Zu Gast in der Welt der tierischen Schicksalsschläge

Redakteurin im Tierheim

Sie heißen Dulcinea, Sherlock, Fridolin, Watson, Joey, Cody und Naomi. Getroffen habe ich sie im Tierheim der Tierfreunde in Lüdinghausen, sie, viele andere Hunde, Katzen und Kaninchen und einige ihrer Betreuer und Helfer.

Lüdinghausen

13.07.2015, 16:33 Uhr / Lesedauer: 3 min
Zu Gast in der Welt der tierischen Schicksalsschläge

Lenny ist nach dem Spaziergang wieder im Käfig.

Ich wollte wissen, wie ein Tag im Tierheim abläuft, welche Arbeiten für die Betreuer anfallen und gefährlicherweise auch ein paar Tiere näher kennenlernen und es war schon so wie befürchtet – am liebsten hätte ich einige gleich adoptiert.

Als ich morgens um kurz nach 9 Uhr in dem Heim in der Bauerschaft Bechtrup ankomme, sind die meisten Hunde schon mit Helfern unterwegs. Etwa eine Stunde gehen sie durch Wälder und Felder spazieren. Auf der großen Gemeinschaftswiese tollt Hütehund Sherlock. Roswitha Henze, stellvertretende Leiterin des Tierheims, nimmt mich in Empfang.

Hygiene wird groß geschrieben

Mit Putzeimer und Wischer geht sie durch die einzelnen geräumigen Zwinger. „Einmal durchgewischt wird täglich“, erzählt sie. Sie legt die Decken in den Körbchen zurecht, legt hierhin das Spielzeug zurück. Nebenan läuft die Waschmaschine. Hygiene wird hier sehr groß geschrieben, das merke ich auch im Katzenbereich, den ich später besuche. Hier kann ich in einem der vier Zimmer auch ein bisschen mithelfen. Putzen, kraulen, füttern, aber nicht ohne Desinfektion, Kittel und Handschuhe.

In einem Innenzwinger liegt ein kleiner Pekinese in seinem Körbchen. Er war mit einer Flüchtlingsfamilie nach Deutschland gekommen – und konnte nicht mit in eine Unterkunft. Er wird vorübergehend privat zur Pflege untergebracht.

Neue Besitzer gefunden

Für Sherlock und Jule stehen neue Besitzer bereits in den Startlöchern. Fünf Hunde warten allerdings noch auf ein neues Zuhause. Darunter die bildschöne Dulcinea, ein spanischer Podenco-Mischling, die wahrscheinlich ausgesetzt wurde, weil ihr Jagdtrieb nicht besonders ausgeprägt ist.

Halb erfroren und völlig abgemagert kam sie ins Partnertierheim in Madrid. Wahrscheinlich ist sie so noch einem grausameren Schicksal entkommen. Verbittert und wütend erzählt Roswitha Henze von „untauglichen“ Jagdhunden, die in den Wäldern von skrupellosen Jägern lebendig aufgehängt werden: „Haben Sie noch nie die Bilder gesehen?“ Dulcinea sei ein echter Schatz, eine sanfte Riesin, die einfach nur lieb sei. Sie ist auch mir gegenüber zunächst sehr zurückhaltend, kommt aber schließlich auf Zuruf und geht ein Stück auf der Wiese neben mir her. Die knapp zwei Jahre alte Hündin ist seit Ende März im Lüdinghausener Heim. Für sie wünscht sich Roswitha Henze eine kurzfristige Vermittlung in eine passende Familie.

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RN-Mitarbeiterin besucht das Tierheim

