Zum Ende der Karnevalszeit fließen Tränen beim Tanzmariechen (15) Lena Günther aus Selm

Karneval Selm

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Da dürfen schon mal Tränen fließen. Bei Tanzmariechen Lena Günther (15) war es schon zu Weiberfastnacht so weit. Sie war nicht die einzige, die weinte.

Selm

, 26.02.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Lena Günther ringt nach Fassung, als sich Tobias Steinbrink bei ihr herzlich bedankt, und das Publikum applaudiert.

Lena Günther ringt nach Fassung, als sich Tobias Steinbrink bei ihr herzlich bedankt, und das Publikum applaudiert. © Sylvia vom Hofe

Sie ist erst 15 Jahre alt, aber kann schon auf ein Leben für den Karneval zurückblicken: Lena Günther. Auf Facebook hat sie ihrem Namen den Zusatz gegeben, der sie seit ihrem vierten Lebensjahr prägt: „Tanzmariechen“ - ein Titel, dem sie inzwischen ein „a. D.“ zufügen müsste: außer Dienst.

„Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, sagt das Mädchen und klingt dabei wie eine Erwachsene, die schon viel erlebt hat. Da, wo vor zwölf Jahren „alles anfing“, wie sie sagt, hat sie zu Weiberfastnacht ihren letzten Tanz getanzt: im Festzelt der Selmer Karnevalisten. Und was für einen Tanz.

Akrobatik pur zum Abschied

Sie wirft die Beine in die Luft, springt in den Spagat, dreht sich und schlägt Räder, ohne mit den Händen den hölzernen Bühnenboden zu berühren - und das alles im Takt der Musik. Und mit einem Lächeln im Gesicht, als wenn die Akrobatik keine Mühe machte und die Schwerkraft für sie nicht gelte.

Für die Selmer Karnevalsgesellschaft, später für einen Aachener Verein und zuletzt für die TSG Dortmund, ist sie auf nationalen Turnieren angetreten und hat Auszeichnungen und Pokale eingesammelt. Mit dem Tanzen kennt sie sich aus. Mit dem, was dann folgt, nicht.

Mutter Günther teilt die Leidenschaft

Der Vorsitzende der Ersten Selmer Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß, Tobias Steinbrink, steht plötzlich neben ihr und überreicht Lena einen Blumenstrauß: ein Dankeschön für ihren unermüdlichen Einsatz. Da ist sie schon gerührt. Als die gerade noch wild feiernden Weiber geschlossen aufstehen, um zu applaudieren, kullern die Tränen - wenig später auch bei jemand anderem.

Bei Mutter Sabrina Günther kullern auch die Tränen, als sich ihre Tochter bei ihr bedankt.

Bei Mutter Sabrina Günther kullern auch die Tränen, als sich ihre Tochter bei ihr bedankt. © Sylvia vom Hofe

Lena greift selbst zum Mikrofon und ruft ihre Mutter auf die Bühne: „Damit hatte ich keinen Moment gerechnet“, sagt Sabrina Günther (39) später. An diesem Donnerstagabend fehlen ihr die Worte, als Lena mit bebender Stimme das lange Redemanuskript vorliest: ein herzliches Dankeschön an ihre Mama, die zugleich ihre erste Trainierin war, ihre Motivatorin und Ratgeberin.

„Ich war selbst Tanzmariechen“, sagt die Mutter später. Als ihre Eltern mit ihr in Selm das erste Mal den Kinderkarneval in Selm besucht hatten - sie war damals gerade vier Jahre alt - , war es um sie geschehen. „Da war ich Feuer und Flamme für das Tanzen.“ Die Eltern glaubten, dass sich die brennende Begeisterung abkühlen würde, sobald das Training härter würde. Da irrten sie sich aber.

Berufsziel lässt sich mit Training nicht verbinden

Selbst als sie schon junge Mutter ist, geht Sabrina noch zum Training - mit der kleinen Lena in der Babyschale. Nur, dass sie sich da nicht mehr selbst dreht und springt, sondern den Nachwuchs trainiert: Eine Aufgabe, der sich jetzt auch die Tochter verstärkt widmen möchte. Eine reife Entscheidung, wie die Mutter findet.

Lena, die zurzeit die Sekundarschule besucht, möchte Abitur machen und dann studieren: Lehramt. Das lasse sich nur schlecht mit dem Hobby verbinden, das ihr zur Berufung geworden war. „Vor Turnieren hat Lena drei-, viermal in der Woche trainiert“, sagt die Mutter. „In Dortmund.“

Auch wenn sie selbst die Schnürstiefel des Tanzmariechens an den Nagel hängt: Andere will die 15-Jährige weiter unterstützen. Die nur zwei Jahre jüngere Joana aus Dortmund zum Beispiel, die sie bereits trainiert. Und künftig auch die fünfjährige Maja aus Selm, ein Nachwuchstalent der 1. KG Selm. Sie sei stolz, dass sie so ihrem Verein in Selm weiter verbunden bleiben könne, sagt Lena am Samstag noch auf der Bühne. Dann ist sie nicht mehr zu verstehen und fällt ihrer ebenfalls schluchzenden Mutter in die Arme.

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