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Neuer Umgangston

Höflichkeit

Das Du ist in vielen Unternehmen heute Standard. Aber Vorsicht: Freunde sind Kollegen oder Chefs noch lange nicht.

09.02.2018, 15:03 Uhr / Lesedauer: 2 min
In vielen Stellenanzeigen heißt es heutzutage „Du“ statt „Sie“. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn / Grafik Shutterstock

In vielen Stellenanzeigen heißt es heutzutage „Du“ statt „Sie“. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn / Grafik Shutterstock © dpa-tmn

Von Sabine Meuter
Das förmliche „Herr“, die „Frau“ und ganz allgemein das „Sie“ gelten in vielen Firmen als altbacken. Nicht nur trendige Start-ups, auch traditionellere Mittelständler praktizieren das kollektive Du, vom Azubi bis zum Geschäftsführer.

Die Idee dahinter: Beim gemeinsamen Streben nach dem Unternehmenserfolg kommt es auf jeden Einzelnen an – deshalb sollen die Hierarchien flach und der Umgangston locker sein. Und dann ist der Chef eben „Heiner“ und nicht „Herr Schmitz“. Es fängt mitunter schon mit der Stellenanzeige an.

„Wir suchen Dich, bring Dich mit Deinen Fähigkeiten und Talenten bei uns ein und bewirb Dich“, heißt es da.

Allgemeine Anrede

Die Stellenbeschreibung klingt verlockend. Aber manch ein Interessent gerät vielleicht ins Grübeln, wie er jetzt seine Bewerbungsunterlagen gestalten soll. Auch duzen? Die Personalchefin, die man gar nicht kennt, mit „Hallo Stefanie“ anschreiben? Klare Antwort: „Ja, natürlich“, sagt Christa Stienen, Vizepräsidentin beim Bundesverband der Personalmanager (BPM). Wer geduzt wird, darf zurückduzen. Wer sich davor scheut, kann stattdessen aber auch allgemeinere Anreden benutzen und zum Beispiel „Liebes Team“ schreiben, rät Stienen.

Auch eine Anrede wie „Guten Tag Ralf Schröder“ sei möglich, erklärt Jutta Boenig, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGfK). Und wer Ralf Schröder so gar nicht duzen mag, kann auch das Sie verwenden.

Selbst die Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ geht in solchen Fällen noch – im Auswahlverfahren von Bewerbern ist etwas zu viel Höflichkeit wohl kaum ein Ausschlusskriterium.

Lieber förmlich bleiben

Linda Kaiser von der Deutschen-Knigge-Gesellschaft (DKG) empfiehlt sogar, auch bei locker-flockigen Inseraten im Anschreiben zunächst förmlich zu bleiben. „Kommt es dann zum Vorstellungsgespräch, kann der Bewerber immer noch schauen, ob man gesiezt oder geduzt wird und sich darauf einstellen“, erklärt sie.

Denn auch wenn die Stellenanzeige eher kumpelhaft daherkommt, gelten die Grundregeln für eine gelungene Bewerbung weiter: Rechtschreib- und Grammatikfehler sollte man sich dann also auch nicht leisten.

Und auch im Vorstellungsgespräch ist selbst bei Duz-Unternehmen Zurückhaltung gefragt. Boenig rät, die Situation erst mal zu beobachten und sich dann anzupassen.

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