Zukunft offen: Was wird aus der Selmer Radstation?

Gebäude steht leer

Das Gebäude steht nun schon seit Ende vergangenen Jahres leer. Und ist in einem großen Immobilienportal zur Vermietung inseriert: Die Selmer Radstation am Beifanger Bahnhof war ein interessantes Projekt. Aber es scheiterte. Das Gebäude könnte vielseitig genutzt werden. Was wird nun daraus?

SELM

, 22.07.2016, 04:39 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Radstation am Bahnhof Selm-Beifang wird von vielen Pendlern genutzt. Jetzt verliert sie die Unterstützung des Kreises.

Die Radstation am Bahnhof Selm-Beifang wird von vielen Pendlern genutzt. Jetzt verliert sie die Unterstützung des Kreises.

Im Untergeschoss eine „geräumige Immobilie“ mit Ladenlokal und Schaufenstern, einer kleinen Werkstatt oder Lagerraum und WCs. Im Obergeschoss eine ehemalige Radler-Herberge, die man als Wohnung nutzen könnte. Die Selmer Radstation lag eigentlich verkehrsgünstig, direkt am Haltepunkt Beifang der Bahn. Doch das Modell funktionierte nicht.

Die Radstation scheiterte

Erst probierte es die Awo Kreis Unna. Sie betreibt die DasDies Service GmbH, wo laut Awo-Geschäftsführer Rainer Goepfert 40 Prozent der Mitarbeiter Menschen mit Behinderungen sind, und hatte über diese rund ein Dutzend Radstationen im Kreisgebiet.

Zwei Ziele stecken dahinter: Man bietet Pendlern und Radfahrern generell ein gutes Service-Angebot – bewachte Abstellung der Räder, kleine Reparaturen, Herberge für Urlauber, Unterstützung des Nahverkehrs-Systems. Das zweite Ziel, das dem Zweck der Arbeiterwohlfahrt noch näher kommt: Sie schuf Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschen, die am Arbeitsmarkt chancenlos sind.

Die Nachfrage in Selm fiel zu gering aus 

Die Awo betreibt auch heute noch Radstationen, allerdings nur noch sechs: Lünen City sowie Lünen, Schwerte, Unna, Kamen und Bönen an den Bahnhöfen. 18 Arbeitsplätze hat sie hier. Die Stationen laufen laut Aussage von Rainer Goepfert gut, sind inzwischen per Chip-System 24 Stunden am Tag nutzbar – wenngleich auch nicht absolut rentabel. Aber „ohne große Verluste“, so Goepfert.

Im Jahr fließen 120.000 Euro aus Kreis- und kommunalen Mitteln in die Unterhaltung. Dazu kommt ein Eigenanteil der Awo. „Die Entscheidung fiel vor meiner Zeit als Geschäftsführer, aber aus dieser Kombination war es nicht möglich, an allen Stellen Radstationen dauerhaft zu subventionieren“, erklärte Goepfert gestern auf Anfrage. Eine Studie der Awo mit dem Kreis Unna ergab, dass die Nachfrage in Selm einfach zu gering ausfalle.

Nachfolger hatte ebenfalls keinen Erfolg

In Wolfgang Häseler fand sich 2014 trotzdem ein mutiger Nachfolger für das Awo-Engagement. Er ging mit einer neuen Firma namens Kelrakom am 7. Februar 2014 an den Start und übernahm den Betrieb dort. „Aber es bewahrheitete sich, was in der Studie stand“, so Goepfert: Die Kelrakom wurde mit Wirkung vom 16. Dezember 2015 laut Handelsregister-Eintrag aufgelöst. Die Radstation steht seither leer.

Eine Vermietung des Gebäudes ist geplant 

Und nun? „Die Awo hatte das Gebäude damals für das Projekt gekauft“, so Goepfert. Nun wolle sie es entweder „tragfähig vermieten“ oder verkaufen. „Die Herberge kann man als Wohnung nutzen, das Lokal unten für Gewerbe“, sagt der Geschäftsführer, der seit Februar dieses Jahres das Sagen hat. Es gebe einen konkreten Interessenten, sagt er auch – aber wenn es auf mittlere Sicht nichts wird, gebe es auch schon den internen Beschluss, das Haus wieder zu verkaufen.

Die Miete liegt mit Nebenkosten bei rund 1400 Euro: In der inserierten Anzeige geht es um die Fläche im Untergeschoss. Sie beträgt 187 Quadratmeter, 150 davon sind als mögliche Verkaufsfläche ausgewiesen. Es bestehe die Möglichkeit, die Einheit in Büroräume umzubauen, heißt es in der Immobilienanzeige in einem großen Internet-Portal. Da ein ebenerdiger Zugang vorhanden sei, sei auch eine Arztpraxis eine Option.

Der Stadt Selm ist dieser Stand der Dinge laut Sprecher Malte Woesmann bekannt. Mehr könne die Verwaltung dazu nicht sagen. Wann wieder Leben ins Haus kommt, ist also offen. 

Weitere Informationen zur Immobilienanzeige
In der Immobilienanzeige ist die Rede von einer „geräumigen Immobilie mit kleiner Werkstatt/Lagerraum“.
Die Vermietung ist provisionsfrei möglich. Die Miete liegt bei 935 Euro, die Nebenkosten betragen knapp 490 Euro. Als Kaution sind zwei Monats-Kaltmieten vorgesehen.

 

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt