Wird ein Cappenberger Priester seliggesprochen?

Kaum Unterstützer für Verfahren

Der gebürtige Cappenberger Heinrich Vieter (1853 bis 1914) ist unbeirrt seinen Weg gegangen. Der führte ihn an die Universität, ins Priesteramt und nach Kamerun, wo er die katholische Kirche gründete. Ob er ihn auch in das Verzeichnis der Seligen führt, ist indes offen. Denn für seine Seeligsprechung scheint sich kaum jemand zu interessieren.

SELM

, 02.09.2017 / Lesedauer: 3 min
Wird ein Cappenberger Priester seliggesprochen?

Der Kreis derer, die sich dafür interessierten, was Pater Essono (3. v. l.) über Bischof Vieter (Gemälde an der Wand) erzählte, war übersichtlich.

Er hat sich nicht aufhalten lassen, weder durch Armut noch durch Krankheit oder widrige Umstände. Die Chancen, dass Vieter seliggesprochen wird – eine Vorstufe der Heiligsprechung – , waren noch nie so gut wie heute. Davon ist der Kameruner Historiker Dr. Aloyse Essono überzeugt. Er war am Donnerstagabend zu Gast im katholischen Pfarrheim am Buschkamp, dem Bischof-Vieter-Haus. Essono ist der Postulator – so heißt in der römisch-katholischen Kirche der Kirchenmann, der in einem Seligsprechungsprozess biografische Informationen, Schriften und Zeitzeugenberichte sammelt und den Gläubigen bekannt macht.

„In zwei, drei Jahren“

„Wir haben das ,Nihil obstat’“, sagte Essono und hielt ein Schreiben mit dem Siegel des Vatikans in die Höhe: eine Unbedenklichkeitserklärung. Das Verfahren laufe jetzt. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir es in zwei, drei Jahren erfolgreich abschließen können, wenn Gott will.“ Und wenn die Kirchengemeinde Cappenberg-Langern Unterstützung liefere – was ein Knackpunkt ist.

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„Schauen sie sich doch um“, sagte Dr. Gudrun Funke. Sie gehört zu der Delegation der Kirchengemeinde, die 2014 anlässlich des 100. Todestages von Bischof Vieter nach Kamerun gereist war. Am Tisch saßen neben ihr nur einige Verwandte des Missionars. Bis auf zwei Ausnahmen waren nicht einmal Mitglieder der Gemeindegremien gekommen.

Funke kennt das schon: „Ich dachte anfangs, die Begeisterung für Vieter, die ich in Kamerun erlebt hatte, würde auch hier ansteckend wirken.“ Falsch gedacht. Der 2014 gegründete Freundeskreis Bischof habe etwa 15 Mitglieder – in Deutschland und Kamerun. Aktionen des Vereins, vor allem Vorträge, in Cappenberg seien bestenfalls mäßig besucht.

Keine Zusagen

„Mehr als 100 Jahre nach seinem Tod ist der Name Bischof Vieter eben kein Begriff mehr“, sagte Thea Rotert (83) aus Selm. Der angehende Selige ist ihr Uronkel.

Die Unterstützung, die sich der in Frankfurt als Hochschullehrer arbeitende Postulator wünscht, hat zwei Seiten: Zum einen: „Sprecht wieder über Vieter, ruft ihn in Erinnerung“, so Essono. Zum anderen: „Unterstützt uns finanziell“ – etwa für die Reisen durch die 24 Diözesen Kameruns, auf denen Essono mit seinem Team eine neue Biografie über den ersten Kameruner Bischof verteilen will. Feste Zusagen bekam er nicht mit aus Vieters Heimat.

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