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Chefarzt Dr. Peter Ströcker klärt über künstliche Gelenke auf

Zeitpunkt, Schmerzen, Haltbarkeit?

Wer über ein künstliches Gelenk nachdenkt, hat viele Frage. Chefarzt Dr. Peter Ströcke steht im Interview Rede und Antwort.

27.02.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dr. Markus Wittenberg ist Facharzt für Innere Medizin.

Dr. Markus Wittenberg ist Facharzt für Innere Medizin. © Klinikum Westmünsterland

Dr. Ströcker, wann ist der richtige Zeitpunkt für ein künstliches Gelenk?

In erster Linie bestimmt der Patient, wann der richtige Zeitpunkt für ein künstliches Gelenk ist. Meist kommen Patienten zu uns, wenn ihre Schmerzen und mangelnde Beweglichkeit sie im Alltag stark einschränken und auch Freizeitaktivitäten nicht mehr wahrgenommen werden können. Wie die Situation empfunden wird, ist sehr subjektiv. Erst nach genauer Untersuchung mit Betrachtung von Röntgenaufnahmen und der individuellen Krankheitsgeschichte kann der richtige Zeitpunkt für eine Operation gefunden werden.

Sind Patienten nach der Operation schmerzfrei?

Mit dem künstlichen Gelenk ersetzen wir den verschlissenen Knorpel und Knochen, damit ändert sich allerdings auch die Anatomie der Gelenke. In den meisten Fällen sind unsere Patienten nach der Operation schmerzfrei. Allerdings kann man keinem Patienten Schmerzfreiheit garantierten.

Wie lange hält das künstliche Gelenk?

Es sind verschiedene Faktoren, die die Lebensdauer von Endoprothesen beeinflussen. So spielen das Lebensalter der Patienten und eventuelle Vorerkrankungen eine Rolle. Auch, wie der Patient das Gelenk belastet, ist entscheidend. Mit einer Haltbarkeit von 15 Jahren können wir aber durchaus rechnen.

Wie steht es um die Beweglichkeit des künstlichen Gelenks?

Generell ist es ja unser Ziel, dem Patienten mit der Operation, erstens seine Schmerzen zu nehmen oder mindestens deutlich zu lindern und ihm zweitens neue Beweglichkeit zu schenken. Als Vergleich sollte man aber den Zustand unmittelbar vor der Operation heranziehen, wenn ein Hüft- oder Kniegelenk nicht mehr voll gestreckt werden kann und nicht den Zustand der Gelenke, die man als junge Frau oder junger Bursche einmal hatte. Im Durchschnitt lässt sich etwa der Bewegungsumfang durch ein künstliches Kniegelenk um etwa 25° steigern. Solche Faktoren sind aber immer Abhängig vom Zustand vor der OP und wie kompliziert der Eingriff war. Viele Patienten erlangen auch ihre komplette Beweglichkeit zurück.

Kann man mit dem künstlichen Gelenk Sport treiben?

Das ist sogar erwünscht. Allerdings sollte man sich nicht übernehmen. Oftmals fühlen sich Patienten mit dem künstlichen Gelenk wie neugeboren. Endlich können sie wieder schmerzfrei sportlichen Freizeitaktivitäten nachgehen. Schnell wird dem Körper so zu viel zugemutet. Aber wer schon vor der Operation ein sportlicher Mensch war, wird sicher wieder wandern oder Radfahren können. Generell sind Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Walken gut für Patienten mit künstlichen Gelenken, während Sportarten mit ruckartigen Bewegungen wie etwa beim Tennis, nicht gut für die Belastung der Gelenke sind. Grundsätzlich kommt es aber darauf an, dass der Patient die gewählte Sportart vernünftig und bewusst betreibt.

Zur Person

Dr. Peter Ströcker ist Facharzt für Orthopädie, spezielle orthopädische Chirurgie, Rheumatologie, Chirotherapie, Physikalische Therapie, Sportmedizin und besitzt das D.A.F.-Zertifikat Fußchirurgie.

Chefarzt Dr. Peter Ströcker klärt über künstliche Gelenke auf

© Klinikum Westmünsterland

Ströcker ist gebürtiger Münsteraner und hat dort auch Medizin studiert. Nach seinem Studium war der zweifache Familienvater zunächst sieben Jahre im St. Josef-Stift Sendenhorst in den Bereichen Wirbelsäulenchirurgie, Orthopädie und Rheumaorthopädie aktiv. Er arbeitete als Oberarzt in der Orthopädischen Klinik I - Allgemeine Orthopädie am Franziskus-Hospital in Münster und war dort unter anderem Koordinator des Endoprothesen-Zentrums. Seit Oktober 2017 ist Ströcker Chefarzt der orthopädischen Chirurgie / elektiven Endoprothetik im St. Marien-Krankenhaus in Ahaus.