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„Alles nur geklaut?“: Zeche Zollern zeigt die abenteuerlichen Wege des Wissens

LWL-Industriemuseum

„Alles nur geklaut?“, fragt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seiner aktuellen Sonderausstellung auf der Zeche Zollern in Dortmund.

03.04.2019, 11:14 Uhr / Lesedauer: 3 min
Eine diebische Elster, zusammengesetzt aus vielen Einzelmotiven, ist das Titelmotiv der Ausstellung „Alle nur geklaut?“.

Eine diebische Elster, zusammengesetzt aus vielen Einzelmotiven, ist das Titelmotiv der Ausstellung „Alle nur geklaut?“. © LWL

Noch bis zum 13. Oktober 2019 dreht sich im LWL-Industriemuseum alles um die abenteuerlichen Wege des Wissens. Die Schau zeigt an Beispielen aus Geschichte und Gegenwart, wie Wissen geschaffen, geteilt und geschützt wird. Sie veranschaulicht damit die Entstehung der modernen Wissens- und Informationsgesellschaft. Schirmherrin der Ausstellung ist Bundesbildungsministerin Anja Karliczek.

„Die Ausstellung widmet sich einem hochaktuellen Thema. Denn der Umgang mit Informationen spielt in unserer digitalisierten Welt eine immer größere Rolle und betrifft jeden einzelnen von uns“, erklärte LWL-Direktor Matthias Löb am Dienstag (19.3.) bei der Vorstellung der Schau in Dortmund. „Was ist wahr, was falsch? Wem gehört eigentlich das Wissen? Muss es geschützt oder sollte es geteilt werden? Diese Fragen wurden schon immer kontrovers diskutiert. Das zeigt unsere Ausstellung mit modernen Inszenierungen, spannenden Exponaten und vielfältigen Möglichkeiten zum Entdecken und Mitmachen.“

Agentenwerkzeuge wie Mikrokameras und Pistolen, getarnt als Brosche, Manschettenknopf und Feuerzeug.

Agentenwerkzeuge wie Mikrokameras und Pistolen, getarnt als Brosche, Manschettenknopf und Feuerzeug. © LWL/Hudemann

Auf insgesamt 1000 Quadratmetern Ausstellungsfläche geht es um Profit und Moral, Patente und Plagiate, Verrat und Geheimnisse. Besucher lernen Erfinder, Spioninnen und Whistleblower kennen.3D-Hologramme erwecken historische Personen wie den Universalgelehrten Georg Krünitz oder die Agentin Elsbeth Schragmüller zum Leben.

Das Spektrum der Exponate reicht vom 4.000 Jahre alten Scheibenrad über Agenten-Werkzeuge und die Verschlüsselungsmaschine Enigma bis hin zur elektronischen Fußfessel. Künstlerische Interventionen wie die Schreckenskarette von Jean Tinguely oder die Performance „Alles, was ich weiß - ein Selbstversuch auf Post-its“ von Florian Toperngpong setzen besondere Akzente.

Geheime Kammern des Wissens

Abenteuer und Rätselspaß versprechen sechs geheime Kammern des Wissens, die die Themen der Ausstellung aufgreifen. In kleinen Gruppen müssen Spieler Aufgaben lösen und Codes knacken, damit sich die Türen der Escape-Rooms öffnen. Zum Abschluss der gut einstündigen, auf Tablets angeleiteten Spielerunde wartet die Aufnahme in die „Loge des Wissens“. Mitmachen ist auch im Sachverständigenlabor für Original und Nachahmung gefragt. Gäste können zudem Selfies in eine „Cloud“ schicken, die über ihren Köpfen schwebt. Die von der Decke herabhängenden Stoffbahnen mit Foto- und Filmprojektionen sind ein zentrales Element der vom Berliner Büro „beier+wellach projekte“ gestalteten Schau.

An der Wikipedia-Wand geht es um die kollektive Zusammenarbeit des Online-Lexikons.

An der Wikipedia-Wand geht es um die kollektive Zusammenarbeit des Online-Lexikons. © LWL/Hudemann

Bereits bei der Konzeption hat das LWL-Industriemuseum mit zahlreichen Partnern zusammengearbeitet. So entstand im Rahmen eines EU-Projektes mit polnischen, irischen und deutschen Schulen und Museen die Wissenswerkstatt. Jugendliche beschäftigen sich in dem interaktiven Ausstellungsbereich unter anderem mit dem Thema Fake News und stellen verschiedene Perspektiven zur Diskussion. „Mit dieser Ausstellung zeigt das Museum seine Qualität als gesellschaftspolitischer Ort. 40 Jahre nach Gründung des LWL-Industriemuseums, der Geburtsstunde der Industriekultur, wird das Museum vom Hüter des Wissens zum Wissensgenerator und zum Ort der Diskussion“, erklärt Dirk Zache, Direktor des LWL-Industriemuseums. „Der kreative Austausch mit Partnern gehört dabei zu unserem Selbstverständnis als Forum. Neben Volkshochschulen und Schulen, die bei unserem Fotowettbewerb mitgemacht haben, ist auch das Zentrum für Medienkompetenz der Stadt Dortmund mit dabei, das ein Digitales Kulturlabor in unserer Ausstellung betreibt und das Diakonische Werk in Recklinghausen, dessen Werkstätten Hartz IV-Möbel fürs Foyer gebaut haben.“

Selfiestation in der Ausstellung

Selfiestation in der Ausstellung © LWL/Hudemann

Eng zusammengearbeitet hat das Team auch mit der Volx-Akademie für inklusive Kunst und Kultur der Stiftung Bethel. „Unser Ziel war es, die Ausstellung im Sinne eines ‚Design for all‘ für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.

Deshalb transportieren wir das Wissen über mindestens zwei Sinne gleichzeitig“, erklärt Projektleiterin Anja Hoffmann, Referentin für Bildung und Inklusion im LWL-Industriemuseum. So gibt es in der Ausstellung Tastobjekte und Hörstationen, leicht verständliche Texte, Filme mit Untertiteln, Bildschirme mit Vorlesefunktion sowie einen Mediaguide mit Touren in Deutsch, Englisch, Einfacher Sprache, Gebärdenvideos und einer Audiodeskription für blinde und sehgeschädigte Besucher. Auch beim Begleitprogramm (s. u.) setzt das LWL-Industriemuseum auf Vielfalt: Aktionstage mit 3D-Druck, Gaming-Events und Trickfilm-Produktion gehören genauso dazu wie Vorträge und eine Schreibwerkstatt mit Wikipedianern.

Dieter Gebhard, Vorsitzender der LWL-Landschaftsversammlung, spricht zur Eröffnung der Ausstellung am Freitag (22.3.) auf der Zeche Zollern. Er lobt die neuen Wege, die das Industriemuseum im Jahr seines 40. Bestehens geht: „Die Ausstellung erzählt an herausragenden Exponaten und Biografien, wie die Mechanismen des Wissenstransfers als Motor des Wandels gewirkt haben. Das LWL-Industriemuseum erweitert insofern sein Selbstverständnis. Neben das kulturelle Gedächtnis tritt stärker als bisher der Ehrgeiz, das Wissen auf immer neuen Wegen für alle verfügbar zu machen und damit eigenes Nachdenken über Fortschritte und Entwicklungen anzuregen. Die vom LWL angestrebte Digitalisierung in den Museen bietet dazu ganz neue Möglichkeiten.“