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Kampf gegen gefährliche Keime

Hygiene im Krankenhaus

In jedem Krankenhaus gibt es Hygienemaßnahmen, die die Verbreitung von Keimen verhindern sollen. Dr. med. Wolfgang Pfeiffer, Hygiene-Experte und Leitender Oberarzt in der Medizinischen Klinik am Agaplesion Bethesda Krankenhaus in Wuppertal, erklärt, was einzelne Maßnahmen bewirken und was es mit dem viel zitierten „Krankenhauskeim“ auf sich hat.

07.03.2016, 12:13 Uhr / Lesedauer: 3 min
Kampf gegen gefährliche Keime

Spender mit Händedesinfektionsmittel sind im Krankenhaus Pflicht: Denn neben den Mitarbeitern sollten auch Besucher davon Gebrauch machen.

Herr Dr. Pfeiffer, welche Rolle spielt Hygiene in einem Krankenhaus? Hygiene spielt eine zentrale Rolle. Wir sind hier in einer Umgebung, in der Menschen mit allen möglichen Keimen zu uns kommen. Da der Mensch nun mal mit Bakterien besiedelt ist und die auch nicht von allein weggehen, ist das etwas, womit man umgehen muss – das erfordert ein gewisses Know-how und vor allem Disziplin. Das heißt: vor und nach Patientenkontakt Händedesinfektion, ebenso vor bestimmten invasiven Maßnahmen. Nicht umsonst sind wir eines der ersten Häuser, das im Eingangsbereich Händedesinfektionsmittel-Spender aufgestellt hat, damit auch Besucher beim Betreten und Verlassen des Krankenhauses ihre Hände desinfizieren können.

Das Thema Hygiene ist in den vergangenen Jahren stärker ins Bewusstsein gerückt. Warum? Hygiene hat tatsächlich im Rahmen des Qualitätsmanagements in Krankenhäusern eine zunehmende Bedeutung gewonnen. Die Übertragung von Keimen sollte vermeidbar sein. Die Selbstinfektion – also dass der Patient sich mit Keimen infiziert, die er selbst in sich trägt – lässt sich weniger gut verhindern. Aber wenn es um Händehygiene geht oder um Instrumentenaufbereitung, Lufthygiene oder beispielsweise Nahrungsmittel, haben wir durchaus Handlungsmöglichkeiten.

Welche Gefahren drohen bei nicht ausreichender Hygiene? Das Hauptproblem, das wir jetzt und in den nächsten Jahren haben werden, sind multiresistente gramnegative Erreger. Es geht also nicht um einen Hautkeim, wie beim MRSA, sondern um Erreger, die meist im Darm oder in Atemwegssekreten sitzen und die zum Teil auch aus anderen Ländern importiert werden. Länder, in denen Antibiotika häufiger eingesetzt werden, zum Beispiel Griechenland oder Portugal.

Sind multiresistente gramnegative Erreger das, was man oft als Krankenhauskeim bezeichnet? Der so genannte Krankenhauskeim, der „Multiresistente Multiresistente Staphylokokkus Staphylokokkus aureus“ (MRSA) ist ein Hautkeim mit einer besonderen Antibiotika-Resistenz. Viele Menschen haben normale Staphylokokken auf der Haut und in der Nase – sie sind damit besiedelt ohne Krankheitserscheinungen, das ist physiologisch und stellt für einen gesunden Menschen kein Problem dar. Er ist so bekannt geworden, weil in den Krankenhäusern Maßnahmen dagegen entwickelt wurden. Mittlerweile ist es so, dass 85 Prozent aller Patienten mit nachgewiesenem MRSA zeigen, dass diese durch den Patienten von draußen mitgebracht wurden. Deshalb ist die Bezeichnung „Krankenhauskeim“ eigentlich nicht korrekt.

Man muss also unterscheiden, ob jemand den Keim nur in sich trägt oder auch daran erkrankt ist? Wir sprechen von einem Unterschied zwischen Kolonisation und Infektion. Der Nachweis dieses Keims auf der Haut oder Schleimhaut sagt noch nichts über eine Erkrankung aus. Erst wenn der Erreger eine Entzündung hervorruft, spricht man von einer Infektion. Ansonsten ist man Keimträger und kann als solcher in einem Krankenhaus vielleicht ein Risiko für andere Patienten sein, zum Beispiel für Diabetiker mit einem gestörten Immunsystem. Liegen diese beiden Patienten in einem Zimmer und der Staphylokokkus wird übertragen, kann der geschwächte Patient daran tatsächlich erkranken. Für einen gesunden Menschen ist dieser Keim in der Regel nicht gefährlich.

