Windpockenfälle im Kreis nahezu halbiert – Abwärtstrend auch in Selm

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Die Zahl der Windpockenfälle ist 2018 im Kreis Unna verglichen mit dem Vorjahr um 46 Prozent gesunken. Krankenkassen raten: Eltern sollten die Impfung trotzdem nicht vernachlässigen.

von Kristina Gerstenmaier

Selm

, 18.05.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Kreis Unna ist die Zahl der Windpockenfälle im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Nach Angaben der Krankenkasse IKK classic gab es 54 Fälle. Im Jahr 2017 waren es noch 100. Dies entspricht einem Rückgang von 46 Prozent.

Damit liegt der Kreis Unna weit über dem bundes- und auch landesweiten Rückgang: Bezogen auf Gesamtdeutschland ist die Zahl der Windpockenfälle um 8,1 Prozent gesunken, in NRW betrug der Rückgang 13,7 Prozent.

Basis für die Zahlen ist die Auswertung der aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) durch die IKK classic. „Trotz dieser erst einmal erfreulichen Zahlen raten wir dazu, insbesondere Kinder auch weiterhin gegen Windpocken impfen zu lassen“, sagt Stefanie Weier von der IKK. „Denn: Man sollte diese Krankheit nicht unterschätzen, Windpocken sind bei Kindern zwar meistens relativ harmlos, bei Erwachsenen besteht aber die Gefahr von Folgeerkrankungen wie Gehirn- oder Leberentzündung“, so Weier.

Abwärtstrend auch in Selm

Selmer Medizinerinnen nennen noch weitere Gefahren: „In Zusammenhang mit Zytostatika, also Medikamenten, die zum Beispiel bei Leukämie eingesetzt werden, verlaufen Windpocken fast immer tödlich“, warnt Kinder- und Jugendärztin Birgit Speitel. Auch wenn sich in ihrer Praxis nach wie vor viele Windpockenerkranke untersuchen lassen – sie betreut viele Baptisten, die sich aufgrund religiöser Regeln nicht impfen lassen – rät sie dringend zur Impfung.

Kinder- und Jugendärztin Ulrike Foertsch kann den Abwärtstrend der Windpockenerkrankungen hingegen bestätigen: In ihrer Praxis gibt es einen deutlichen Rücklauf und das auch schon länger. Auch sie spricht sich deutlich für die Impfung aus: „Die Impfung ist die einzige Möglichkeit solch hochinfektiösen Krankheiten einzudämmen“, sagt sie. „Das ist wichtig, um Komplikationen, zum Beispiel die Ansteckung von Schwangeren, deren ungeborene Kinder durch Windpocken schwere körperliche und geistige Behinderungen davontragen können, einzudämmen.“ Die Erkrankung an sich sei also nicht das Hauptargument.

Inkubationszeit von zwei bis drei Wochen

Windpocken werden meist durch Husten und Niesen übertragen, eine Ansteckung kann auch durch Flüssigkeiten aus den Bläschen des Hautausschlags erfolgen, in dem viele Viren enthalten sind. Da die Viren lange in der Luft schweben, kann die Infektion tatsächlich durch Wind über große Entfernung übertragen werden – daher der Name Windpocken. Wer nicht immun ist, steckt sich in der Regel sofort an.

Danach dauert es zwei bis drei Wochen, bis die Krankheit ausbricht. Die Symptome klingen in der Regel nach einer weiteren Woche wieder ab. Diese lange Ansteckungsgefahr – infizierte Kinder müssen mit einem Elternteil mindestens zehn Tage zu Hause bleiben – ist für die Selmer Kinderärztin Ulrike Foertsch ein weiterer Impfgrund: „Diese lange Fehlzeit muss man erst einmal leisten können.“

Wer schon einmal mit der Krankheit infiziert war oder geimpft wurde, kann sich dagegen nicht anstecken.

Klare Impfempfehlung

„Darum ist es so wichtig, dass möglichst alle Kinder gegen Windpocken geimpft werden. Die Entscheidung, ob Eltern ihr Kind impfen lassen, kann ihnen natürlich niemand abnehmen. Es ist jedoch wichtig, dass sich Eltern mit diesem Thema intensiv auseinandersetzen, zum Schutz ihrer Kinder und zum Schutz Dritter“, so Stefanie Weier von der Krankenkasse.

Der Impfschutz wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen vom Kinderarzt überprüft. Die Ständige Impfkommission empfiehlt die erste Impfung für Kinder im Alter von 11 bis 14 Monaten. Die zweite Impfung sollte in einem Lebensalter von 15 bis 23 Monaten erfolgen. Die Impfung kann zudem zu jedem Zeitpunkt nachgeholt werden, wenn sie nicht im empfohlenen Alter erfolgte, und wird von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

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