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Ganz großes Kino

Allgemeine Bürger-Schützengesellschaft Kirchhellen 1585

Kirchhellen. „Feiert im kleinen Kreis und lasst uns Eure Bilder zum ‚Geisterfest‘ zukommen“, sagen Burkhard Kosse, Sara Schlegl und Werner Dierichs in ihrem Grußwort – mit der nötigen Vorsicht.

03.09.2020, 16:29 Uhr / Lesedauer: 3 min
König Burkhard I. und seine Königin Sara I. regieren zusammen mit Lieblichkeit Christiane und Prinzgemahl Michael das Schützenvolk in Kirchhellen.

König Burkhard I. und seine Königin Sara I. regieren zusammen mit Lieblichkeit Christiane und Prinzgemahl Michael das Schützenvolk in Kirchhellen. © Privat

Das Schützenfest der Allgemeinen Bürger-Schützengesellschaft Kirchhellen 1585 findet nicht statt. Ein Grußwort des Königspaares und des Präsidenten:

Liebe Freunde des Kirchhellener Schützenfestes, alle drei Jahre findet das traditionelle Schützenfest hier in Kirchhellen statt. Eine lange Zeit der Vorbereitung und der Vorfreude – und dann das! Die aktuellen Ereignisse rund um Corona haben aber zu einer Absage unseres Schützenfestes geführt.

Diese Entscheidung ist uns schwer gefallen, obwohl sie alternativlos und auch richtig ist; auch die sehr frühe Absage – schon Ende Februar haben wir uns zu diesem Schritt entschieden – wurde von unseren Freunden und Geschäftspartnern sehr wohlwollend aufgenommen; alle haben ihre Zusage für das Jahr 2021 gegeben.

Wir sollten aber in diesen Zeiten dankbar sein, dass wir hier in Kirchhellen wohnen und leben. Lasst uns daher gegenseitig weiterhin alles tun, was uns schützt und hilft, diese Pandemie so schnell wie möglich hinter uns zu bringen.

Trotz des abgesagten Schützenfestes freuen wir uns über die viele Unterstützung und die Vorfreude auf das „Geisterfest“ mit den dazugehörigen „Geisterübungen“. Viele Kirchhellener haben sich bei der Fotoaktion beteiligt und Bilder der Schützen- und Brezelfahne auf unserer Facebook, Instagram- oder Internetseite gepostet. Das war schon großes Kino, ebenso wie der Bierverkauf bei Sondermann mit handgemachten Schützenfestbierflaschen! Auch die Plakatwände im Dorf mit tollen Bildern und Eindrücken von vor drei Jahren sind sehr gut angekommen.

Eigentlich sollten wir an diesem Wochenende das größte Fest des Jahres begehen … eigentlich! Aber warum eigentlich nicht? Feiert im kleinen Kreis und lasst uns Eure Bilder zum „Geisterfest“ zukommen. Aber immer mit Abstand, mit Mundschutz und mit sauberen Händen. Und mit Mütze und Gewehr!

In diesem Sinne

Gut Schuß

König Burkhard

Königin Sara

Präsident Werner Dierichs

Der Thron von 2017 bleibt den Kirchhellener Schützen ein weiteres Jahr erhalten.

Der Thron von 2017 bleibt den Kirchhellener Schützen ein weiteres Jahr erhalten. © Privat

Die Corona-Pandemie hat den bundesweit rund 14.400 Schützenvereinen alles vermasselt: Schießübungen, Festumzüge, Bälle und natürlich das Königsschießen samt Kür eines neuen Königspaares. Denn dazu passen weder Abstandsregeln, Mundschutzpflicht noch begrenzte Teilnehmerzahlen. Und vor allem nicht das Nein zu Großveranstaltungen, das über den 31. Oktober hinaus jetzt bis mindestens zum Jahresende verlängert wurde. Auch die Allgemeine Bürgerschützengesellschaft Kirchhellen ist betroffen. In einem Interview schildern König Burkhard Kosse, Königin Sara Schlegl, Präsident Werner Dierichs, Geschäftsführer Markus Josten und Oberst Peter Schulte-Bockum ihre Gedanken.

