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Gewitter im Kopf

Epilepsie

Jährlich gibt es 10 000 neue Erkrankungen an Epilepsie in Deutschland – vor allem Kinder und Senioren sind betroffen. Aber nicht jeder, der einen epileptischen Anfall hat, ist Epileptiker.

23.11.2015 / Lesedauer: 3 min
Gewitter im Kopf

Epileptische Anfälle sind wie heftige Unwetter im Gehirn: Nervenzellen entladen sich unbewusst und ungezielt.

Rund eine halbe Millionen Menschen sind in Deutschland von Epilepsie betroffen. Das geht aus Zahlen des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte (BVDN) hervor. Es gibt weitaus mehr Symptome eines Anfalls als oft vermutet – doch nicht jeder epileptische Anfall bedeutet, dass der Betroffene an Epilepsie erkrankt ist. Fragen und Antworten zum Thema.

Was für Symptome hat Epilepsie? „Die normalen Symptome der Epilepsie sind die unwillkürlichen Bewegungen an Armen und Beinen oder im Gesicht“, sagt der Neurologe Prof. Gereon Nelles aus Köln. Weitere Symptome können die Veränderung des Bewusstseins und sogar Bewusstlosigkeit sein. Fällt ein Mensch plötzlich hin, ist das für den Neurologen ein alarmierendes Signal. Bei Senioren können laut dem BVDN Starren, Sprechblockaden oder Verwirrtheit Anzeichen für Epilepsie sein. Weitere Symptome: zeitweiliger Gedächtnisverlust, vorübergehende Lähmungserscheinungen, Kopf- und Muskelschmerzen.

Woher kommt Epilepsie? Nelles zufolge kann die Ursache zum einem in den Genen liegen. Zum anderen könnten strukturelle Veränderungen des Gehirns zu Epilepsie führen – etwa ein Tumor, eine Verletzung oder eine Entzündung des Gehirns. Eine weitere Ursache seien Stoffwechselveränderungen: wenn ein Mensch beispielsweise sehr viel Alkohol trinkt oder bei Diabetikern der Blutzuckerspiegel sehr stark abfällt. Bei vielen Fällen seien die Ursachen aber ungeklärt.

Wie kann man epileptischen Anfällen vorbeugen? Oft wissen die Betroffenen, was bei ihnen das Risiko für einen Anfall erhöht. Solche sogenannten Trigger sollten die Patienten so gut es geht vermeiden, sagt Nelles. Generell sollten Epileptiker versuchen, regelmäßig zu schlafen und kein Fieber zu bekommen.

Lässt sich Epilepsie behandeln? Behandeln lässt sich Epilepsie durch Medikamente, sogenannte Antiepileptika: Dem BVDN zufolge werden dadurch sieben von zehn Patienten anfallsfrei. Strukturelle Epilepsie, etwa hervorgerufen durch Tumore, kann laut Nelles eventuell durch eine Operation behandelt werden.

Wer ist am meisten betroffen? „Epileptische Anfälle treten bei Kindern häufig auf“, sagt Nelles. Dann nehme die Häufigkeit bis zum Alter von 18 Jahren ab. Danach sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, Epilepsie zu bekommen. Ab dem Alter von 60 Jahren steigt das Risiko aber wieder an.

Kann Epilepsie geheilt werden? Nelles zufolge kann eine Epilepsie in der Mehrzahl der Fälle nicht geheilt werden. Es könne sein, dass ein Patient jahrzehntelang medikamentös behandelt werden müsse. Aber nicht jeder epileptische Anfall bedeutet, dass der Betroffene Epilepsie hat. Es könne auch bei einem einzelnen Anfall bleiben.  

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