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Die Heilkraft des Wassers

Kneipp-Therapie

Sebastian Kneipp entwickelte vor mehr als 100 Jahren die Kneipp-Medizin. Der bayerische Priester und Hydrotherapeut hat die Wirksamkeit des Elements Wasser erkannt. Heute beruht die Kneipp-Therapie auf fünf Säulen.

06.06.2016 / Lesedauer: 4 min
Die Heilkraft des Wassers

Die Therapie von Sebastian Kneipp kann wahre Wunder bewirken.

Im Storchengang geht es durch das Wasser des Tretbeckens. Linkes Bein und rechtes Bein im Wechsel, immer ganz aus dem Wasser herausheben und mit leicht gestreckter Fußspitze wieder eintauchen. Solange, bis die Kälte leicht auf der Haut prickelt. Wieder draußen wird das Wasser mit den Händen in Richtung Knöchel abgestreift, zum Warmlaufen geht es barfuß auf die benachbarte Wiese.

Ursprünge im 19. Jahrhundert

Renate Mankel vom Kneipp-Verein Wuppertal ist eine gute Lehrmeisterin. Der Wuppertaler Kneipp-Verein wurde nach einem persönlichen Besuch von Pfarrer Kneipp im Jahre 1892 in Barmen gegründet. Bis heute geben die Mitglieder das Wissen um die Therapien des Pfarrers weiter. Der bayerische Priester, der sich bald einen Namen als „Wasserdoktor“ machte, entdeckte Mitte des 19. Jahrhunderts im Selbstversuch die heilende Wirkung von kalten Bädern, als er sich damit von Tuberkulose heilte. Auch Renate Mankel weiß, worauf es bei der Kneipp’schen Wasserkur ankommt. Das Wassertretbecken und ein Armtauchbecken des Vereins befinden sich im Garten des Wuppertaler Klinikums St. Josef – beide sind für die Öffentlichkeit nutzbar.

„Es ist einfach auch Wellness“, sagt die Pressesprecherin des Vereins. „Ein paar Dinge sollte man aber beachten.“ Zum Beispiel, nicht mit ausgekühltem Körper zu kneippen, sondern nur, wenn man aufgewärmt ist. 130 verschiedene Wasseranwendungen gibt es, das Wassertreten ist nur eine davon. „Das kann man übrigens im Sommer hervorragend durch Tautreten auf einer feuchten Wiese ersetzen oder im Winter durch Schneelaufen“, erklärt Mankel.

Kneippen in der Badewanne

Wer kein Wassertretbecken in der Nähe hat, kann auch in der Badewanne mit kühlem Wasser kneippen. „Das Wasser sollte bis knapp auf Unterkniehöhe reichen“, sagt die Expertin. Wer auch noch ein Armbad machen will, sollte nach dem Wassertreten allerdings zwei Stunden pausieren. „Beides kurz hintereinander wäre kontraproduktiv. Man hat gerade erst beim Wassertreten den Kreislauf angeregt. Das würde beim Armtauchen noch mal geschehen und wäre dann zuviel.“ Ältere Menschen sollten zum Kneippen auch kein eiskaltes Wasser nehmen. Doch nicht nur das Wassertreten und Armtauchen gehört zur Kneipp’schen Medizin – auch wenn es sich die bekanntesten Therapien sind.

„Kalte Güsse sind ebenfalls sehr effektiv“, weiß Mankel. „Das kann man auch prima zu Hause unter der Dusche machen. Man muss nur den Duschschlauch abschrauben.“ Beginnend am rechten Bein, lässt man den Wasserstrahl außen aufwärts bis über den Beckenkamm laufen und führt ihn innen über die Leistenbeuge wieder abwärts. Gleiches am linken Bein und an den Armen. Erst kalt, dann warm, dann noch einmal kalt. „Wichtig ist, dass man immer mit der herzfernen Seite beginnt und sich später wieder aufwärmt.“ Die vom Wasser ausgehenden kalt-warmen Temperatureinflüsse regen den Blutkreislauf an und fördern den Stoffwechsel. Durch das kalte Wasser ziehen sich die Venen zusammen.

Positive Effekte für die Durchblutung

Die Raum- oder Außenwärme sorgt dafür, dass sich diese wieder ausdehnen. Dadurch wird die Durchblutung gefördert und der Kreislauf angeregt. Durch regelmäßige Güsse lassen sich zum Beispiel Krampfadern verbessern und auch verhindern. „Auch unsere älteren Vereinsmitglieder gehen regelmäßig Wassertreten – und jeder von ihnen hat Beine, dass junge Menschen neidisch werden könnten“, sagt Mankel. „Kaum einer hat Krampfadern oder Venenprobleme.“

Darüber hinaus gehören zur Kneipp’schen Medizin Waschungen, Abreibungen, Wickel, Bäder und Teilbäder. Vieles davon kann zu Hause durchgeführt werden. „Wer an Bluthochdruck oder Herzerkrankungen leidet, sollte aber auf jeden Fall vorher mit seinem behandelnden Arzt sprechen“, sagt Renate Mankel. „Da die Kur eine effektive Wirkung auf die Gefäße hat, kann es bei solchen Vorerkrankungen sonst zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen.“ Deutschlandweit gibt es, wie in Wuppertal, Kneipp-Vereine, die die Therapien von Sebastian Kneipp weitergeben und zum Thema Kneippen beraten und zahlreiche Vorträge anbieten. Wer das Kneippen als aktive, gesundheitliche Prävention und umfassende Rehabilitation bei Herz- und Gefäßerkrankungen, vegetativen und nervalen Funktionsstörungen sowie organischen und funktionellen Störungen der Verdauungsorgane und des Bewegungsapparates nutzen will, kann zunächst eine ganzheitliche Kneipp-Kur machen, bevor er die Therapie zu Hause in den Alltag einbaut.

Natur und Ruhe in den Kneippheilbädern 

Als Kneippheilbad oder Kneippkurort dürfen sich Orte bezeichnen, in denen Wasserkuren nach Sebastian Kneipp durchgeführt werden. Sie verfügen daher über alle natürlichen Ressourcen, die dafür nötig sind, zum Beispiel Wasserquellen für Anwendungen wie kalte oder heiße Güsse, Taulaufen oder Wassertreten. Zudem bieten sie viel Natur und Ruhe. Das hilft, sich zu entspannen und wieder zur inneren Balance zu finden. Aber die Natur dient auch als Lieferant für Heilpflanzen und Kräuter, die eine wichtige Rolle in den Anwendungen der Kneippkur spielen. Eine Liste der Kurorte gibt es auf der Internetseite des Kneippbundes.

www.kneippbund.de

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