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Endlich wieder richtig atmen

Therapien bei Asthma und Co.

Was wir einatmen, können wir nicht sehen. Doch Feinstaub, Tabakrauch und giftige Substanzen am Arbeitsplatz hinterlassen ihre Spuren in der Lunge. Immer mehr Menschen haben deshalb Probleme mit ihrer Atmung. Im Klinikum Westfalen finden sie kompetente Hilfe – dank eines spezialisierten Zentrums mit modernen Behandlungsmethoden.

06.06.2016 / Lesedauer: 5 min

Dass viele Menschen so unbedarft mit ihrer Lunge umgehen und ihr sogar schaden, kann Dr. Clemens Kelbel nicht verstehen. „Die Fläche dieses wichtigen Organs ist so groß wie ein Tennisfeld. Darüber haben wir permanent Kontakt mit der Außenwelt – doch wir interessieren uns viel zu wenig dafür“, sagt der Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Intensivmedizin und Schlafmedizin am Klinikum Westfalen.

Partikel lagern sich in Lunge und Brustkorb an

Pneumologie – das ist die Lehre von der Erkrankung der Atmungsorgane. Krankheiten in diesem Teil des Körpers entstehen, weil sich winzig kleine Partikel in Lunge und Brustkorb anlagern – mit unterschiedlichen, teilweise verheerenden Folgen. Denn nicht immer schaffen es die feinen Härchen der Schleimhaut, die die Lunge von innen auskleidet, alle Fremdstoffe nach draußen zu transportieren. Ein Teil bleibt zurück.

Das Spektrum der Beschwerden, mit denen Dr. Kelbel und sein Team zu tun haben, ist breit gefächert. Manche Patienten brauchen schnelle Hilfe bei akuter Atemnot. Andere lassen sich wegen nächtlicher Atemaussetzer im Schlaflabor untersuchen. Und wieder andere fühlen sich im Alltag beeinträchtigt, weil sie immer schlechter Luft bekommen. Hier geht es darum, die Leistungsfähigkeit der Lunge zu bestimmen – und sie Schritt für Schritt zu verbessern.

Schadstoffe können die Atemwege schädigen

Früher waren es in unserer Region vor allem Bergarbeiter, die nach jahrelangem Einsatz mit einer „Staublunge“ behandelt werden mussten. Auch heute noch können Schadstoffe bei der Arbeit die Atemwege schädigen – Asbest in Altbeständen beispielsweise. Bäcker können ein Asthma entwickeln, weil sie allergisch auf den Mehlstaub reagieren. Doch auch Rauchen, Umweltverschmutzung und genetische Faktoren haben großen Einfluss auf den Zustand des Atmungsorgans. „Fakt ist: Die Zahl der Erkrankungen in unserem Fachbereich nimmt zu“, sagt Dr. Kelbel.

Vor neun Jahren hat der Mediziner die Lungenfachklinik am Knappschaftskrankenhaus Dortmund aufgebaut. Inzwischen werden hier rund 5000 Patienten pro Jahr behandelt – Tendenz steigend. Der Bedarf ist so groß, dass das Klinikum Westfalen einen zweiten, hoch spezialisierten Standort geschaffen hat und derzeit weiter ausbaut: So wird auch die Klinik am Park in Lünen-Brambauer zur Lungenfachklinik ausgebaut – ohne das bisherige medizinische Angebot einzuschränken.

Ausreichend Platz für modernste Technik

Stimmen die beteiligten Behörden zu, dann rollen noch in diesem Jahr die Bagger an. Innerhalb von 18 Monaten soll ein Anbau errichtet werden, der den Experten ausreichend Platz und modernste Technik bietet. Für rund sieben Millionen Euro entsteht ein Fachzentrum auf drei Etagen, in das die pneumologische Ambulanz, eine komfortabel eingerichtete Station für Patienten und die Beatmungseinheit, integriert wird. „Wir werden den gesamten Bereich mit den neuesten und modernsten Geräten ausstatten“, betont der Pressesprecher des Klinikums Westfalen, Jörg Kühn. Die Verteilung der Patienten auf die beiden Standorte erfolge nach medizinischer Notwendigkeit und in Abstimmung mit den Patienten. Die bisherigen Abteilungen der Klinik am Park setzen ihre Arbeit unverändert fort.

Rauchen gilt als Risikofaktor Nummer eins, wenn es um die Entstehung von Lungenerkrankungen geht – es wird für 90 Prozent aller Lungenkrebsfälle verantwortlich gemacht. Bei Frauen liegt diese Quote bei 65 Prozent – doch sie holen auf. „Die Emanzipation macht sich seit einigen Jahren pneumologisch deutlich bemerkbar“, sagt Dr. Kelbel. Früher sei Rauchen vor allem ein männliches Phänomen gewesen – „Frauen haben in der Regel höchstens passiv geraucht“. Inzwischen aber seien es gerade die Mädchen, die schon in jungen Jahren zur Zigarette griffen. „Das ist gerade deshalb fatal, weil die weibliche Lunge besonders empfindlich auf schädigende Einflüsse reagiert.“

Giftstoffe im Zigarettenrauch zerstören die Flimmerhärchen

Experten gehen davon aus, dass Lungenkrebs in den kommenden Jahren auch bei Frauen zur häufigsten Todesursache wird. Und bereits jetzt müssten sich viele starke Raucherinnen jenseits der 30 in ärztliche Behandlung begeben, sagt Dr. Kelbel.

