Zu 95 Prozent fertig: Kreisstraße ist freigegeben, die nächste Sperrung steht aber bevor

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Darauf haben Anwohner und Pendler mehr als zwei Jahre lang gewartet: die Freigabe der Kreisstraße. Ganz fertig ist sie aber immer noch nicht. Und die nächste Sperrung steht schon bevor.

Selm

, 17.06.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Viele sind nicht gekommen, um der kleinen Feierstunde beizuwohnen. Nur ein paar Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der Stadtwerke, Vertreter der Politik und Thomas Kaim als Vertreter der Werbegemeinschaft. Dabei sind viele tausend Menschen betroffen, von dem, was an diesem Sonntagnachmittag passiert.

Während die Gäste des Stadtfestes vorbeiströmen, greifen Bürgermeister Mario Löhr und seine Mitstreiter zu Scheren und nehmen Aufstellung vor dem Kreisverkehr Kreisstraße/Landsbergstraße. Vor ihnen: ein rotweißes Flatterband. Was jetzt passiert, ist so etwas wie ein historischer Augenblick - und vergeht im Nu. Die seit März 2017 in der Ortslage gesperrte Kreisstraße ist wieder geöffnet. Zumindest ab diesem Montag, 17. Juni. Und zumindest zu 95 Prozent, wie Bürgermeister Löhr sagt.

Bänke und Mülleimer fehlen noch

Der Haken: Weil Versorger länger arbeiten müssen als zunächst geplant, hat die Stadt eine Baustellenampel aufgestellt in Höhe der Alten Zechenbahn. Die Straße ist damit zwar durchgehend befahrbar - aber eben nur auf einer Spur. In etwa 14 Tagen, so heißt es am Sonntag, sollen beide Spuren befahrbar sein. Bis dahin werden Details zu sehen sein, die zurzeit noch fehlen auf der Straße.

„Wir haben Sitzbänke und Mülleimer schon vorrätig“, sagt Lothar Unrast, der Projektleiter. Durch die Vorbereitung des Stadtfestes seien die Mitarbeiter der Stadtwerke aber noch nicht dazu gekommen, sie aufzustellen. Ein anderes Provisorium wird deutlich länger dauern.

Ausnahmeregelung beim Parken gilt weiter

„Noch“, sagt Bürgermeister Löhr, „dürfen Autos auf der Kreisstraße parken“. Diese Ausnahmeregelung werde so lange dauern, bis der Parkplatz auf dem Grundstück des gerade abgerissenen Hauses „Sams Döner“ fertig sei. „Wo sollten die Autos auch sonst hin“, so Löhr. Auf der Fläche entstehen im nächsten Vierteljahr etwa 80 Parkplätze. Sobald sie fertig sein werden, „kontrollieren wir aber streng“. Dann dürfen vor allem nur noch Menschen mit Handicap an der Straße parken.

Lothar Unrast steht mitten auf der Straße und strahlt. „Ich bin schon stolz darauf“, sagt er und blickt auf die breite Flaniermeile. Unrast hatte die Leitung des Projekts übernommen, obwohl er mit inzwischen 66 Jahren bereits im Ruhestand ist. Und obwohl der Ausbau von vornherein alles andere als einfach zu werden versprach.

Herrenlosen Öltank unter der Straße entdeckt

Die Konflikte waren vorprogrammiert: Einzelhändler und Dienstleister, die unter der Baustelle vor ihrer Haustür leiden und unerwartete Funde „unter Tage“. „Zum Beispiel der Öltank mitten im Straßenraum“, sagt er. Nirgends sei der verzeichnet gewesen. Oder die angeblich 100 Hausanschlüsse. Tatsächlich waren es am Ende 150. Die Folge: Die Baumaßnahme dauerte mehr als ein halbes Jahr länger und wurde knapp eine Million Euro teurer. „Jetzt weiß ich“, kommentiert Löhr, „warum niemand die Straße in den vergangenen 50 Jahren umgebaut hat.“

Abschied von Straßenbauern und Sperrungsschildern kann die Kreisstraße aber noch nicht nehmen. Am Kreisverkehr Zeche-Hermann-Wall/Rüschkamp-Baustelle werden Versorger Leitungen quer durch die Straße legen müssen. Dafür sei eine Vollsperrung nötig, so Löhr. Bei der Gelegenheit sei es geplant, die Fußgängerampel für die Fährenkampsiedlung aufzubauen. Im Idealfall werde dann gleich noch ein weiteres Vorhaben angeschlossen, von dem der Landesbetrieb Straßen NRW den Ruhr Nachrichten Ende des vergangenen Jahres noch sagte, dass es gar nicht geplant sei.

Neue Straßendecke zwischen Selm und Bork

Die gesamte Straße wird zwischen Selm und Bork eine neue Straßendecke erhalten: eine Maßnahme, die sich aber „ganz schnell“ realisieren lasse. Die Rede sei von zwei Wochenenden.

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