RN-Mitarbeiter zeigen Herz: Petra Kriegler hilft bei den Tierfreunden mit.
13.07.2015
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Sherlock ist ein Hund zum verlieben. Er geht sofort freundlich auf die Besucher zu.© Canan Kizilgöz
Lenny ist nach dem Spaziergang wieder im Käfig.© Canan Kizilgöz
© Canan Kizilgöz
Naomi möchte auch gebürstet werden.© Canan Kizilgöz
Schätzchen fühlt sich wohl.© Canan Kizilgöz
Die Schuhe müssen durchs Desinfektionsbad.© Canan Kizilgöz
© Canan Kizilgöz
Bridget Lüring (18) hilf seit Weihnachten ehrenamtlich im Tierheim mit.© Canan Kizilgöz
Durch das Desinfektionsbad geht es ins Katzenhaus.© Canan Kizilgöz
Täglich gibt es reichlich Wäsche.© Canan Kizilgöz
Im Katzenzimmer. Auch Cody möchte kuscheln.© Canan Kizilgöz
Joey hat Hunger.© Canan Kizilgöz
Hygiene wird groß geschrieben.© Canan Kizilgöz
Cody.© Canan Kizilgöz
Im Katzenzimmer.© Canan Kizilgöz
© Canan Kizilgöz
Naomi.© Canan Kizilgöz
Im Katzenzimmer.© Canan Kizilgöz
Im Katzenzimmer.© Canan Kizilgöz
Im Katzenzimmer.© Canan Kizilgöz
Es muss gefegt werden.© Canan Kizilgöz
Cody guckt um die Ecke.© Canan Kizilgöz
Im Katzenzimmer. Der Schrank mit dem Futter.© Canan Kizilgöz
Joey kuschelt gerne.© Canan Kizilgöz
Auf dem Kratzbaum. Sie werden täglich abgebürstet.© Canan Kizilgöz
Bridget Lüring (l.) erklärt Petra Kriegler, was alles gemacht werden muss.© Canan Kizilgöz
Im Katzenzimmer. Naomi ist ein echtes Kuscheltier und auch mit nur einem Auge sieht sie sehr gut.© Canan Kizilgöz
Im Katzenzimmer.© Canan Kizilgöz
Im Katzenzimmer. Endlich gibt es Futter.© Canan Kizilgöz
Im Kittel und mit Handschuhen geht es in die Zimmer.© Canan Kizilgöz
Naomi fühlt sich wohl.© Canan Kizilgöz
Im Katzenzimmer.© Canan Kizilgöz
Cody hat nur noch einen halben Schwanz.© Canan Kizilgöz
Freundliche Gemüsehändler verkaufen zum Marktende das Obst und Gemüse günstiger ans Tierheim.© Canan Kizilgöz
Die Arbeitsaufteilung.© Canan Kizilgöz
Nur mit Handschuhen geht es in die Katzenzimmer.© Canan Kizilgöz
Freundliche Gemüsehändler verkaufen zum Marktende das Obst und Gemüse günstiger ans Tierheim.© Canan Kizilgöz
© Canan Kizilgöz
Dulcinea wird immer zutraulicher.© Canan Kizilgöz
Dulcinea wird immer zutraulicher.© Canan Kizilgöz
Dulcinea ist vorsichtig, aber nach kurzer Zeit wird die ruhige Hündin zutraulich.© Canan Kizilgöz
Dulcinea wird immer zutraulicher.© Canan Kizilgöz
© Canan Kizilgöz
Die Hundezwinger im Außenbereich.© Canan Kizilgöz
Dulcinea wird immer zutraulicher.© Canan Kizilgöz
Neugierig such Dulcinea auf der Wiese.© Canan Kizilgöz
Die Schilder an den einzelnen Boxen.© Canan Kizilgöz
Alle Kaninchen sind sehr zutraulich.© Canan Kizilgöz
Alle Kaninchen sind sehr zutraulich.© Canan Kizilgöz
Alle Kaninchen sind sehr zutraulich.© Canan Kizilgöz
Sherlock freut sich über jede Begrüßung.© Canan Kizilgöz
Auf dem Gelände.© Canan Kizilgöz
Auf dem Gelände.© Canan Kizilgöz
Petra Kriegler (l.) und Roswitha Henze mit Dulcinea.© Canan Kizilgöz
Alle Kaninchen sind sehr zutraulich.© Canan Kizilgöz
Watson liegt in der Sonne.© Canan Kizilgöz
Auf dem Außengelände des Tierheims wohnen einige Hofkatzen.© Canan Kizilgöz
Auf dem Außengelände des Tierheims wohnen einige Hofkatzen.© Canan Kizilgöz
Das Gehege wurde liebevoll eingerichtet.© Canan Kizilgöz
Auf dem Außengelände des Tierheims wohnen einige Hofkatzen.© Canan Kizilgöz
Auf dem Außengelände des Tierheims wohnen einige Hofkatzen.© Canan Kizilgöz
Auf dem Außengelände des Tierheims wohnen einige Hofkatzen.© Canan Kizilgöz
Auf dem Außengelände des Tierheims wohnen einige Hofkatzen.© Canan Kizilgöz
Amy lässt sich gerne streicheln.© Canan Kizilgöz
© Canan Kizilgöz
© Canan Kizilgöz
Gemütlich ist es im Kleintiergehege.© Canan Kizilgöz
Gemütlich ist es im Kleintiergehege.© Canan Kizilgöz
Frodolin lässt sich problemlos von Petra Kriegler auf den Arm nehmen.© Canan Kizilgöz
Katrin Sebbel zeigt wie zutraulich die Kaninchen sind. von fluchttieren kann keine Rede sein.© Canan Kizilgöz
Schätzchen fühlt sich wohl im Gehege.© Canan Kizilgöz
Marlene Bode aus Bork kümmert sich um die Wäsche. Sie studiert in Enschede Tiermanagement und macht im Tierheim zurzeit ihr Praktikum.© Canan Kizilgöz
Das Kleintiergehege. Hier warten zurzeit zwei Meerschweinchen und einige Kaninchen auf ein neues Zuhause.© Canan Kizilgöz
Schlagworte Selm

