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Geprellt, gezerrt, verstaucht

Sportverletzungen

Zwar ist Sport kein Mord. Aber immer wieder holt man sich Blessuren. Welche Verletzungen beim Training am häufigsten passieren – und was dann zu tun ist.

05.09.2016 / Lesedauer: 4 min
Geprellt, gezerrt, verstaucht

Beim Training holen sich Sportler immer wieder Verletzungen. Erste-Hilfe-Maßnahmen sind wichtig für den Heilungsprozess.

Zerrung, Prellung oder Verstauchung – eine solche Verletzung holen sich Sportler beim Training schnell. „Je eher in einem Akut-Fall mit Erste-Hilfe-Maßnahmen begonnen wird, desto günstiger wirkt sich das auf den Heilungsprozess aus“, sagt Rüdiger Reer vom Deutschen Sportärztebund (DGSP).

In 95 Prozent aller Fälle hilft die sogenannte PECH-Regel, erklärt der Professor am Institut für Bewegungswissenschaft der Universität Hamburg. Das P steht für Pause, E für Eis, C für Compression – ein Verband mit schmerzstillender Creme – sowie H für Hochlagern. Konkret heißt das: Im Fall einer Verletzung sollte ein Sportler sofort das Training abbrechen und sich schonen. Eine schnelle Kühlung der betroffenen Körperpartie kann helfen, das Ausmaß von Schwellungen und Blutergüssen zu begrenzen.

Durch die Kälte zieht sich das verletzte Gewebe zusammen, weitere Einblutungen bleiben somit aus. Unterstützt wird dieser Prozess durch einen elastischen Verband. „Auch Mittel aus der Naturheilkunde können helfen“, sagt der auf die Behandlung von Sportlern spezialisierte Heilpraktiker Thomas Sokollik aus Kreuztal bei Siegen. So kann etwa eine hochdosierte Salbe aus Arnikablüten, die auf die verletzte Stelle aufgetragen wird, abschwellend, entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. Anschließend sollten Betroffene die lädierte Körperpartie hochlegen, damit das Blut abfließen kann. „Tritt innerhalb eines Tages keine Besserung ein, sollte ein Sportmediziner oder Heilpraktiker zurate gezogen werden.“

ZERRUNG: Bei einer Zerrung ist ein Muskel schmerzhaft überdehnt, es treten kleine Risse in der Muskelfaser auf. Zu Zerrungen oder Überdehnungen kommt es häufig an der Muskulatur der Waden oder der Oberschenkel. „Ursache ist oft ein unzureichendes Aufwärmen vor der sportlichen Betätigung“, erklärt Ute Repschläger, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten mit Sitz in Bochum. Auch die zu starke Belastung eines Muskels kann eine Zerrung zur Folge haben.

Betroffene haben Schmerzen bei der Muskelanspannung und bei Belastung oder Bewegung. Zudem ist die Beweglichkeit eingeschränkt. An der betroffenen Stelle zeigen sich in aller Regel ein Bluterguss und eine Schwellung. Das Training sollte dann für mindestens eine Woche ausgesetzt werden. „In der zweiten Woche sollte das verletzte Gewebe mit dosierten Übungen im schmerzfreien Bereich gezielt belastet werden.“ Das geschieht am besten unter Aufsicht eines Physiotherapeuten.

PRELLUNG: Eine Prellung kann Folge eines Sturzes oder Aufpralls sein. Dabei werden das Unterhautfettgewebe und die Muskulatur gequetscht. Blut sowie Lymphflüssigkeit fließen aus den Gefäßen. „In der Muskulatur bilden sich Ödeme“, erläutert Reer. Prellungen treten an der Muskulatur, etwa am Oberschenkel, an Gelenken und an Knochen wie etwa Schienbein auf. Charakteristisch für eine Prellung sind neben Bluterguss und Schwellung sowohl Druck- als auch Belastungsschmerzen. Oft ist zudem die Beweglichkeit der verletzten Körperpartie eingeschränkt. Auch bei einer Prellung gilt: Auf sportliche Aktivitäten sollte man mindestens eine Woche verzichten. Anschließend können Betroffene das Gelenk beziehungsweise den Muskel langsam wieder bis zur Schmerzgrenze beanspruchen.

VERSTAUCHUNG: Zu Verstauchungen kommt es häufig an den Sprunggelenken, aber auch Schulter, Handgelenk oder Knie können betroffen sein. Knickt zum Beispiel der Fuß um, kann es zu kleinen Faserrissen an der Gelenkkapsel kommen. Hinweise auf eine Verstauchung sind neben Schmerzen eine Bewegungseinschränkung an der betroffenen Stelle. Auch kann es zu einer Schwellung und einem Bluterguss kommen. Sind im Zuge der Verstauchung Bänder an- oder durchgerissen, oder sind Kapseln am Sprunggelenk verletzt, muss die Körperpartie für längere Zeit ruhig gestellt werden. Mit einer speziellen Schiene wird das Sprunggelenk stabilisiert. „Dann darf für circa sechs Wochen kein Sport getrieben werden“, erklärt Sokollik. Eine solche Verletzung sollte keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden, betont Repschläger: „Ansonsten droht langfristig ein Gelenkverschleiß.“

Grundsätzlich gilt: Wer Verletzungen vorbeugen möchte, sollte unbedingt ein auf die Sportart abgestimmtes Aufwärmtraining machen. „Wichtig ist auch die richtige Ausrüstung“, betont Reer. So braucht ein Mensch mit O-Beinen, der etwa joggt, speziell auf seine Körperkonstitution ausgerichtete Laufschuhe. Ebenfalls wichtig: Zum Sporttreiben gehört auch eine Regenerationsphase. Wenn der Körper stark überanstrengt wurde, muss er nach und nach in seinen üblichen Rhythmus zurückgeführt werden. Das ist nicht zuletzt auch für das Herz-Kreislauf-System gut.

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