Zwei Jahre Katzen-Kastrationspflicht im Kreis Unna - das hat es gebracht

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Vor zwei Jahren trat im Kreis Unna eine Verordnung in Kraft, die besagt, dass freilaufende Katzen registriert und kastriert sein müssen. Welche Auswirkungen hatte die Verordnung in Selm?

Selm

, 16.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den zwei Jahren, seitdem die Verordnung zum Schutz freilebender Katzen im Kreis Unna in Kraft getreten ist, sind schon einige Kastrationen zusammengekommen, die durch den Selmer Tierschutzverein gestemmt wurden. „Wir haben in zwei Jahren 128 Katzen kastriert, die meisten davon weiblich“, erklärt Roswitha Heise, die Vorsitzende des Selmer Tierschutzvereins.

Wenn man bedenke, dass kleine Katzen bereits mit fünf Monaten geschlechtsreif seien und dann vielleicht selbst vier, fünf Nachzügler auf die Welt bringen, dann könne man sich ja ausrechnen, dass es eine Vielzahl an zusätzlich streunenden Katzen gebe. Die Verordnung, die seit dem 1.1.2018 gilt, besagt neben der Kastrationspflicht für Freigänger zudem, dass diese gechippt und beim Haustierregister Tasso registriert sein müssen.

Tierschutzverein kümmert sich

Wenn jemand eine streunende Katze sieht, die offensichtlich nicht kastriert ist - bei Katern merke man das zum Beispiel daran, dass sie zum Beispiel Hauswände markieren - informieren Bürger den Selmer Tierschutzverein. Auch manche Bauernhöfe würden sich beim Tierschutzverein melden. Der Verein übernimmt dann die Vor- und Nachbetreuung. Streunende Katzen werden nach der Kastration wieder an ihren Fundort zurückgebracht.

Auch bedürftige Bürger, zum Beispiel Hartz-IV-Empfänger, dürfen sich an den Verein wenden. Sie müssen dann nur noch einen Teil der Kastrationskosten tragen. Für Kater sind das etwa 80 bis 100 Euro, für Katzen 110 bis 130 Euro, wie Roswitha Heise erklärt. Finanziert wird das durch Spenden und Mitgliedsbeiträge sowie eine Beteiligung des Kreises. Grundsätzlich gibt es auch einen Fördertopf des Landesamts für Umwelt und Naturschutz in NRW. Das sei aber eher für Vereine in größeren Städten relevant, so Heise, da Anträge erst ab einer bestimmten Summe gestellt werden können.

Weniger Katzen - weniger Infektionen

Und wieso ist das Kastrieren nun so wichtig? Die Verordnung „verfolgt den langfristigen Zweck, die immer weiter anwachsende Katzenpopulation einzudämmen und so den darauf zurückzuführenden Infektionsdruck zu senken und das Wohlbefinden freilebender Katzen zu verbessern“, erklärt das Veterinäramt des Kreises Unna dazu auf Anfrage. Weniger streunende Katzen also und dadurch auch weniger Krankheiten.

Unmittelbar habe die Verordnung aber auch die Arbeit der Tierschutzvereine legitimiert, heißt es vom Veterinäramt. Tierschützer, aber auch Tierärzte - hätten dadurch eine Argumentationshilfe dafür, Halter von Freigängerkatzen von der Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht zu überzeugen.

Wer sich hingegen nicht daran hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu 1000 Euro bestraft werden kann, wie es in der Verordnung heißt. Solche Ordnungswidrigkeitsverfahren seien in den vergangenen zwei Jahren viermal eingeleitet worden, heißt es dazu vom Veterinäramt des Kreises - „während in den vergangenen zwei Jahren die meisten angeschriebenen Tierhalter ihren Pflichten nachgekommen sind.“

Keine Statistik

Es sei natürlich auch schwierig nachzuhalten, wenn die Katzen eben nicht registriert sind, sagt Roswitha Heise. Sie sagt aber: „Die Verordnung hat schon was gebracht.“ Aktuell gebe es nicht so viele Meldungen beim Tierschutzverein, allerdings könne man das auch erst im kommenden Monat so richtig sagen, wenn die Maikatzen zur Welt kämen. Eine Statistik darüber, wie viele Streuner es in Selm gibt, existiert nicht, dementsprechend könne man auch nichts dazu sagen, ob sich ihre Zahl in den vergangenen zwei Jahren reduziert hat, so Selms Stadtsprecher Malte Woesmann.

Roswitha Heise glaubt allerdings, dass sich die Verordnung wahrscheinlich erst in zwei bis drei Jahren deutlich bemerkbar machen wird. Ein paar unvernünftige Leute, die darauf verzichten, ihre Katze zu kastrieren, gebe es schließlich immer mal wieder, sagt sie. Auch das Veterinäramt kommt zu dem Schluss, dass „wir den langfristigen Effekt sicher erst in wenigen Jahren erkennen können.“

Tierschutzverein Selm Der Tierschutzverein Selm existiert seit Juli 2016. Er hat 38 Mitglieder und finanziert sich durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Der Verein hilft auch bei der Vermittlung von Tieren und freut sich über Geld- und Futterspenden. Der Verein kümmert sich vor allen Dingen um den Katzenschutz. Aber auch Wasserschildkröten, Tauben, Jungvögel, Igel, Kaninchen und viele Tiere, die Hilfe benötigen, gehören dazu. Nur keine Hunde. Kontakt: www.tsv-selm.de Roswitha Heise (Mobil: 0172 4347299) Mail: info@tsv-selm.de
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