Sollte es dann nicht „Eingangskontrollen“ in Krankenhäusern geben, um Patienten, die diese Keime bereits mitbringen, zu identifizieren? Das Robert Koch-Institut hat dazu eine Risikofaktorenanalyse betrieben und verschiedene Faktoren benannt. Diese Faktoren sollten abgefragt werden und gegebenenfalls einen Abstrich nach sich ziehen. Risikofaktoren wären zum Beispiel ein vorhergehender Krankenhausaufenthalt, der Kontakt zu Schweinemastbetrieben etc. Wir haben aber festgestellt, dass mit diesen Risikofaktoren ein Teil der betroffenen Patienten nicht erkannt wird. Deshalb haben wir hier im Agaplesion Bethesda Krankenhaus in Wuppertal ein flächendeckendes Screening eingeführt, wir screenen jeden Patienten, der stationär aufgenommen wird. Bei multiresistenten gramnegativen Erregern, also Keime, die überwiegend in der Darmflora sind, screenen wir, wenn Risikofaktoren vorliegen – zum Beispiel, wenn der Patient aus Ländern kommt, in denen die Keime sehr verbreitet sind oder wenn er in den letzten Monaten auf einer Intensivstation war.

Wie schnell bringt der Test Ergebnisse? Wir machen im Jahr 13 000 Nasen-Rachen-Abstriche auf MRSA, und das Ergebnis bekommen wir nach 24 bis 48 Stunden. Das hilft uns bei geplanten Operationen. Bei Akutaufnahmen, bei denen es einen dringenden Verdacht auf MRSA gibt, machen wir einen Test, der schnellere Ergebnisse bringt. Flächendeckend lässt sich das aber nicht bezahlen, nur selektiv. Die Kosten trägt unser gemeinnütziges Krankenhaus dafür selbst.

Das Screening wird von Krankenhaus zu Krankenhaus unterschiedlich gehandhabt. Wo kann ich mich informieren, was die einzelnen Häuser machen? Am besten fragt man gezielt nach. Man kann sich zum Beispiel nach Hygienefachkräften erkundigen, deren Anzahl sich nach der Größe des Krankenhauses und dem Risikofaktor der einzelnen Abteilungen richtet. Oder man achtet darauf, ob das Krankenhaus an der Aktion Saubere Hände teilnimmt.

Antibiotika gelten ja als Ursache für das Auftreten von multiresistenten Keimen ... Grundsätzlich gilt: Antibiotika sollten so schmal wie möglich wirken, es geht also nicht darum, ein möglichst breit wirkendes Antibiotikum einzusetzen. Zudem sollte man ein Antibiotikum möglichst kurz einsetzen – so lange wie nötig, so kurz wie möglich. Ansonsten züchtet man Resistenzen und genau darin besteht die Gefahr. Das Problem sind aber nicht unbedingt die medizinisch notwendigen Antibiotika. Antibiotika nehmen wir zum Beispiel auch über Fleisch auf, Massentierhaltung funktioniert ohne Antibiotika überhaupt nicht. Auch im Ackerbau werden Antibiotika eingesetzt und all das gerät in unsere Nahrungskette, ins Grundwasser und so entsteht ein fataler Kreislauf.

Auf Antibiotika kann aber in der Medizin nicht verzichtet werden, oder? Antibiotika sind heilend, keine Frage. Aber sie sollten eben nur dann eingesetzt werden, wenn es wirklich nötig ist. Und das erfordert Aufklärung, Schulung und auch Disziplin. Grundsätzlich kann man schon davon ausgehen, dass der Arzt nur dann ein Antibiotikum verschreibt, wenn eine bakterielle Erkrankung vorliegt und der Einsatz notwendig ist. Ich habe aber auch oft erlebt, dass Patienten bei einer Erkältung ein Antibiotikum fordern. Man sollte sich bewusst machen, dass ein Antibiotikum die Darmflora für etwa sechs Monate zerstört, erst dann hat sie sich wieder normalisiert.

 

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