Ein häufig vorkommendes Krankheitsbild ist die chronische Bronchitis (COPD). Diese Krankheit entsteht, weil die Giftstoffe im Zigarettenrauch die sogenannten Flimmerhärchen zerstören, die Fremdstoffe aus der Lunge transportieren. In der Folge sammeln sich Schadstoffe und Schleim in den Atemwegen – und verengen sie. Dies führt zu einer zunehmenden Luftnot, die aufgrund der langsamen Zerstörung von den Rauchern nicht so wahrgenommen wird. Der Schleim wird zum Nährboden für Bakterien; immer wiederkehrende Entzündungen sind die Folge. Betroffene klagen über Hustenanfälle mit häufigem Schleimauswurf und Atemnot, gerade bei Belastung.

Darüber hinaus hat Tabakrauch erheblichen Einfluss auf die Entstehung von Lungenkrebs. Je früher der Krebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Haben sich die Tumore bereits im Körper ausgebreitet, geht es darum, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und sie auf ihrem schweren Weg zu begleiten. „Die Behandlung erfolgt auf einem sehr hohen Niveau“, betont Dr. Kelbel. Als wichtige Säule des von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierten Cancer Centers des Klinikums Westfalen steht auch das Lungenzentrum für die bestmögliche Versorgung der Patienten. „Wir können das Tumorgewebe individuell analysieren und daraus eine zielgerichtete Therapie entwickeln.“

Voll leistungsfähig bei Asthma

Auch Asthmapatienten erhalten im Klinikum Westfalen zielgerichtete Hilfe. Bei Asthma reagieren die Atemwege überempfindlich auf bestimmte Reize – sie sind chronisch entzündet und dadurch verengt. Meist können Sprays und Inhalationstechniken die Symptome lindern. „Wie bei den meisten anderen Erkrankungen ist die Mitarbeit und Selbstkontrolle des Patienten sehr wichtig: Die Patienten lernen, verantwortungsvoll mit dem eigenen Körper umzugehen“, sagt Dr. Kelbel. Die gängige Annahme, dass Asthma und Sport sich gegenseitig ausschließen, beruhe übrigens auf einem Irrglauben: „Es gibt Asthma-Patienten, die an den Olympischen Spielen teilnehmen. Der Arzt muss die Therapie so gestalten, dass der Patient voll leistungsfähig ist.“

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit ist die sogenannte Weaning-Station (Weaning = Entwöhnung). Hier werden Patienten behandelt, die dauerhaft mit einem Beatmungsgerät leben – und nun lernen sollen, wieder ohne technische Unterstützung auszukommen. „Unsere Quote ist hervorragend: 50 bis 60 Prozent der Patienten, die als nicht entwöhnbar eingestuft wurden, schaffen bei uns den Ausstieg von der dauerhaften Beatmung.“ Bereits 2010 wurde die Abteilung am Knappschaftskrankenhaus von der Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin als Weaningzentrum zertifiziert.

Patienten leisten wichtigen Beitrag

Neben der Behandlung durch Mediziner haben Patienten die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. „Auch bei Lungenerkrankungen ist Bewegung sehr, sehr wichtig“, sagt Dr. Kelbel. In Zusammenarbeit mit dem Sportmedizinischen Institut (SMIDO) hat das Knappschaftskrankenhaus deshalb eine Lungensportgruppe eingerichtet: Hier lernen Patienten, wie sie nach der Entlassung mit ihrer Krankheit umgehen können. Auch die Selbsthilfegruppe unter Leitung von Peter Kukry wird häufig zu einem wichtigen Baustein im Leben Betroffener. „Patienten können sich nicht nur austauschen, sondern erhalten wichtige Hilfestellungen für ganz konkrete Fragen im Alltag.“

Trotz der modernen Behandlungsmethoden sei nichts wichtiger als eine umfassende Prävention, betont Dr. Kelbel. Der Experte rät zu einem bewussteren Umgang mit Schadstoffen in der Luft – am Arbeitsplatz, aber auch im Privatleben. Mit dem Rauchen aufzuhören, sei ein erster, ganz entscheidender Schritt. Doch auch Nichtraucher sollten achtsam sein – und Orte meiden, an denen sie Tabakrauch einatmen könnten. Ebenso wichtig sei, an die Feinstaub-Konzentration in der Luft zu denken – und die morgendliche Joggingroute von der stark befahrenen Straße in einen Wald zu verlegen.

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