Jens König ist eine feste Institution in Werne. Der Sportliche Leiter der LippeBaskets hat klare Ziele und Visionen mit seinem Verein - trotz eines Umbruchs in der ersten Mannschaft.

Werne

, 10.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 6 min

Jens König wirkt entspannt. Der 65-Jährige trägt ein dunkelblaues Poloshirt, eine dunkelblaue Jacke darüber. Er genießt das Wetter. „Es ist doch super draußen, oder?“, fragt er, als er am Dienstagmorgen die Redaktion der Ruhr Nachrichten in Werne betritt.

König kommt zum Interview vorbei, schlägt gleich vor, sich nach draußen zu setzen, an die frische Luft zu gehen. König schlendert dabei durch die Straßen von Wernes Innenstadt in aller Gemütlichkeit.

Hier mal ein Winken, da mal ein „Hallo“-Ruf. Man kennt sich, man schätzt sich hier. Bei einem Milchkaffee sprach der Sportliche Leiter der LippeBaskets Werne mit David Döring über die LippeBaskets, den Umbruch in der ersten Mannschaft und die Ziele für die kommende Spielzeit.

Am Samstag fand die Saisoneröffnung der LippeBaskets statt. Zufrieden gewesen?

Absolut. Wir haben wieder mehrere Leute in die Halle geholt zum traditionellen Tag der Saisoneröffnung. Die erste Herren musste nun auswärts spielen, diese Konstellation ließ sich nicht ändern. Wir hatten das Jugendspiel und das Legendenspiel, wo viele alte Freunde sich hier wieder getroffen haben.

Die weitesten Anreisen kamen aus München und aus Hamburg. Eine Spielerin kam aus Holland, aus Breda, sogar hierher. Die Community pflegt die Kontakte, man kennt sich seit 20, 30 Jahren.

Basketball hat einfach diese Durchdringung. Insofern war es ein sehr guter Tag. Der Tag war wunderbar und am Abend wurden noch viele alte Geschichten erzählt.

Hätten es mehr Zuschauer sein können?

Die Saisoneröffnung ist nicht dafür geeignet, Zuschauer für den Sport zu interessieren. Es sind einige da gewesen, die für ihre Kinder ein Interesse haben. Dafür sind die Spiele da. Kommenden Sonntag ist ein kompletter Jugendspieltag ab 10 Uhr.

Die erste Herren, die Damen und auch die Zweite spielen am 21. September. Da besteht die Möglichkeit, sich den Sport so richtig von der Wettkampfseite her anzuschauen.

Die Saisoneröffnung war lange geplant. Vor wenigen Wochen wurde das Fußball-Derby zwischen dem Werner SC und dem SV Herbern auf den Tag verlegt. Ärgert es Sie, dass es da keine Rücksprachen mit den LippeBaskets gibt?

Nein, das sind zwei Paar Schuhe. Das Publikum, das zum Fußball geht, geht sicherlich partiell auch zu unseren Spielen. Es ist sicherlich auch zu sehen, wenn Schalke oder der BVB das Abendspiel haben am Samstagabend. Dann merken wir das schon. Aber beim Amateursport haben wir überhaupt kein Problem damit.

Die Fußballer haben sogar mal eine Trainingseinheit bei Christoph Henke absolviert vor zwei Jahren, da haben wir ein sehr gutes Verhältnis.

Die Leistungssportler in dieser Stadt halten zusammen. Das ist nun mal nicht zu vermeiden, dass Parallelspiele angesetzt sind. Das kann man im Vorfeld auch gar nicht erkennen. Ich freue mich, dass der WSC so erfolgreich ist und so einen guten Zuspruch hat.

Was macht die LippeBaskets Werne so einzigartig?

Ob wir nun so einzigartig sind, das vermag ich gar nicht zu beurteilen. Das sollen andere tun. Wir versuchen hier in der Region als Traditionsverein - wir spielen seit 1991 in der Regionalliga, mit zwei kleinen Unterbrechungen – Leistungsbasketball anzubieten.

Wir haben gerade im Jugendbereich eine gewisse Leuchtturmfunktion erlangt, da wir von der U6 bis eben zur U18 Jugendbasketball anbieten in Leistungsligen. Wir starten nächstes Wochenende mit sieben Mannschaften und davon sind fünf in einer Leistungsliga. Bei den Jugendlichen haben wir sehr viele aus Lünen, aus Nordkirchen, aus Hamm. Wir haben sehr viele aus dem Umkreis.

Wenn jemand im Umkreis von 20 Kilometern Jugendbasketball betreiben möchte, dann ist der hier gut aufgehoben.

Was bedeutet das konkret?

