Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Gesund durch Nadelstiche

Akupunktur

Die Traditionelle Chinesische Medizin, vor allem die Akupunktur, findet in Deutschland immer mehr Anhänger. Inzwischen übernehmen auch gesetzliche Krankenkassen einige der fernöstlichen Leistungen.

07.03.2016 / Lesedauer: 3 min
Gesund durch Nadelstiche

Durch die Akupunkturnadeln sollen Energiepunkte so aktiviert werden, dass blockierte Energie – das Qi – wieder besser fließt.

In Deutschland steigt das Interesse an fernöstlichen Heilmethoden wie der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit gut 30 Jahren mehr und mehr an. Das Medizinsystem der TCM basiert auf der Vorstellung einer fließenden Lebensenergie, dem Qi. Die Funktionen innerer Organe – Atmung, Verdauung der Nahrung, Immunsystem oder Muskelbewegungen – werden vom Qi beeinflusst. 

Energiefluss

Das Qi fließt auf Energiebahnen, den Meridianen, durch den Körper. Auf ihnen liegen mehr als 350 Akupunkturpunkte, über die der Energiefluss im Körper beeinflusst wird. Es gibt zwölf Hauptmeridiane, die nach der chinesischen Medizin bestimmten Funktionen zugeordnet sind. Die Akupunktur wird erfolgreich bei verschiedenen Schmerzzuständen, bei neurologischen Erkrankungen wie Migräne oder auch psychosomatischen Beschwerden wie Angstzuständen angewandt.

Dennoch wird die Traditionelle Chinesische Medizin in Deutschland gesundheitspolitisch bisher nur begrenzt anerkannt. Vor allem von der evidenzbasierten Medizin wird die Wirksamkeit vieler Behandlungsmethoden der TCM bestritten. Diese Kritik betrifft nicht die komplette TCM, sondern nur einige Teilgebiete.

Lehre von Meridianen

Insbesondere die Lehre von den Meridianen, die einer Vielzahl TCM-Methoden wie Akupunktur oder Massagen zugrunde liegt, wird angezweifelt. Für die Behauptung, dass man über bestimmte Punkte auf der Körperoberfläche innere Erkrankungen und Organe beeinflussen kann, gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis.

Aber: Erste großangelegte Studien, unter anderem von der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA), sind inzwischen abgeschlossen. Sie belegen eine positive Wirkung der Akupunktur bei Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen, chronischen Schmerzen, Migräne und bei Arthrose.

Krankenkasse

Seit 2007 werden die Kosten für Akupunkturbehandlungen gegen Rücken- und Kniegelenkschmerzen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Bei einer Akupunkturbehandlung gegen Migräne sollten Betroffene sich vor der Behandlung über die mögliche Kostenübernahme informieren.

Aber was passiert eigentlich bei der Akupunktur? Am Anfang steht die Diagnose. Diese sollte sowohl nach westlicher Schulmedizin als auch nach der chinesischen erfolgen. Kommt für die Beschwerden eine Akupunkturtherapie infrage, wird der Therapieplan festgelegt.

Zwei Behandlungen pro Woche

Üblicherweise werden ein bis zwei Behandlungen pro Woche durchgeführt, insgesamt 10 bis 15 Sitzungen. Bei der Körperakupunktur erfolgt die Behandlung im Liegen, bei der Ohrakupunktur auch im Sitzen. Dann werden an bestimmten Punkten des Körpers, die je nach Beschwerden variieren, die Nadeln platziert. Diese bleiben etwa 20 bis 30 Minuten im Körper.

Beim Einstich entsteht eine elektrisierende Empfindung, die aber nach kurzer Zeit wieder verschwindet. Solange die Nadeln im Körper stecken, empfinden manche Patienten ein dumpfes Gefühl, das mit der Nadelwirkung gekoppelt ist und ebenfalls nach einigen Minuten nachlässt. Dieses „Nadelgefühl“ kann manchmal als unangenehm empfunden werden. Bei den Nadeln handelt es sich um sterile Einmalnadeln aus rostfreiem Edelstahl.

