Das Bauprojekt „Wohnen am Auenpark“ soll eines der Vorzeigebauprojekte in Selm werden. Anwohner der nahe gelegenen Seilandstraße befürchten noch mehr Lärm - und sind ohnehin schon verärgert.

Selm

, 30.06.2020, 21:19 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wohnungen in zentraler Lage entstehen beim Bauprojekt „Wohnen am Auenpark“ in Selm. Es gibt aber auch einen Konflikt mit Anwohnern aus dem Bereich Seilandstraße. Der Ärger einiger Anwohner wurde auch bei der Ratssitzung am Donnerstag, 25. Juni, deutlich. Fragen und Antworten zum Thema.

Ein bauliches Detail sorgte beim Projekt „Wohnen im Auenpark“ für Kritik aus der Nachbarschaft. Worum geht es?

Im Neubaugebiet soll es für die zukünftigen Anwohner Lärmschutzmaßnahmen geben. Anwohner der ebenfalls an der Münsterlandstraße gelegenen Straße Im Seiland beklagen allerdings schon seit Jahrzehnten, dass sie wegen der Münsterlandstraße einer hohen Lärmbelastung ausgesetzt seien. Aber es für sie keinen Lärmschutz gibt und dieser auch nicht geplant ist. „Warum nehmen Sie eine gesundheitliche Gefährdung der Anwohner in Kauf?“, wollte zum Beispiel Anwohner Klaus Nasemann von Bürgermeister Mario Löhr wissen. Dieser wiederum verwies auf die Gutachten, die keine gesundheitliche Gefahr bestätigten.

? Ist es denn wirklich so laut?
Darüber, dass es an der Seilandstraße laut ist, gibt es einen Konsens. „Wenn man sich in einen Garten in der Seiland-Siedlung setzt, kann man sich nicht normal unterhalten“, sagte zum Beispiel Marion Küpper von den Grünen. „Es ist nicht so, dass wir sagen, es gäbe kein Lärmproblem“, betont auch Dipl. Ingenieur Arno Flörke, der mit dem Lärmschutzgutachten beauftragt war. Die Straße habe eine Lautstärke von etwa 60 Dezibel, 50 Dezibel sei dagegen die Lautstärke bei einem normalen Gespräch - die Straße macht ein Gespräch also eindeutig schwierig.

? Okay, für die Einwohner der Seilandstraße ist es also laut. Warum wird aber trotzdem nichts getan?

Es ist laut. Aber zumindest nach gesetzlichen Maßstäben nicht zu laut. Auch wenn man alle Lärmarten aus Lärm von Sportanlagen, Straßenlärm und Gewerbelärm zusammenzähle,komme man, so Arno Flörke, auf einen Wert, der drei DB unter einem gesundheitsgefährdenden Lärm liege. Rechtlich sei man also auf der sicheren Seite, so Flörke.

? Drei Dezibel unter einem Wert, der gesundheitsgefährdend ist, das ist aber nicht viel, oder?

Die Werte werden logarithmisch berechnet, erläutert Flörke. Auf den ersten Blick mögen die drei Dezibel nach nicht viel klingen, faktisch sind sie das aber schon. Um eine Steigerung von drei Dezibel zu erreichen, müsste doppelt so viel Verkehr die Straße befahren, wie es nach den aktuellen Zahlen der Fall ist. Damit liege man also immer noch deutlich unterhalb der gesundheitsgefährdenden Werte.

? Und wieso gibt es eine Lärmschutzlösung für das erst noch entstehende Bauprojekt „Wohnen am Auenpark“?
Weil es eine Unterscheidung bei neuen und alten Wohnbebauungen gibt, erklärt Arno Flörke. Bei neuen Wohnbebauungen werde darauf geschaut, ob eine Belästigung durch Lärm vorliegt, bei alten Bebauungen richte man sich nach dem Wert für „ungesunde Wohnverhältnisse“ und der liege „deutlich unterhalb der Grenze für Belästigung“, wie Flörke sagt. Es werde also klar mit „zweierlei Maß“ gemessen. Zudem könnten bei bestehenden Bebauungen Maßnahmen ergriffen werden - das sei aber nicht vorgeschrieben, also nur eine „Kann-Vorschrift“. Die Grenze für ungesunde Wohnverhältnisse liege bei 70 Dezibel am Tag und bei 60 Dezibel in der Nacht. Auch mit der neuen Bebauung und zusätzlichem Verkehr dadurch lägen die Werte den Berechnungen zufolge dann bei 66 DB am Tag und zwischen 56 und 57 DB in der Nacht. Damit sei keine Kompensation nötig, da durch die Bebauung nicht für ungesunde Wohnverhältnisse gesorgt werde, so Flörke.

? Soll es denn trotzdem Maßnahmen geben, die die Bewohner der Seilandstraße entlasten?

Durch die Senkung der Höchstgeschwindigkeit an der Seilandstraße von 70 Km/h auf 50 Kilometer die Stunde wird der Lärmpegel um etwa 2 Dezibel gesenkt. Das sei auch die effektivste Maßnahme, so Flörke. Gleichzeitig könne auch lärmreduzierender Asphalt weitere Abhilfe bringen, so der Fachmann. Eine Maßnahme, die Bürgermeister Mario Löhr in der Ratssitzung ausdrücklich begrüßte.

? Und wie kamen die Erläuterungen bei den Anwohnern der Seilandstraße an?
Zumindest Klaus Nasemann als ein Anwohner der Seilandstraße, der sich schon mehrfach in die Diskussion eingebracht hat, zeigte sich im Rückblick enttäuscht von der Sitzung. „Der Bürgermeister versteckt sich hinter Gesetzen“, ist seine Meinung dazu. Die Gesetze seien Mindestanforderungen. „Man könnte mehr machen, aber man will es nicht“, so Nasemann. Auch ist er der Meinung, dass das Thema im Vorfeld in den Ausschüssen hätte diskutiert werden müssen. Das hatte aber wegen der Corona-Pandemie nicht stattgefunden. Ein entsprechender Antrag der UWG, das Thema deshalb auf eine spätere Sitzung zu verschieben, war mehrheitlich abgelehnt worden. Auch der Bebauungsplan wurde später ebenfalls mehrheitlich beschlossen (mit fünf Gegenstimmen und ohne Enthaltung).

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