Christian Berndt (33), Agaringeneur und Vertriebsleiter bei der Schulze Alcappenberg GmbH blickt auf eine "gute, durchschnittliche" Kürbisernte, die unter anderem von den Selmer Feldern kommt. © Kristina Gerstenmaier
Ernte

Zu klein, zu verwachsen? Nicht jeder Selmer Kürbis landet im Handel

Die Kürbisfelder auf Hof Schulze Altcappenberg sind abgeerntet. Jetzt geht es in den Verkauf. Doch nur ein Teil der Kürbisse landet im Handel, der Rest entspricht nicht den Konventionen.

An einem Morgen Ende September stehen gut ein Dutzend Mitarbeiter in einer großen Halle in Datteln an einer speziellen Kürbisaufbereitungsanlage. Frisch von den Selmer und Dattelner Feldern werden die Kürbisse als für den Verkauf tauglich bewertet und hübsch gemacht. In einem ersten Schritt sortieren die Mitarbeiter sie grob nach schlecht und gut, dann werden sie gewaschen und dann gewogen.

Für den Einzelhandel dürfen die Bio-Kürbisse zwischen 800 und 1500 Gramm wiegen. Größere oder kleinere werden von Hand aussortiert. „Aus Selm haben wir in diesem Jahr 20 bis 25 Tonnen Kürbisse pro Hektar geerntet“, erzählt Christian Berndt, der seit einem halben Jahr Betriebsleiter der BioGut Schulze Altcappenberg KG in Selm ist.

Der Hof, der seit 2016 zu der Abendhardt GmbH mit Sitz in Datteln gehört, verfügt über 70 Hektar Land. Zu dem Selmer Land des Hofs Schulze Altcappenberg kommen 100 Hektar Land auf Dattelner und Coesfelder Gebiet, die vor 2017 noch konventionell bewirtschaftet wurden.

In einem der ersten Schritte werden die Kürbisse gewaschen. © Gerstenmaier © Gerstenmaier

Ein Drittel für die Tonne

„Maximal zwei Drittel der geernteten Kürbisse sind letztlich marktfähig“, zieht Berndt Bilanz. Und in diese Rechnung sind alternative Vermarktungswege abseits der Supermarktregale schon eingerechnet: Ein Teil der Kürbisse, die aus der Norm fallen, werden zu Tiefkühlprodukten weiterverarbeitet, ein anderer landet in der Industrieaufbereitung und dann gibt es noch einen kleinen Bruchteil, der von einem Vermarkter für Gemüse mit Macken aufgekauft wird.

„Nicht alles ist für den Markt geeignet und irgendwann ist der Markt auch gesättigt“, berichtet Christian Berndt. Im konventionellen Bereich sei es noch schwieriger, fügt er hinzu. Im Unterschied hierzu werden die Bio-Kürbisse aber ohne chemischen Pflanzenschutz und mit einem hohen Anteil an Handarbeit – zum Beispiel muss von Hand geerntet werden – angebaut.

Was weder an Supermärkte, noch an die weiterverarbeitende Industrie oder den Nischenhändler geht, werde weggeworfen. Wieviel genau kann Christian Berndt noch nicht sagen; erst im November zieht er Jahresbilanz.

Erst werden die Kürbisse maschinell und computergesteuert gewogen, dann noch einmal von Hand. © Gerstenmaier © Gerstenmaier

Auch ein abgebrochener Stilansatz kann ein Grund sein, einen Kürbis auszusortieren. Oder Verwachsungen. Oder eine Grünfärbung. Aldi Süd und Nord, Edeka und der Naturkost-Einzelhandel gehören zu den Kunden der Abendhardt GmbH.

Bio, zu welchem Preis?

In einem letzten Schritt werden den Kürbissen an der Aufbereitungsanlage das BioGut Label aufgelasert. In allen Märkten, die zu den Abnehmern der Selmer und Dattelner Kürbisse gehören liegt letztlich die gleiche Qualität von den gleichen Feldern. „Nur in der Größenvorgabe unterscheiden sich die Kunden manchmal“, so der gelernte Agraringenieur Christian Berndt. „Unser Steckenpferd ist es, den Lebensmittelhandel hochwertig zu versorgen.“ Punkt.

Der Verdrängungswettbewerb beim Gemüse sei ziemlich hart. Aus dem Inland wie auch aus dem Ausland. „Und der massenbestimmende Markt ist schon der Discounter. Aber durch unsere Bio-Standards muss die Ware auch dort eigentlich ihren Preis haben.“

Mit dem aufgelaserten GutBio-Zeichen hofft Christian Berndt, dass sich „seine“ Kürbisse einen Vorteil im hart umkämpften Markt verschaffen. © Gerstenmaier © Gerstenmaier

Insgesamt sei der Anbau in Selm in diesem Jahr eher ein schwieriger gewesen, der feuchte Frühling eine große Herausforderung. Nicht nur dass die Böden durch die Feuchtigkeit schwer zu bewirtschaften gewesen seien, auch das Unkraut, das nach Aussaat von Hand entfernt auf dem Feld vertrocknen sollte, habe immer wieder gekeimt. „Das hat uns vor allem in Selm wirklich Bauchschmerzen gemacht“, erinnert Berndt. Und durch den kühlen August seien die Früchte später reif gewesen, als üblich. Letztlich sei die Kürbis-Ernte aber durchschnittlich.

Anders als im vergangenen Jahr hat Christian Berndt sich für 2021 gegen den Anbau von Halloween-Kürbissen entschieden. Erst seit drei Jahren wird überhaupt Kürbis angebaut. Alles ist noch im Werden, die Aufbereitungshalle in diesem Jahr neu und alternative Vertriebswege noch in der Testung.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
In und um Stuttgart aufgewachsen, in Mittelhessen Studienjahre verbracht und schließlich im Ruhrgebiet gestrandet treibt Kristina Gerstenmaier vor allem eine ausgeprägte Neugier. Im Lokalen wird die am besten befriedigt, findet sie.
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Kristina Gerstenmaier