Wohltuend und schnell wirksam

Die meisten Patienten empfinden die Akupunktur als wohltuend, entspannend und meist auch als schnell wirksam. Diese Wirkung kommt unter anderem zustande, weil die stimulierenden Reize der Nadeln im Gehirn für eine erhöhte Ausschüttung schmerzlindernder Substanzen – der sogenannten Glückshormone – sorgen.

Dazu gehören Serotonin, Endorphin sowie Enkephaline. Mit Verfahren wie der Kernspintomografie lässt sich die Wirkung der Körperakupunktur auf den Stoffwechsel im Gehirn nachweisen. In den Hirnbereichen, die mit den entsprechenden Akupunkturpunkten in Verbindung stehen, zeigt sich eine deutlich erhöhte Aktivität.

Kopf-und Rückenschmerzen

Anfang 2002 begannen in Deutschland die GERAC-Studien zur Akupunktur, die mit mehr als 250 000 Patienten durchgeführt wurden. Sie ergaben, dass Akupunktur bei chronischen Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen in drei von vier Fällen zu einer deutlichen und anhaltenden Schmerzlinderung führt und dass Akupunktur bei diesen Beschwerden genauso gut und in Einzelfällen besser wirkt als konventionelle Therapien.

 

Um sich Akupunktur-Arzt nennen zu dürfen, muss der Mediziner eine spezielle Ausbildung machen. In vielen Bundesländern sind für die Grundausbildung 200 Stunden Theorie- und Praxiskurse sowie eine Prüfung bei der jeweiligen Landesärztekammer notwendig. Eine darüber hinausgehende Akupunkturausbildung, das sogenannte B-Diplom, kann mit weiteren 150 Fortbildungsstunden erworben werden. Viele deutsche Ärzte, die sich näher mit der TCM beschäftigen, vertiefen ihre Akupunktur-Kenntnisse in China, wo sie sich zudem mit weiteren Gebieten der TCM befassen. In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 50 000 Therapeuten für TCM. Diese Zahl umfasst Ärzte und Heilpraktiker. Damit ist die Dichte der TCM-Therapeuten auf die Einwohnerzahl umgerechnet hierzulande höher als in China. Doch nicht alle Therapeuten haben die entsprechende Ausbildung. Was bei der Suche wichtig ist:
› Der Arzt sollte gut ausgebildet sein und sich weiterbilden – Patienten sollten ruhig nach dem B-Diplom fragen.
› Er sollte den Patienten bezüglich Neben- und Wechselwirkungen, etwa bei Medikamenten und besonderen Situationen wie Schwangerschaft oder chronischen Krankheiten, aufklären. Ferner sollte er eine Prognose über die Möglichkeiten und die Grenzen der Therapie geben können.
› Ein guter TCM-Arzt versucht nicht, dem Patienten irgendwelche Mittel aus China zu verkaufen. Arzneien werden in Deutschland nicht vom Therapeuten, sondern von der Apotheke in kontrollierter Qualität verkauft.
› Ein guter Mediziner sollte auch Unangenehmes ansprechen. Auch über die Konsequenzen der Behandlung muss der Arzt aufklären. Der Arzt sollte Patienten zudem die Grenzen der Chinesischen Medizin aufzeigen und die chinesische Denkweise so gut erklären, dass sie ihre Diagnose nachvollziehen können.
› Bei Behandlungen, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden, sollte die Preisgestaltung transparent und in ihrer Höhe nachvollziehbar sein.
› Das Wichtigste: Patienten müssen sich gut aufgehoben fühlen.
Listen qualifizierter Ärzte bieten die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur sowie die Deutsche Gesellschaft für Traditionelle Chinesische Medizin. www.daegfa.de
www.dgtcm.de

Schlagworte: