Zoff um den Borker Marktplatz: Abriss ja oder nein?

Caritas plant Altenwohnhaus

Wie geht es mit dem Marktplatz in Bork weiter? Die Caritas möchte dort Gebäude abreißen und ein Altenwohnhaus mit 39 Plätzen bauen. Der Selmer Rat ist mehrheitlich dafür. Aber es gibt auch scharfen Gegenwind: Ist das wirklich der beste Ort für ein Pflegeheim? Wie soll es aussehen? Und wo kommt der Marktplatz hin?

BORK

, 05.06.2017, 19:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

So sieht es derzeit auf dem Borker Marktplatz aus.

So sieht es derzeit auf dem Borker Marktplatz aus.

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Hans-Peter Benstein, Geschäftsführer der Caritas Lünen-Selm-Werne, freute sich sehr über den Ratsbeschluss. Dem Kauf des Borker Marktplatzes stehe jetzt nichts mehr im Wege. Dort will der Wohlfahrtsverband ein Altenwohnhaus mit 39 Plätzen bauen. Bensteins Freude können allerdings nicht alle teilen.

Der Grundsatzbeschluss, die 3900 Quadratmeter große städtische Fläche rund um den Zunftbaum an die Caritas zu verkaufen, hatte der Rat bereits im März 2016 gefasst. Am Donnerstagabend ging es um die Details vor der Vertragsunterzeichnung – und doch noch einmal um alles.

„Der Rat der Stadt Selm beschließt die Bereitstellung von außerplanmäßigen Haushaltsmitteln in Höhe von 165.000 Euro für den Abbruch der Wohn- und Geschäftshäuser Marktplatz 2, 3 und 4 in Bork“, lautete die Beschlussvorlage der Stadtverwaltung. Die Stadt gehe in Vorleistung. Die Abrisskosten erstatte die Caritas. 22 Ratsmitglieder stimmten für dieses Vorgehen. Acht sagten dazu nein, darunter vier UWG-Mitglieder, die Grünen, aber auch zwei Sozialdemokraten – die beiden aus Bork.

Ohne Skizze kein Altenwohnhaus

„Es gibt noch zu viele offene Fragen“, sagte einer von ihnen: Stefan Kühnhenrich. Jetzt den Marktlatz aufzugeben, wobei noch gar nicht feststehe, ob und wo es einen neuen Marktplatz geben wird, halte die SPD Bork für einen Fehler.

Die UWG hatte das schon immer so gesehen. „Wir sollen so ein großes Grundstück mitten in Bork nicht aus der Hand geben, ohne auch nur eine Skizze von dem gesehen zu haben, was da hinkommen soll“, sagte Wilfried Zimmermann und schüttelte den Kopf: „Ohne uns.“

Seine Parteifreundin Maria Lipke ging noch einen Schritt weiter und stellte die Grundsatzentscheidung infrage: „Man könnte in Bork doch einen viel besseren Platz für ein Pflegeheim finden als diesen.“ Den Marktplatz, auf dem sich zurzeit ein Mehrfamilienhaus, eine leer stehende Pommesbude und ein leer stehendes Geschäft befinden, komplett aufzugeben, findet sie übereilt.

Bürgermeister Löhr ist für Abriss

Bürgermeister Mario Löhr (SPD) hatte Mühe an sich zu halten - bei so viel Gegenwind gegen ein Projekt, von dem seiner Meinung nach Bork sehr profitieren würde. „Im September kann sich der Bauausschuss doch im Detail mit den Plänen der Caritas beschäftigen“, rief er. Ausschuss- und Ratsmitglieder hätten dann noch „alle Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen“. Das Votum sei aber jetzt nötig: „Wir müssen die Ausschreibung für die Abrissarbeiten vorbereiten.“

Dass die Frage, wo ein künftiger Marktplatz entstehen könnte – „vielleicht vor dem Amtshaus, vielleicht an der Kirche“ – , noch völlig offen ist, sei gut, so Löhr: „Das wollen wir ja gemeinsam mit den Bürgern erst noch entwickeln.“ So sehe es das sogenannte Integrierte Handlungskonzept Bork vor.

„Es gibt zum Glück viele Optionen“, bestätigte Dieter Kleinwächter (CDU) im Rat. Dafür habe die Stadt durch Grundstückskäufe gesorgt. Thomas Orlowski (SPD) hatte Verständnis dafür, nicht so lange mit dem Verkauf des Marktplatzes zu warten, bis alles geklärt sei: „Investoren stehen ja nicht Schlange.“

"Früher war da eine Wiese"

Und was sagen Borker ohne Ratsmandat? „Um den Marktlatz ist es nicht schade“, meint Norbert Wesselmann, Sprecher der Interessengemeinschaft Borker Bürger. Der Platz habe weder Tradition noch Aufenthaltsqualität. „Als ich Kind war, war da noch eine Wiese.“

Wenn es nach den Plänen von Hans-Peter Benstein von der Caritas geht, wird dort 2019 das Altenwohnhaus stehen: „Lockere Bebauung mit viel Grün und einem Café“. Noch muss sich das jeder vor seinem geistigen Auge ausmalen. „Die Pläne stellen wir im September vor.“ Die Häuser am Markt werden dann wohl schon abgerissen sein.

 

 

Unsere Redaktionsleiterin Sylvia vom Hofe kommentiert das Thema: 

Das nächste Mal: besonnener vorgehen

Auch wenn die alte Raufaser an den Wänden nicht mehr schön aussieht: Niemand würde sie abreißen, wenn er noch nicht weiß, was er anschließend an die Wände klebt: Klar, Tapete – aber Blümchen oder Vintage? Der Stadtrat hat es jetzt anders gemacht – und braucht sich nicht zu wundern, dass das nicht überall gut ankommt: unnötiger Ärger.

Wer behauptet, der Marktplatz sei Borks gute Stube, hat nicht genau hingeschaut. Die Bebauung aus den 1960er-Jahren ist weder schön, noch ortsbildprägend. Sie abzureißen und Platz für ein Altenwohnhaus zu schaffen, finde ich nicht falsch. Den Rat am Donnerstag darüber abstimmen zu lassen, ohne dass die Caritas erste Pläne für den Neubau vorgestellt hätte, schon: ein taktischer Fehler.

Denn wer an einer Stelle vollendete Tatsachen schafft, wird es an anderer Stelle schwerer haben, Bürger dafür zu gewinnen, bei der Umgestaltung des Ortskerns mitzuwirken. Dabei ist das ein Riesenprojekt, dem alle guten Ideen – nicht nur aus der Politik und nicht nur aus Bork – willkommen sein müssen.

Die alte Raufasertapete liegt am Boden. Das lässt sich nicht mehr ändern. Bei der Renovierung der restlichen Wohnung ist besonnener vorzugehen.

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