssen raus. Sie müssen sich unter die Deutschen mischen.“ Auch wenn es ihm manchmal schwer falle, alles, was er sagen möchte, auf Deutsch auszusprechen: An dieser Durchmischung führe kein Weg vorbei, so seine Auffassung. Auch, wenn er nicht wisse, wo er in einigen Jahren ist – vielleicht auch wieder in der Heimat, in einem Vorort von Damaskus.

Licht spielt als Motiv eine Rolle

Alchoufis Glaube an Gott, der ihn prägt, der ihn nach vorne schauen lässt, spiegelt sich in seinen Werken, von denen nun einige in den Räumen des Hospizvereins hängen. Immer spielt das Motiv des Lichtes eine zentrale Rolle, in vielen seiner Bilder sind weiße Tauben ein zentrales Element. Und das Kreuz, das Zeichen für den Tod Jesu und seine Auferstehung.

Diese Bilder sollen nun ein angemessenes Ambiente unterstützen in diesen Räumen, in denen Menschen sich der Trauer hingeben. Sich mit dem nahen eigenen Sterben oder dem Sterben Angehöriger auseinandersetzen. Samer Alchoufi und Karin Goebel – sie machen gemeinsam Hoffnung, geben Trost und Kraft. Über Kunst, über Worte.

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