Zukunft offen: Was wird aus der Selmer Radstation?

Möglicher Interessent

Das Gebäude steht nun schon seit Ende vergangenen Jahres leer. Und ist in einem großen Immobilienportal zur Vermietung inseriert: Die Radstation am Beifanger Bahnhof mit Rad-Herberge war in vielerlei Hinsicht ein interessantes Projekt. Aber es scheiterte. Was wird nun daraus?

SELM

, 03.08.2016, 17:57 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Untergeschoss eine „geräumige Immobilie“ mit Ladenlokal und Schaufenstern, einer kleinen Werkstatt oder Lagerraum und WCs. Im Obergeschoss eine ehemalige Radler-Herberge, die man als Wohnung nutzen könnte. Verkehrsgünstig gelegen eigentlich, direkt am Haltepunkt Beifang der Bahn. Doch das Modell funktionierte nicht.

Erst probierte es die Awo Kreis Unna. Sie betreibt die DasDies Service GmbH, wo laut Awo-Geschäftsführer Rainer Goepfert 40 Prozent der Mitarbeiter Menschen mit Behinderungen sind, und hatte über diese rund ein Dutzend Radstationen im Kreisgebiet.

Zwei Ziele stecken dahinter: Man bietet Pendlern und Radfahrern generell ein gutes Service-Angebot – bewachte Abstellung der Räder, kleine Reparaturen, Herberge für Urlauber, Unterstützung des Nahverkehrs-Systems. Das zweite Ziel, das dem Zweck der Arbeiterwohlfahrt noch näher kommt: Sie schuf Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen, die am Arbeitsmarkt chancenlos sind.

Noch sechs im Kreis Unna

Die Awo betreibt auch heute noch Radstationen, allerdings nur noch sechs: Lünen City sowie Lünen, Schwerte, Unna, Kamen und Bönen an den Bahnhöfen. 18 Arbeitsplätze hat sie hier. Die Stationen laufen laut Aussage von Rainer Goepfert gut, sind inzwischen per Chip-System 24 Stunden am Tag nutzbar – wenngleich auch nicht absolut rentabel. Aber „ohne große Verluste“, so Goepfert.

Im Jahr fließen 120 000 Euro aus Kreis- und kommunalen Mitteln in die Unterhaltung. Dazu kommt ein Eigenanteil der Awo. „Die Entscheidung fiel vor meiner Zeit als Geschäftsführer, aber aus dieser Kombination war es nicht möglich, an allen Stellen Radstationen dauerhaft zu subventionieren“, erklärte Goepfert gestern auf Anfrage. Eine Studie der Awo mit dem Kreis Unna ergab, dass die Nachfrage in Selm einfach zu gering ausfalle.

In Wolfgang Häseler fand sich 2014 trotzdem ein mutiger Nachfolger für das Awo-Engagement. Er ging mit einer neuen Firma namens Kelrakom am 7. Februar 2014 an den Start und übernahm den Betrieb dort. „Aber es bewahrheitete sich, was in der Studie stand“, so Goepfert: Die Kelrakom wurde mit Wirkung vom 16. Dezember 2015 laut Handelsregister-Eintrag aufgelöst. Die Radstation steht seither leer.

Jetzt lesen

Vermietung geplant

Und nun? „Die Awo hatte das Gebäude damals für das Projekt gekauft“, so Goepfert. Nun wolle sie es entweder „tragfähig vermieten“ oder verkaufen. „Die Herberge kann man als Wohnung nutzen, das Lokal unten für Gewerbe“, sagt der Geschäftsführer, der seit Februar diesen Jahres das Sagen hat.

Es gebe einen konkreten Interessenten, sagt er auch – aber wenn es auf mittlere Sicht nichts wird, gebe es auch schon den internen Beschluss, das Haus wieder zu verkaufen. Der Stadt Selm ist dieser Stand der Dinge laut Sprecher Malte Woesmann bekannt. Mehr könne die Verwaltung dazu nicht sagen. Wann wieder Leben ins Haus kommt, ist also offen. 

Die Radstation in Zahlen
In der Immobilienanzeige in einem großen Internet-Portal steht das Gebäude zur Vermietung. Dort ist die Rede von einer „geräumigen Immobilie mit kleiner Werkstatt/Lagerraum“.

Die Fläche im Untergeschoss, und nur darum geht es in dieser Anzeige, beträgt 187 Quadratmeter, 150 davon sind als mögliche Verkaufsfläche ausgewiesen.

Die Vermietung ist provisionsfrei möglich. Die Miete liegt bei 935 Euro, die Nebenkosten betragen knapp 490 Euro. Als Kaution sind zwei Monats-Kaltmieten vorgesehen.

Es bestehe die Möglichkeit, die Einheit in Büroräume umzubauen, heißt es in der Anzeige. Da ein ebenerdiger Zugang vorhanden sei, sei auch eine Arztpraxis eine Option.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt