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Moderner Blick auf die Bandscheibe

Operation - ja oder nein?

Bandscheibenvorfälle gehören zu den häufigsten Erkrankungen im Bereich der Wirbelsäule. Viele Betroffene befürchten nach wie vor, dass ihnen bei einer solchen Diagnose eine sofortige Operation droht. Doch das muss gar nicht unbedingt sein.

02.06.2017 / Lesedauer: 3 min
Moderner Blick auf die Bandscheibe

Viele Menschen mit einem Bandscheibenvorfall fürchten, dass nur eine Operation hilft. Doch das muss gar nicht sein.

„Heutzutage stehen je nach Ausprägung verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Wahl, die in der Regel einen größeren Eingriff verhindern“, weiß Dr. Reinhard Schneiderhan, Orthopäde aus München und Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga.

Dazu zählt beispielsweise der sogenannte Wirbelsäulenkatheter, durch den der Arzt einen individuell abgestimmten Medikamenten-Mix direkt an die betroffene Stelle injiziert. Dank der Weiterentwicklung zur sogenannten Epiduroskopie besteht inzwischen sogar die Möglichkeit, Engstellen und ihre Ursachen mittels einer kleinen Kamera präzise zu erkennen.

Enormer Druck

Auf die Wirbelsäule wirkt tagtäglich enormer Druck ein. Wie kleine Stoßdämpfer sorgen Bandscheiben zwischen den Wirbeln für die nötige Entlastung. In einigen Fällen führen jedoch Verschleißerscheinungen, Überlastung oder Bewegungsmangel dazu, dass die Bandscheiben ihrer Aufgabe nicht mehr standhalten. Reißt der sie umgebende Faserring und tritt der weiche Kern nach außen, sprechen Experten von einem Bandscheibenvorfall.

Durch den Druck auf umliegende Nerven verspüren Betroffene meist starke Schmerzen. Lässt sich mittels konservativer Maßnahmen wie Physiotherapie oder Injektionen keine Linderung mehr erzielen, fällt die Entscheidung oft auf minimalinvasive Therapien wie beispielsweise den Wirbelsäulenkatheter. „Gegenüber offenen Operationen belasten diese den Körper weniger und ermöglichen dadurch eine schnellere Beschwerdefreiheit und kürzere Regenerationszeiten“, betont Dr. Schneiderhan.

Individuell abgestimmt

Fällt die Entscheidung auf den Wirbelsäulenkatheter, führt der behandelnde Arzt einen elastischen, nur 1,2 Millimeter dünnen Katheter an die schmerzende Stelle zwischen Rückenmark und Wirbelkanal. Bei Bedarf ermöglicht dieses Vorgehen eine erweiterte, genaue Diagnose: Mit einer kleinen Kamera an der Spitze erhält der Arzt einen Blick auf die anatomischen Strukturen des Gewebes, welches das Rückenmark umgibt.

„Diese Rückenmarkspiegelung – auch Epiduroskopie genannt – ermöglicht uns, lokale Entzündungen, Verklebungen, Narbenbildungen oder Nervenverletzungen zu identifizieren und im gleichen Schritt zu behandeln“, erklärt Dr. Schneiderhan. Speziell auf die individuelle Situation abgestimmt, gibt der Experte schmerz- und entzündungshemmende Mittel durch den Katheter.

Dadurch schrumpft das Bandscheibengewebe, das auf den Nerv drückt, und Entzündungen klingen ab. „Für eine nachhaltige Wirkung wiederholen wir diese Injektion während des kurzen stationären Aufenthaltes mehrfach“, ergänzt Dr. Schneiderhan. Gewöhnlich verspüren Patienten bereits nach wenigen Tagen eine deutliche Linderung und gehen schon nach kurzer Zeit wieder ihrem gewohnten Alltag nach.

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