Wir haben uns in der Region einen Namen gemacht. Wir haben vor fünf Jahren einen Paradigmenwechsel durchgeführt, als wir den Verein zum reinen Basketballverein gemacht haben. Dadurch ist der Verein deutlich beweglicher geworden, denn es ist nur Basketball, was wir pflegen.

Unseren Fünfjahres-Plan nach Gründung am 1. Juli 2014 haben wir vergangene Saison übererfüllt. Damen – Vizemeister. Zweite - aufgestiegen. Herren – Vizemeister. Die beste Saison ever. Das macht uns auch als Standort interessant für auswärtige Spieler.

Wir wollen in der Region verwurzelt bleiben, uns nicht mit externen Spielern eine höhere Liga erkaufen. Das überlassen wir dann anderen Vereinen aus der Region.

„Build not bought“ ist ja das Motto der LippeBaskets: Wie hat Importspieler Jordan Rose da vergangenes Jahr reingepasst?

Jordan Rose war ein Glücksfall für unseren Verein. Er hat sich selber bei uns beworben. Diese Gelegenheit nach zwei ganz harten Jahren, wo wir aufgestiegen sind und haarscharf den Abstieg vermieden haben, da war Jordan Rose natürlich jemand, der eine Leaderfunktion eingenommen hat.

Jetzt kam der Effekt dazu, dass wenn wir so einen Spieler haben, auch die Entwicklung der Jugendspieler leichter ist.

Warum?

Der Druck, den du hast, wenn du jetzt immer Spiele gewinnen musst, damit du die Liga nicht verlassen musst, der wird geringer. Wir sind am Ende belohnt worden mit der Vizemeisterschaft, das war nicht zu erwarten. Das ist herausragend gewesen.

Jordan hat das Jahr genutzt, um seine Stats entsprechend aufzupolieren. Er war der beste Werfer, er hatte den besten Dreier-Schnitt, er hatte die beste Freiwurfquote, er war ganz weit vorn.

Sein Plan ist aufgegangen, denn er hat ein Engagement eine Liga höher bekommen in Hagen und unser Plan ist aufgegangen, denn er hat Begeisterung in die Stadt geholt mit seiner Spielweise und wir hatten eine extrem entspannte Saison.

Rose ist jetzt weg. Auch Cajus Cramer und Freddi Meinert sind weg. Wie schafft es das Team, diesen Aderlass zu verkraften?

Ja, das sind natürlich schon Abgänge von langwierigen Spielern. Cajus Cramer, Mannschaftskapitän Freddi Meinert und Jordan Rose als Leistungsträger natürlich sowieso.

Wir haben uns Gedanken gemacht, denn die Abgänge waren nicht absehbar, weil sie beruflich bedingt waren und sich Veränderungen ergeben haben, aber wir haben das aus meiner Sicht ganz gut kompensieren können.

Wir haben Glück gehabt mit dem Neuseeländer Simon Bennett, der in die Nähe gezogen ist. Der zweite Spieler ist Christian Dreißig. Beides sehr erfahrene Spieler.

Auf der Point-Guard-Position haben wir Janne Bromisch jetzt dazu genommen. Ein junger Spieler, ein Perspektivspieler, aber mit sehr guten Anlagen. Hinzu kam noch Alexander Grudev aus Lüdinghausen. So, dass wir der Meinung sind, dass wir mit diesen vier Spielern die Abgänge einigermaßen kompensieren können.

Ob es nachher funktioniert, wird die Saison zeigen, aber wir müssen auch nicht aufsteigen. Das haben andere auf ihren Fahnen. Wir entwickeln Spieler und versuchen bis Weihnachten so viele Punkte einzusammeln wie es geht, um in der Rückrunde insbesondere den jungen Spielern noch mehr Spielanteile zu geben.

Welche Rolle haben denn Cajus Cramer und Freddi Meinert im Verein eingenommen?

Freddi hat mit zwölf Jahren hier angefangen Basketball zu spielen, Cajus Cramer nicht anders. Cajus Cramer ist das Gesicht unseres Basketballvereins – auch weiter. Es ist ja noch gar nicht entschieden, ob er nicht auch doch noch weiterspielt bei uns.

Aufgrund seiner Situation müssen wir darüber noch ein bisschen befinden. Die werden dem Verein weiterhin verbunden bleiben, weil gerade das zeichnet uns als kleinen Verein aus. Der familiäre Charakter und die Bodenständigkeit. Die Leute spielen seit Jahren, seit Jahrzehnten zusammen. Das wird auch sicherlich so bleiben.

Letzte Saison hat das Team den zweiten Platz erreicht. Was erwarten Sie für die kommende Saison?

Ich erwarte mir eine hoffentlich ähnlich erfolgreiche Saison, wobei wir uns nicht über irgendeine Rangposition definieren. Ich denke, die Mannschaft hat das Potenzial unter die Plätze drei bis acht zu kommen. Wenn wir das schaffen, haben wir das Nahziel erreicht.

Inwieweit wir oben den ein oder anderen ärgern, wird sich zeigen. Wir sind im Umbruch, wir haben vier neue Spieler. Die Mannschaft muss nach Jahren der Konstanz erst mal klarkommen. Frühzeitiger Klassenerhalt ist das Ziel.

Da wird es auch keinen Druck von Ihnen geben?

Zero. Wir sind so was von tiefenentspannt. Im Gegenteil. Wir bereiten mit den jungen Spielern ein bisschen die Zukunft vor und sind sehr froh einen erfahrenen Mann wie Bennett und Christian Dreißig zu haben, die auch sehr entspannt sind.

Wie wichtig ist da der sportliche Unterbau mit der zweiten Mannschaft, die nun in der Oberliga nur eine Liga unter der ersten Mannschaft spielt?

Die zweite Mannschaft ist vergangenes Jahr aufgestiegen. Ein Alleinstellungsmerkmal, was wir als Verein haben und das zeigt auch die Ausrichtung unseres kleinen Vereins, dass wir die erste und zweite Mannschaft als Projekt sehen.

In der zweiten Mannschaft können sich junge Spieler behaupten, sich empfehlen. Die trainieren einen Tag mit der ersten Mannschaft zusammen, sodass da eine fließende Grenze ist.

Es werden die gleichen Systeme gespielt. Jan (Jan König, Trainer der Reserve, Anm. d. Red.) und Christoph (Christoph Henke, Trainer der Ersten, Anm. d. Red.) arbeiten eng zusammen. Jan hilft häufig aus in der Ersten und das ist eben das Besondere.

Auf dem Niveau – Oberliga und zweite Regionalliga – ist nur in Dortmund der SVD in der Region unterwegs, während andere Vereine die zweite Mannschaft eher als Reserve sehen. Es gibt bei uns den Spruch, der heißt: Schau dir in einem Verein die Reserve an und wie man mit ihr umgeht, dann weißt du einiges über das, was im Verein so läuft.

Welche Bedeutung hat da Christoph Henke, der im Verein so tief verwurzelt ist?

Christoph Henke ist elementar wichtig. Er ist ein Werner Junge, hat bei mir angefangen Basketball zu spielen 1996. Er ist dann auf Wanderschaft gewesen, das ist wichtig, um auch mal was anderes kennenzulernen, war in Münster und in Wulfen. Dann kam er zurück.

Er macht das wunderbar, er hat eine wunderbare Art. Er ist ein Players Coach, das ist ganz wichtig. Und er ist nah dran. Er ist relativ jung, hat sich weiterentwickelt, hat bei guten Vereinen geschaut und hat dann irgendwann in Werne seine Zelte aufgebaut.

Als er dann kam, ist er gleich aufgestiegen mit der Mannschaft, hat die Liga gehalten und hat letztes Jahr die Vizemeisterschaft erreicht. Christoph Henke ist einfach ein Werner Junge, der das einfach hervorragend macht.

Viele Teams in der Region rüsten mit Importspielern auf. Wie halten die LippeBaskets da noch mit?

Wir haben keinen Zugzwang, da mithalten zu müssen. Wir sind eine kleine Stadt, ein Ausbildungsverein und haben unsere eigenen Ziele. Wir haben eine andere Philosophie.

Wir spielen in einer Liga, wo wir junge Spieler entwickeln können und müssen nicht in der Top-Liga von NRW spielen. Die ist semiprofessionell. Wir haben es ja einige Jahre hier miterlebt und da waren wir schon stark gefordert. Das ganze Umfeld muss es ja hergeben, insofern haben wir da überhaupt keinen Druck.

Wer geht als Favorit in die Saison?

Salzkotten ist für mich Aufstiegsfavorit und sind im Grunde genommen das Farmteam von Paderborn. Aus meiner Sicht war der Abstieg ein Betriebsunfall, die spielen seit ich denken kann in der Regionalliga, haben die Mannschaft zusammen gehalten und werden eine gute Mannschaft haben.

Wir haben da überhaupt keine Not. Mit Platz eins haben wir gar nichts am Hut, sondern wir müssen uns erst mal finden und uns mit den jungen Spielen etablieren in der Liga.

Die letzte Saison war ein Ausrutscher nach oben. Wenn wir im oberen Drittel aufschlagen, haben wir überhaupt keine Probleme. Wir überlassen es den anderen, das Portemonnaie aufzumachen. Build not bought ist unser Motto.

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