Zwei Entwürfe für Umbau der Selmer Burg Botzlar

Vorher-Nachher-Bilder

Der Sieger des Wettbewerbs zum Umbau der Burg Botzlar in Selm stehen fest. Das Preisgericht konnte sich auf keinen eindeutigen Favoriten festlegen und kürte zwei Sieger. Wie sich die Architekten den Umbau vorstellen, zeigen wir in Vorher-Nachher-Bildern. Und beantworten die wichtigsten Fragen zum Projekt.

SELM

, 26.03.2016, 05:22 Uhr / Lesedauer: 3 min

Am Mittwoch hat die Bürgerstiftung die beiden Sieger-Entwürfe bei der Eröffnung der Ausstellung zu dem Wettbewerb vorgestellt. Neun Architektenbüros hatten ihre Ideen eingereicht, wie die Burg Botzlar zu einem neuen Ort für Kultur, Vereine und bürgerliche Aktivitäten umgebaut werden könnte. Die Bürgerstiftung hoffe, dass die Burg sich so entwickelt, „dass jeder Selmer stolz darauf sein kann“, sagte Gerhard Stenner, Vorsitzender der Stiftung.

Zwei zweite Plätze

Die Entscheidung sei deshalb auch nicht leicht gefallen. Am vergangenen Donnerstag habe das Preisgericht aus Vertretern der Stiftung und der Stadt Selm, Standplanern, Architekten, Politikern und Denkmalpflegern einen „harten Tag“ gehabt und lange gestritten und diskutiert. Mit dem Ergebnis, dass es keinen Sieger gibt.

Die Jury hat zwei zweite, mit 15.000 Euro dotierte, Preise vergeben. Nach welchen Plänen die Burg umgebaut wird, entscheidet sich somit zwischen den Plänen des Büros Heine Reichold Architekten und Ingenieure aus Lichtenstein in Sachsen und dem Büro Reinhard Angelis Planung Architektur Gestaltung aus Köln.

So funktionieren unsere Vorher-nachher-Bilder:
Wir stellen die beiden Entwürfe in Vorher-nachher-Bildern vor. Links sehen Sie ein aktuelles Foto, rechts den Entwurf als Grafik. Schieben Sie den Regler in der Mitte nach links oder rechts, um die Veränderung zwischen den beiden Bildelementen sichtbar zu machen. (Diese Funktion kann nicht auf allen mobilen Endgeräten genutzt werden.)

Wie sieht Entwurf 1 vom Büro Heine Reichold aus?

 

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Die Vorderseite der Burg Botzlar. 

 

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Die Rückseite der Burg Botzlar. 

Am Gebäude möchten die Architekten des Büros Heine und Reichhold aus Lichtenstein (Sachsen) nicht viel verändern, sagte Henrik Heine. Man wolle der Burg nicht die Show stehlen. Geplant sei vorne eine abknickende Rampe zusätzlich zur Treppe. Dazu ist hinter der Burg ein stahlverkleideter Anbau mit zweitem Treppenhaus und Aufzug geplant. So sei ein barrierefreier „gleichberechtigter, beidseitiger Zugang“ möglich.

Ein offener Empfangsbereich erstreckt sich hinter der Eingangstür. Dazu gebe es im Parterre einen Trausaal, zwei Seminarräume, eine Bar, einen Infotresen und die zentrale Küche. Im Keller gebe es einen Ausgang zu einer großen Terrasse. Sie führt zu den Teichen, die verbunden werden. Der große Saal im Obergeschoss soll in zwei Räume teilbar sein. Im Dachgeschoss sind Workshopräume, Archiv, Büros und ein Pausenbereich möglich. Auf jeder Etage ist eine Toilette geplant.

Wie sieht Entwurf 2 vom Büro Reinhard Angelis aus?

 

 heute | geplant

Die Rückseite der Burg. 

 

"Die Realität ist der Burg auf die Pelle gerückt", sagte Reinhard Angelis vom Kölner Büro Angelis. Trotzdem versuche der Entwurf, die romantische Erinnerung an die Wasserburg zurückzuholen. Es solle nicht zu vorsichtig umgestaltet werden, das Neue müsse Kraft haben. Ein neuer Ring aus Eichen solle um die Burg gepflanzt werden. Der alte Wassergraben wird mit einer leichten Absenkung angedeutet. Geplant ist ein Vorplatz als „atmosphärischer Eingangsort“.

