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Bei Schwindel nicht lockerlassen

Behandlung

Alles dreht sich oder schwankt – was lustig klingt, ist für Betroffene oft beängstigend. Meist lässt sich Schwindel aber gut behandeln. Betroffene sollten nur nicht lockerlassen.

02.06.2017, 12:39 Uhr / Lesedauer: 3 min
Bei Schwindel nicht lockerlassen

Wer unter Schwindel-Attacken leidet, sucht oft lange nach der richtigen Therapie.

Als würde man Karussell fahren oder auf einem schwankenden Schiff stehen – so kann sich Schwindel anfühlen. Vielen macht das Angst. „Etwa 25 bis 30 Prozent der Menschen in Deutschland haben in ihrem Leben einen behandlungsbedürftigen Schwindel“, sagt Prof. Michael Strupp von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Dahinter können ganz verschiedene Ursachen stecken – danach richtet sich dann auch die Therapie. Aber eines gilt bei Schwindel unabhängig von der Ursache: „Man muss damit nicht leben. Der Patient sollte nicht lockerlassen, bis die richtige Diagnose gestellt und eine wirksame Therapie eingeleitet worden ist“, betont Strupp.

95 Prozent 

Der Münchner Oberarzt ist überzeugt: In 95 Prozent aller Fälle kann den Betroffenen geholfen werden. Dazu ist es aber wichtig, dass der Patient seine Beschwerden möglichst genau beschreibt. Für die Diagnose seien vier Aspekte von Bedeutung: der zeitliche Verlauf, die Art des Schwindels, mögliche Auslöser oder Verstärker sowie begleitende Beschwerden. Der Drehschwindel fühlt sich etwa an wie in einem Karussell und der Schwankschwindel wie auf einem Schiff, erklärt Prof. Wolfgang Heide, der die Schwindelsprechstunde im Allgemeinen Krankenhaus in Celle leitet.

Manche Patienten bekommen eine Schwindel-Attacke, wenn sie sich morgens im Bett umdrehen. Dahinter kann der sogenannte gutartige Lagerungsschwindel stecken, erklärt Prof. Dirk Eßer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. „Dabei lösen sich kleine Kristallteilchen im Innenohr, die bei bestimmten Bewegungen die Sinneshaarzellen reizen und so den Schwindel auslösen können.“

Eine andere mögliche Ursache für Schwindelattacken ist die Krankheit Morbus Menière. Da liegt das Problem ebenfalls im Innenohr. Durch eine Art Überdruck können kleine, mit verschiedenen Flüssigkeiten gefüllte Schläuche platzen, sodass sich die Flüssigkeiten vermischen. Daraus resultiert der Schwindel. Strupp ergänzt eine weitere mögliche Ursache: Hat der Patient zusätzlich Kopfschmerzen und reagiert empfindlich auf Licht oder Lärm, kann dahinter die recht unbekannte Schwindelmigräne stecken.

Alarmsignal für Schlaganfall

Setzt der Schwindel plötzlich ein, hält aber viele Tage an, spricht das laut Strupp meist für einen Ausfall eines Gleichgewichtsorgans. Hat man zusätzlich zum Schwindel Gefühlsstörungen, Schluckstörungen oder sieht Doppelbilder, ist das ein Alarmsignal für einen Schlaganfall. „Das ist ein Notfall – dann ruft man den Krankenwagen, der einen in die Notaufnahme bringt“, betont Strupp.

Manchen Menschen ist auch dauerhaft schwindlig. Diese besonders belastende Form des Schwindels kann auf den Ausfall beider Gleichgewichtsorgane hindeuten, sagt Strupp. Dauerschwindel kann aber auch das erste Anzeichen einer neurodegenerativen Erkrankung wie Parkinson oder einer Kleinhirnerkrankung sein.

Psychologisch bedingter Schwindel

Außerdem kann dahinter der sogenannte psychogene Schwindel stecken – oft kombiniert mit Sturzangst, Herzrasen und Schwitzen, ergänzt Heide. Diese Form des Schwindels ist psychologisch bedingt, hat aber oft organische Auslöser.“ So kann es sein, dass der Schwindel nach einer Erkrankung des Gleichgewichtsorgans trotz Heilung bestehen bleibt, weil die Gleichgewichtsregulation aus der Balance geraten ist und falsch wieder erlernt wurde.

Eine Sonderform des Schwindels ist die Reisekrankheit: „Dabei ist das Gleichgewichtssystem irritiert“, erklärt Eßer. Denn die Wahrnehmung der Augen und des Gleichgewichtsorgans stimmen etwa auf einem schwankenden Schiff nicht überein – daher wird einem schwindelig. „Viele haben den Schwindel auch beim Betreten des Landes, weil das Gleichgewichtssystem sich an das Schwanken gewöhnt hat.“

Thearpie

Die Therapie des Schwindels hängt von der Ursache ab. Beim gutartigen Lagerungsschwindel oder beim Ausfall eines Gleichgewichtsorgans hilft Physiotherapie, erklärt Strupp. Dort lernt der Patient entweder, durch welche Bewegungen er die verrutschten Kristallteilchen beim Lagerungsschwindel wieder in die Bahn bringt oder im anderen Fall spezielle Balance- und Gleichgewichtsübungen.

Außerdem gibt es verschiedene Medikamente, die die Symptome dämpfen oder die Ursachen behandeln können. Beim psychogenen Schwindel kann allein durch ein Gespräch mit dem Patienten über die Art und Ursache der Beschwerden häufig eine merkliche Besserung erzielt werden.

Wichtig ist: am Ball bleiben, bis es besser wird. Erste Anlaufstelle ist – außer beim Verdacht auf einen Schlaganfall – der Hausarzt. Weiß der keinen Rat, kann man einen Hals-Nasen-Ohrenarzt oder Neurologen hinzuziehen.

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