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An die Gesundheit denken

Allgemeiner Bürgerschützenverein Hervest-Dorsten 1913 e.V.

Hervest. „Wir haben in erster Linie an die Gesundheit unserer Mitbürger und Mitbürgerinnen zu denken“, sagt Raymund Ridderskamp, Vorsitzender der Schützen Hervest-Dorsten.

14.08.2020, 13:28 Uhr / Lesedauer: 5 min
Der Thron bleibt bestehen.

Der Thron bleibt bestehen. © privat

Das Schützenfest des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Hervest-Dorsten 1913 e.V. findet nicht statt. Ein Grußwort von Raymund Ridderskamp (Erster Vorsitzender):

Liebe Schützenbrüder, liebe Schützenschwestern, liebe Hervest-Dorstener und Hervest-Dorstenerinnen, wir, der Allgemeine Bürgerschützenverein Hervest-Dorsten 1913 e.V., wollten den diesjährigen Dorstener Schützenfestreigen mit unserem Fest beschließen. Aber, wie schon unser beliebtes Bergfest, kann auch das Schützenfest nicht stattfinden. Die Pandemieregeln verbieten Feste dieser Art. Wir haben, wie auch die anderen Schützenvereine in Dorsten, in erster Linie an die Gesundheit unserer Mitbürger und Mitbürgerinnen zu denken.

Im April hat der Arbeitskreis der Dorstener Schützenvereine in einer Videokonferenz mit dem Bürgermeister Tobias Stockhoff beschlossen, alle Schützenfeste in diesem Jahr abzusagen.

Das hieß auch für unser Königspaar Martin Richter und Stephanie Harding, dass sie in diesem Jahr keine Nachfolge finden werden. Ein herzliches „Dankeschön“ an Martin und Steffi für die spontane Bereitschaft, ihre Regentschaft um zwei Jahre zu verlängern!

Wir hoffen, im nächsten Jahr wieder ins Vereinsleben einsteigen zu können, hatten aber in diesem Jahr Gelegenheit, einige Projekte in Hervest Dorsten zu unterstützen. Besonders sei hier an das Kinderzirkusprojekt am „LEO“ gedacht, wo wir tatkräftig mit anpackten und dafür viel Lob erhielten.

Wir haben am Freitag in einer kleinen Ehrenmalfeier einen Kranz für Verstorbene unseres Vereins niedergelegt, auch werden wir der Opfer von Terror und Gewalt sowie der Pandemietoten gedenken. So können wir, auch wenn das Schützenfest nicht stattfindet, einen Teil der Tradition beibehalten. Ich wünsche Ihnen allen in diesen schwierigen Tagen Gesundheit und Glück! „Gut Schuss“ und „Glück auf“!

Raymund Ridderskamp (Erster Vorsitzender Allgemeiner Bürgerschützenverein Hervest-Dorsten 1913 e.V.)

Auch wenn das Schützenfest in diesem Jahr nicht stattfinden kann, sind trotzdem die Jubiläumskönigspaare zu erwähnen:

50 Jahre: Josef Wessendorf und Elsbeth Gutberlet (beide leider bereits verstorben).

50 Jahre: Josef Wessendorf und Elsbeth Gutberlet (beide leider bereits verstorben). © privat

25 Jahre: Henner Schürholz und Ulla Bensch.

25 Jahre: Henner Schürholz und Ulla Bensch. © privat

Mit dem 100. Schuss wurde Martin Richter beim letzten Schützenfest des Allgemeinen Bürgerschützenvereins Hervest-Dorsten 1913 e.V. König. An seiner Seite regiert Stephanie Harding. Wie das Königspaar das Schützenfest damals wahrnahm und was die beiden von ihrer verlängerten Amtszeit halten, darüber sprachen sie mit Redakteurin Lydia Klehn-Dressler.

Martin Richter ließ sich als neuer König der Hervester Schützen vom Volk feiern.

Martin Richter ließ sich als neuer König der Hervester Schützen vom Volk feiern. © Berthold Fehmer

Stephanie Harding ist die Königin an der Seite von Martin Richter.

Stephanie Harding ist die Königin an der Seite von Martin Richter. © Berthold Fehmer

War der Schuss auf den Vogel seinerzeit eigentlich von langer Hand geplant?

Martin Richter: Ich hatte schon immer den Wunsch, einmal Schützenkönig zu werden. Ich habe auch schon vorher dreimal mitgeschossen – hat aber leider nicht geklappt. Planen kann man so etwas eigentlich nicht, da man nicht weiß, was an der Vogelstange passiert. Aber vorbereitet waren wir schon ein wenig.

Viele Könige sind, wenn der Vogel gefallen ist, von den vielen Eindrücken zunächst überwältigt und realisieren erst später, was passiert ist. Wie war das bei Ihnen?

Martin Richter: Vorher hatte ich mir schon Gedanken gemacht, was auf mich nach dem Königsschuss zukommt. Als es dann aber passiert ist, sind sinnbildlich alle Dämme bei mir gebrochen und ich war im Flow. Du schüttelst gefühlt 1000 Hände, zig Umarmungen und Glückwünsche, alles prasselt auf dich ein und man ist richtig gehend geflasht von den vielen Eindrücken. Realisiert habe ich das Ganze erst viel, viel später.

Stephanie Harding: Natürlich habe ich mich riesig gefreut, aber so wirklich angekommen ist es erst später bei mir, weil es so viele Eindrücke sind. Besonders, wenn man eigentlich lieber im Hintergrund die Fäden zieht.

Erinnern Sie sich noch an die erste Amtshandlung?

Martin Richter: An unserem ersten Abend wurde das ehemalige Königspaar verabschiedet. Steffi und ich konnten da die Königsorden verteilen und anstecken. Unter Mithilfe von Steffi hat das dann auch bei mir funktioniert – sogar ganz ohne Brille!

Stephanie Harding: Die Entthronisierung des alten Königspaares Michael und Heike war für mich persönlich emotional besonders, weil beide mit Herzblut alles gegeben haben.

Wie haben Sie das Schützenfest danach als neues Königspaar wahrgenommen?

Martin Richter: In der ersten Woche unserer Amtszeit hatten wir ja schon den ein oder anderen Termin. Kompanietag, Abkränzen und am Wochenende stand schon die Jubiläumsfeier des Spielmannszuges Holsterhausen-Dorf auf dem Programm. Am liebsten schaue ich mir die Fotos vom Schützenfest an und schwelge in Erinnerungen.

Stephanie Harding: So richtig wahrgenommen habe ich es bis heute noch nicht. Für mich ist es wie ein Film, den ich mir ansehe und über den ich mich freue – dann aber realisiere: Wir sind die Darsteller.

Wer gehörte zum Thron und warum?

Martin Richter: Das war für uns beide keine Frage, wer mit zum Thron gehören soll. Natürlich als erstes die Familie und besten Freunde. Zudem gehören Vorstandsmitglieder und unsere Offiziere mit zum Thron.

Stephanie Harding: Zum Thron gehörten vor allem bei uns die Familie, Freunde und der eigene Verein, denn eine funktionierende Familie und Freundschaft sind wichtig, für die emotionale und organisatorische Hilfestellung, die man bei so einem Amt braucht.

Wie lief die Zusammenarbeit zwischen König und Königin?

Martin Richter: Wir kennen uns ja schon eine ganze Weile. Da ist die Zusammenarbeit sehr leicht und harmonisch. Man kann auch sagen, das ist gelebte Teamarbeit.

Stephanie Harding: Das hat vor unserer Amtszeit schon sehr gut gepasst, durch das Vereinsleben und auch privat.

Im Rückblick gesehen: Was hat Ihnen während der bisherigen Regentschaft am meisten Freude bereitet?

Stephanie Harding: Die erste Fahrt in der Kutsche. Ich hatte Zuhause Kartoffelsalat vorbereitet und noch Späßchen gemacht, dass wir diesen in der Kutsche essen würden, weil wir sonst nicht die Zeit haben würden, um etwas zu essen. Dass es so kam, war schon witzig, denn ich habe kurzerhand zu Hause alles in Portionsschüsseln gefüllt und wir haben den Kartoffelsalat dann wirklich während der Kutschfahrt verzehrt.

Martin Richter: Es gab vieles, was Freude bereitet hat. Unsere erste gemeinsame Kutschfahrt nach der Parade zum Beispiel, als ich von meiner Königin mit Kartoffelsalat überrascht wurde. Ich glaube, dass es dies so noch nicht gegeben hat. Was rückblickend gesehen immer wieder Freude macht, ist der Besuch der Gastvereine und Abordnungen, wo wir viele nette Menschen kennengelernt und viel miteinander gefeiert haben. Ein weiterer Höhepunkt war dann letztes Jahr unsere Königspaarfeier mit dem Motto „Rocky-Billie, 50*er Jahre“.

Hatten Sie sich für Ihre Amtszeit besondere Ziele gesetzt?

Martin Richter: Richtig gehende Ziele weniger, denn wir versuchen, gemeinsam unseren Beitrag zu leisten, den Verein nach außen hin gut zu präsentieren und Aktivitäten des Vereins (Osterfeuer, Bergfest) aktiv zu unterstützen.

Stephanie Harding: Unser Ziel ist es, unseren Verein gut zu repräsentieren, denn ein Schützenverein ist wie eine Familie. Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn. Und da wir unseren Verein aber lieben – mit all seinen Vor- und Nachteilen – werden wir unser Bestes geben.

Würden Sie irgendwann gerne erneut König werden?

Martin Richter: Erst mal möchte ich jetzt mit Königin Steffi, Prinzgemahl Markus und Prinzgemahlin Silke noch unsere gemeinsame Regentschaft genießen, mit Verlängerung. Aber wenn Steffi später noch mal anklopft und Lust und Spaß hat, wer weiß, was dann alles möglich ist. Auf diesem Weg möchten wir uns ganz besonders bei unseren fleißigen Helfern und Unterstützern bedanken, für den tollen Job, den ihr geleistet habt. DANKE !!