Vorne soll eine dezente Rampe ermöglichen, dass alle Gäste an der gleichen Seite eintreten. Hinter der Burg soll ein massiver Anbau an einen Burgfried (Turm) erinnern und doch modern aussehen. Darin sind ein Treppenhaus, Aufzug und Toiletten untergebracht. Ein Loch in der Decke lässt innen den Blick vom Foyer ins Foyer darunter zu. Im Dachgeschoss sollen mehr Fenster statt der Gauben Licht in die Gruppen- und Tagungsräume bringen.

Warum haben zwei Entwürfe gewonnen, die auf der Rückseite der Burg einen Anbau vorsehen?

Die Burg soll einen barrierefreien Zugang erhalten. Um in alle Etagen zu gelangen, braucht man also eine Aufzug. Im aktuell vorhandenen Treppenhaus ist dafür kein Platz, erklärte Hartmut Welters, Architekt und Stadtplaner aus Dortmund, dessen Büro den Wettbewerb begleitet.

Zudem kann in einem Anbau auch ein zweites Treppenhaus untergebracht werden. Ein zweiter Fluchtweg ist nach aktuellen Brandschutzbestimmungen Pflicht, so Welters. Um Aufzug und zweites Treppenhaus unterzubringen sehen einige Entwürfe auf der Rückseite der Burg einen Anbau vor – auch die beiden Sieger-Entwürfe

Wie beurteilt die Bürgerstiftung die beiden Entwürfe?

„Wir freuen uns darüber, dass beide Vorschläge, was die Funktionalität im Inneren angeht, schon ein sehr hohes Niveau haben“, sagte Michael Reckers aus dem Vorstand der Bürgerstiftung Stadt Selm. Der Stiftung sei es wichtig, dass die Raumaufteilung in der Burg flexibel ist und das Gebäude künftig für verschiedene Veranstaltungen, die auch parallel laufen können, nutzbar ist. Auch sollen viele Bürger und Vereine mit der Burg einen Anlaufpunkt haben.

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Warum hat das Preisgericht diese beiden Entwürfe den anderen sieben vorgezogen?

Die Jury habe einen „harten Tag“ gehabt, sagte Gerhard Stenner, Vorstand der Bürgerstiftung Stadt Selm. Es habe lange Diskussionen über alle Vorschläge und ihre Vor- und Nachteile gegeben. Die beiden ausgewählten Entwürfe hätten am besten die Vorgaben für den Umbau umgesetzt, etwa den barrierefreien Zugang, die flexible Nutzbarkeit. Auch Kriterien wie Umbauaufwand in Relation zum Nutzen und die Vereinbarkeit mit dem Denkmalschutz spielten eine Rolle bei der Entscheidung der Jury.

 

Was zeigt die Ausstellung im Bürgerhaus?

Neun Architektenbüros haben Entwürfe eingereicht. Die Ausstellung zeigt sie alle, inklusive der zwei Sieger-Entwürfe. Die neun eingereichten Entwürfe zeigen „ein breites Spektrum“ an Ideen, sagte Hartmut Welters bei der Präsentation. Einige wollten ganz ohne Anbau auskommen. Andere Architektenbüros planten voluminöse Anbauten, in denen Teils ein ganzer Saal untergebracht werden sollte. Neben den zwei Entwürfen, die je einen 2. Preis gewannen, sprach die Jury noch zwei Anerkennungen aus. Alle neun Entwürfe werden in der Ausstellung präsentiert. Umgesetzt werden können – mit Änderungen – aber nur die beiden zweiten Preise.

Die Ausstellung ist bis zum Freitag, 8. April, im kleinen Saal des Bürgerhauses, Willy-Brandt-Platz, zu sehen. Geöffnet ist werktags von 10 bis 14 Uhr.

 

Wann geht der Umbau der Burg los?

Zunächst wollen beide Architektenbüros Anregungen und Kritik in ihre Pläne einarbeiten. Vor den Sommerferien im Juli wollen die Verantwortlichen und die Bürgerstiftung eine Entscheidung treffen, welchen überarbeiteten Entwurf sie auswählen. Dieser Plan kann dann noch einmal konkretisiert und überarbeitet werden. Dann kann zum Beispiel noch festgelegt werden, wie groß welches Büro und welcher Vereinsraum werden soll. Im Frühjahr 2017 soll dann der Umbau der Burg Botzlar beginnen.

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