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Coronavirus: AOK NORDWEST gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen

Was ist bei Reisen zu beachten?

Das neuartige Coronavirus (2019-nCoV) beunruhigt die Menschen weltweit. AOK-Experte Dr. Wolfgang Mollowitz gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen.

11.02.2020, 19:18 Uhr / Lesedauer: 3 min
Coronavirus: AOK NORDWEST gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen

Das neuartige Coronavirus (2019-nCoV) beunruhigt auch die Menschen in Dortmund. Mit einem neuen Test kann mittlerweile festgestellt werden, ob eine Infektion vorliegt. © AOK/hfr.

Das neuartige Coronavirus (2019-nCoV) beunruhigt die Menschen weltweit. Bislang wurden aus China über 40.000 Infektionen gemeldet, darunter mehr als 1000 Todesfälle (Stand: 11. Februar 2020). Auch in Deutschland wurden bereits erste Erkrankungsfälle bestätigt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat inzwischen den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Wie groß ist die Gefahr durch das neue Virus? Und wie kann man sich schützen? Die wichtigsten Fragen beantwortet Dr. Wolfgang Mollowitz, Arzt und stellvertretender Fachbereichsleiter Behandlungsfehlermanagement bei der AOK NORDWEST im Interview mit unserer Zeitung.

Was sind Coronaviren?

Der neue Erreger gehört zum Stamm der Coronaviren. Diese Viren sind meist auf bestimmte Tiere wie Vögel oder Säugetiere spezialisiert, die sie als Wirt befallen. Die normalen Coronaviren des Menschen führen meist nur zu leichten Erkältungen. Coronaviren können aber auch zu sehr schwerwiegenden Erkrankungen führen, vor allem, wenn es ihnen beispielsweise gelingt, von Tieren auf den Menschen überzu-springen. 2002 bis 2003 hatte dies zur SARS-Epidemie geführt, die die Welt in Atem gehalten hat; 2012 kam die MERS-Epidemie im Nahen Osten. Viele Mediziner vergleichen das neue Virus mit dem SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome)-Erreger. Viele Eigenschaften des neuen Coronavirus (2019-nCoV) sind noch unbekannt, ebenso die Quelle. Derzeit gehen Seuchenexperten und -expertinnen davon aus, dass sich die ersten Patienten im Dezember 2019 auf einem Markt in der chinesischen Stadt Wuhan angesteckt haben.

Wie werden Coronaviren übertragen?

Der neue Erreger wurde wohl zuerst zwischen Tier und Mensch übertragen. Aber inzwischen verbreitet er sich durch eine Übertragung von Mensch zu Mensch, etwa durch Tröpfcheninfektion. Zudem kann es von erkrankten Müttern auf das neugeborene Kind übertragen werden. Da der Erreger auch in Stuhlproben nachgewiesen wurde, ist auch eine Übertragung des Virus über das Verdauungssystem nicht auszuschließen.

Wie kann ich mich vor einer Ansteckung schützen?

Um eine Ausbreitung zu vermeiden und sich vor einer Ansteckung zu schützen, sollte auf eine gute Händehygiene geachtet werden. Das heißt, regelmäßig – etwa nach Fahrten in öffentlichen Verkehrsmitteln und vor jeder Mahlzeit – die Hände mit Seife waschen (mindestens 30 Sekunden einwirken lassen) oder desinfizieren. Zudem sollte ein Kontakt der Hände mit Mund, Nase und Augen vermieden werden. Zu Er-krankten sollte Abstand gehalten und allgemein aufs Händeschütteln verzichtet werden. Husten und Niesen sollten in die Armbeuge erfolgen, damit der Erreger nicht über die Hand an Türgriffe oder ähnliches gelangt und sich so weiterverbreitet. Diese Maßnahmen sind angesichts der derzeitigen Grippewelle in Deutschland jedoch generell angeraten.

Welche Symptome werden durch das Virus ausgelöst?

Das neue Coronavirus kann zu Lungenentzündungen und hohem Fieber führen. Die Krankheit beginnt nach bisherigen Erkenntnissen meist mit Fieber, trockenem Husten, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen. Innerhalb einer Woche kann dann eine zunehmende Atemnot eintreten. Bei schwer erkrankten Patienten kann sich ein akutes Atemnotsyndrom entwickeln, das eine mechanische Beatmung erfordert. Bei einem Teil der Infizierten zeigen sich aber auch nur leichte Erkältungssymptome, wie Halsschmerzen. Vereinzelt kann es auch zu Durchfällen kommen. Die Inkubationszeit wird im Mittel auf fünf Tage geschätzt, die kürzeste beobachtete Inkubationszeit betrug einen Tag, die längste 14 Tage.

Was soll ich tun, wenn ich glaube, dass ich mich angesteckt habe?

Nach jetzigen Erkenntnissen ist eine Ansteckung in Deutschland bislang höchst unwahrscheinlich. Besonders aufmerksam sollten aber Menschen sein, die gerade in China – insbesondere in der besonders betroffenen Provinz Hubei – waren oder Kontakt mit Erkrankten hatten. Diese sollten, wenn sie Atemwegsbeschwerden, Fieber oder andere der erwähnten Symptome bei sich bemerken, sofort einen Arzt kontaktieren. Die Kontaktaufnahme sollte zunächst telefonisch erfolgen, damit durch geeignete Schutzmaßnahmen eine weitere Verbreitung des Virus verhindert werden kann.

Bei Anzeichen einer Coronavirus-Infektion werden Patienten umgehend im Krankenhaus isoliert. Es gibt mittlerweile einen Test, mit dem festgestellt werden kann, ob eine Infektion mit 2019-nCoV vorliegt. Die Ärztin oder der Arzt, der bei ei-nem Patienten den Verdacht auf eine Erkrankung mit dem neuartigen Coronavirus feststellt, aber auch das Labor, das das neuartige Coronavirus bei einem Menschen nachweist, muss dies unverzüglich dem Gesundheitsamt melden. Bei nachgewiesener Infektion mit dem 2019-nCoV werden die Patienten und Patientinnen isoliert und auch das Behandlungspersonal unterliegt strengen Hygienerichtlinien mit Schutzkleidung, Handschuhen und Atemmaske. So soll eine Weiterverbreitung der Erkrankung verhindert werden.

Wie wird behandelt?

Eine spezifische Therapie gibt es für das Coronavirus derzeit nicht. Der Körper muss die Viren also selbst bekämpfen. Die Behandlung erfolgt symptomatisch mit fiebersenkenden Mitteln, einer medikamentösen Therapie eventueller bakterieller Zusatzinfektionen der Atemwege bis hin zur Beatmung. An einem Impfstoff zur Vor-beugung wird noch gearbeitet. In China wird zudem in einer Studie mit an dem neu-artigen Coronavirus erkrankten Patienten ein antivirales Medikament getestet, das bei SARS gute Ergebnisse gezeigt hatte.

Was ist bei Reisen zu beachten?

Auf den Internetseiten des Auswärtigen Amtes (www.auswaertiges-amt.de > Sicher Reisen) gibt es aktuelle Gesundheitsempfehlungen für Auslandsreisen. Vor Reisen in die chinesische Provinz Hubei wird derzeit gewarnt. Von nicht notwendigen Reisen in andere Landesteile von China wird bis auf weiteres abgeraten.

Hilfreiche Infos rund um das Thema ‚Coronavirus‘ gibt es auch auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts unter www.rki.de.