Stephanie Harding: Man sollte niemals nie sagen.

Wie haben Sie die Entscheidung, das Schützenfest 2020 nicht stattfinden zu lassen, aufgenommen?

Martin Richter: Da ich auch Vorstandsmitglied bin und über die Planungen im Bilde war, habe ich die nachfolgenden, richtigen Entscheidungen zur Absage selbst mitgetragen.

Stephanie Harding: Für mich ist es, leider gesagt, eine Erleichterung gewesen, da wir in unserer Familie drei Todesfälle in kurzer Zeit hintereinander hatten.

Haben Sie mitbekommen, ob das Schützenvolk sehr enttäuscht ist?

Martin Richter: Sicher sind viele Schützenschwestern und Schützenbrüder enttäuscht, da ein Schützenfest alle zwei Jahre der Höhepunkt im Vereinsleben ist. Aber alle zeigen Verständnis für die besondere Situation und bewerten die Entscheidung als vernünftig.

Stephanie Harding: Natürlich ist das Schützenvolk enttäuscht gewesen. Alle Vorbereitungen, die schon von langer Hand geplant waren, sind hinfällig gewesen oder mussten abgesagt werden. Aber nichtsdestotrotz haben alle dafür Verständnis, denn wer möchte schon derjenige sein, der andere mit dieser Krankheit ansteckt.

Wie hatten Sie sich eigentlich auf das Schützenfest vorbereitet?

Martin Richter: Die Absage unseres Schützenfestes hatten wir bereits Ende April/ Anfang Mai beschlossen. Ehrlich gesagt hatte ich mich „als König“ soweit noch nicht näher vorbereitet. Als „Mann“ geht man doch etwas entspannter an die ganze Sache.

Stephanie Harding: Natürlich hatte man schon einige Sachen vorbereitet, aber mein Mann und ich sind Perfektionisten in kurzfristigen Aktionen, wobei Martin und Silke (Prinzessin) auch immer für eine Überraschung bekannt sind.

Im Prinzip wird durch die Corona-Krise Ihre Amtszeit ja auch zu etwas Besonderem: Sie gehen vermutlich als Königspaar in die Chronik ein, das länger als üblich im Amt blieb. Wie finden Sie das?

Martin Richter: In unserer Vereinsgeschichte/Chronik ist dies, glaube ich, einmalig, aber alternativlos. Meine Gattin war bereits Schützenkönigin für drei Jahre, aufgrund des 100-jährigen Jubiläums 2013. So sind uns „Verlängerungen“ nicht unbekannt und ich freue mich darauf.

Stephanie Harding: Unter der Voraussetzung finde ich es ok.

Kommen trotz Corona-Krise in der nächsten Zeit durch die verlängerte Amtszeit Pflichten auf Sie zu?

Martin Richter: Viele Termine, die dieses Jahr ausgefallen sind, werden wohl nächstes Jahr, wenn möglich, nachgeholt. Diese werden wir dann wahrnehmen.

Stephanie Harding: Es gibt für mich keine Pflichten, denn wenn ich so ein Amt übernehme, stehe ich auch voll dahinter, mit allem, was daran hängt, und versuche alles möglich zu machen.

Wie sehr freuen Sie sich jetzt schon auf das nachgeholte Schützenfest?

Martin Richter: Die Vorfreude wird in den nächsten zwei Jahren stetig anwachsen und dann wird alles nachgeholt, was wir dieses Jahr nicht gemacht haben.

Stephanie Harding: Ich blicke auf 2021/2022 mit einem lachenden Auge, weil man, so hoffe ich es doch, wieder gesellig beisammen sein kann. Und mit einem weinenden Auge, weil meine Oma und Mama nicht dabei sein werden.

Einen sportlichen und fairen Wettkampf lieferten sich Dirk Schumann, Oberleutnant der ersten Kompanie (l.), und Oberst Martin Richter, die sich nach jedem Schuss abklatschten.

Einen sportlichen und fairen Wettkampf lieferten sich Dirk Schumann, Oberleutnant der ersten Kompanie (l.), und Oberst Martin Richter, die sich nach jedem Schuss abklatschten. © Berthold Fehmer

Hier nimmt Martin Richter Maß, wenige Minuten vor seinem Königsschuss.

Hier nimmt Martin Richter Maß, wenige Minuten vor seinem Königsschuss. © Berthold Fehmer

Zahlreiche Gratulanten beglückwünschten Martin Richter zum Königsschuss.

Zahlreiche Gratulanten beglückwünschten Martin Richter zum Königsschuss. © Berthold Fehmer

Auf den Schultern seiner Kameraden wurde Martin Richter ins Zelt getragen.

Auf den Schultern seiner Kameraden wurde Martin Richter ins Zelt getragen. © Berthold Fehmer

Mehr Informationen über den Allgemeinen Bürgerschützenverein Hervest-Dorsten 1913 e.V. gibt es auf der Homepage. https://www.schuetzenverein-dorsten.com/