Der König salutiert den Schützen.

Der König salutiert den Schützen. © Privat

Wie haben sie die Entscheidung, das Schützenfest 2020 nicht stattfinden zu lassen, aufgenommen?

Burkhard Kosse: Die Absage ist uns nicht leichtgefallen. Das Schützenfest mit dem anschließenden Brezelfest ist in Kirchhellen wie Karneval in Köln oder Oktoberfest in München. Es ist unsere fünfte Jahreszeit. Sehr früh, schon im März, hatte sich die Schützengesellschaft zu einer Absage durchgerungen. Eine Alternative gab es nicht. Die Gesundheit geht vor.

Werner Dierichs: Kirchhellen, Schützenfest und Brezelfest, das gehört untrennbar zusammen. Alle drei Jahre am ersten Septemberwochenende und in der Woche danach ist Kirchhellen im Ausnahmezustand. Dann kommen Tausende ins Dorf um mit den Schützen zu feiern. Bei den diversen Umzügen und Paraden stehen ebenfalls Tausende Schaulustige am Straßenrand. Dieses ganze Miteinander gibt es nun in diesem Jahr nicht. Und das fehlt uns sehr.

Haben Sie mitbekommen, ob das Schützenvolk sehr enttäuscht ist? Oder überwiegt gar Verständnis für die Situation?

Sara Schlegl: Alle sind traurig. Die Schützengesellschaft ist schließlich viel mehr als das Schützenfest. Der erste Höhepunkt ist die Gründungsversammlung, die im Februar noch stattfinden konnte. Dann kommen ab Juli die Schützenübungen, die fast schon kleine Schützenfeste sind. Die Schützen vermissen das Miteinander, das Klönen. Jetzt an diesem Wochenende wäre unser Schützenfest. Stattdessen kam Corona. Jetzt freuen sich alle darauf, dass irgendwann auch im Schützenalltag wieder Normalität einkehren wird, die sich dann wie etwas Besonderes anfühlen wird.

Peter Schulte-Bockum: Man wurde auf der Gründungsversammlung wiedergewählt, stand in den Startlöchern und freute sich. Und plötzlich nichts mehr. Damit hat niemand gerechnet. Aber ich stelle fest, dass sowohl bei den Schützenbrüdern als auch bei den Kirchhellener Bürgern das Verständnis für die Absage überwiegt.

Wie hatte man sich auf das Schützenfest vorbereitet?

Markus Josten: Im Gegensatz zu Schützenvereinen wird unsere Schützengesellschaft alle drei Jahre vor dem Schützenfest neu gegründet und nach dem Fest wieder aufgelöst. Die Gründungsversammlung konnte im Februar noch stattfinden, aber alle weiteren Veranstaltungen fielen aus. Da wir uns frühzeitig für eine Absage des Schützenfestes entschieden haben, gab es mit dem Zeltverleih, der Bewirtungsagentur und den bereits engagierten Kapellen und Bands keine Probleme. Alle sind gern beim Nachholtermin – hoffentlich im nächsten Jahr – wieder dabei.

Was waren die Highlights in ihrer Amtszeit als König?

Burkhard Kosse: Die Highlights hätten jetzt im Sommer stattgefunden – die Schützenübungen, das Ausstellen des Vogels, das Schützenfest selbst. Aber alles fiel aufgrund der Pandemie aus. Ich bin nun ein Jahr länger König mit Repräsentations-Aufgaben. Schon 1917 fiel das Kirchhellener Schützenfest einer Pandemie zum Opfer, der Spanischen Grippe. Johann VII. Brauckmann war so von 1911 bis 1921 Kirchhellener Schützenkönig. Aber ich blicke gern auf meinen Königsschuss und die anschließende Ernennung zum König zurück: 2000 Leute am Montagmorgen im Zelt, da steigt der Puls und die Tränen fließen.

Mehr Informationen zur Allgemeinen Bürger-Schützengesellschaft Kirchhellen 1585 gibt es auf der Website http://www.schuetzenfest-kirchhellen.de/