Leicht machen es sich die Mitarbeiter des Tierheims allerdings nicht bei der Vermittlung. Interessenten müssen mehrfach vorbei kommen und Kontakte zu den Tieren knüpfen. Eine für das Tier passende Unterkunft muss gewährleistet sein. Die Tiere sollen auch nicht zu lange alleine bleiben müssen. Die Hunde möglichst nicht länger als sechs Stunden. Bei Katzen, die keine Freigänger sind, sollten Balkon oder Terrasse eingegrenzt werden. Kaninchen sollten nur zu mehreren in passende Freigehege.

Viele Ehrenamtliche

Beim Spaziergang mit den Hunden sind heute mit den ehrenamtlichen Gassigängern auch Marianne Reimer und Tochter Anna dabei. Sie interessieren sich für den Mischlingsrüden Lenny.

Zu den Gassigängern gehört seit knapp vier Jahren auch Martina Müller. Sie kommt zweimal die Woche und auf Anfrage. „Ich wollte etwas für mich tun und für die Tiere“, erzählt sie, „einen eigenen Hund möchte ich wegen meiner Katze im Moment nicht“. Ähnlich sind die Gründe auch bei Wolfgang Leuftink, der seit seiner Pensionierung dabei ist und bei Michael Hölscher, der in Altersteilzeit arbeitet. Weitere Ehrenamtliche kommen zu den einstündigen Abendspaziergängen.

Dann darf ich ins Katzenhaus. Hier hat Katrin Sebbel, Mitarbeiterin im Tierheim, bereits drei der vier Zimmer fertig gemacht. Mit den Schuhen geht es schon ins Vorzimmer durch ein Desinfektionsbad, dann muss ich einen langen grünen Kittel anziehen und Handschuhe. Warum das Ganze? „Es gibt viele Katzenviren und die Tiere sollen sich nicht anstecken. Medizin ist teuer, da ist es wichtig Krankheiten zu vermeiden “, erklärt sie.

Ins Quarantäne-Zimmer mit den Welpen darf ich gar nicht. 14 Tage müssen alle Neuankömmlinge hier verbringen. Dann werden passende Gruppen in den geräumigen Zimmern mit Außenbereich gebildet. Ich gehe in Zimmer 4 zu Naomi, der ein Auge fehlt, Cody, der nur noch einen halben Schwanz hat, und Joey, der wegen einer Nierenerkrankung Spezialfutter bekommt. Alle drei sind tolle Tiere, kommen auf mich zu, schmusen, sind neugierig und vorwitzig. Noch jung, im besten Katzenalter und trotz ihrer Behinderungen mit noch langer Lebenserwartung, erzählt Katrin Sebbel. Fütterung.

Neues Zuhause gesucht

Ich fege die Kratzbäume ab, Naomi möchte auch abgefegt werden. Beim Fußboden fegen kommt Cody neugierig gucken und Joey teilt lauthals mit, dass er richtig Hunger habe, als ich die Näpfe fülle. Für alle drei und Kater Theodor, der in einem schrecklichen Zustand, ebenfalls nierenkrank ins Tierheim kam, wünscht sich Katrin Sebbel dringend ein neues Zuhause.

Bridget Lüring aus Nordkirchen begleitet mich bei den Katzen. Sie hat gerade Abitur gemacht und hilft mehrere Stunden am Tag mit. Mit Praktikantin Marlene Bode aus Bork hat sie sich bereits heute Morgen um das Kaninchengehege gekümmert.

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