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Schnelle Hilfe, wenn das Herz aus dem Takt gerät

Wirksame Therapien im Klinikum Vest

Das Herz ist der Motor des Lebens – doch es gerät immer häufiger aus dem Takt. Bundesweit sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nummer eins. Dabei kann eine schnelle und wirksame Therapie den Verlauf maßgeblich beeinflussen. Die Mediziner des Klinikums Vest stehen deshalb rund um die Uhr für ihre Patienten bereit.

22.11.2016 / Lesedauer: 5 min

Die Zeit läuft, sobald sich die Türen der Notaufnahme schließen. 30 Minuten – für die Mediziner des Klinikums Vest eine magische Grenze. Wer mit einem Herzinfarkt eingeliefert wird, muss innerhalb dieser halben Stunde versorgt sein. Denn sonst droht das wichtigste Organ des Körpers, langfristig Schaden zu nehmen – die Lebenserwartung des Patienten bricht dramatisch ein.

Zahl der Herzinfarkt-Patienten steigt bundesweit

Die Mitarbeiter der Medizinischen Klinik I sind für die effektive Arbeit auf Zeit vorbereitet – 24 Stunden am Tag. Weil die Zahl der Herzinfarkt-Patienten bundesweit steigt, haben auch die Experten vor Ort immer häufiger mit Notfällen zu tun: 300 000 Betroffene in Deutschland zählt die Deutsche Herzstiftung Jahr für Jahr, mit steigender Tendenz.

„Unser großer Vorteil ist, dass wir Patienten aus dem Rettungswagen direkt in eines unserer Herzkatheterlabore fahren können“, sagt der Chefarzt der Abteilung, Prof. Cemil Özcelik. Innerhalb von Sekunden seien Vertreter aller medizinischen Disziplinen vor Ort. „Sie beraten gemeinsam: Was ist der nächste Schritt?“ Studien hätten gezeigt, dass sich allein durch die kurzen Wege die Sterblichkeit von Betroffenen nachhaltig reduzieren lasse.

Im Notfall direkt vor Ort operieren

Zwei moderne Diagnose- und Behandlungsräume – sogenannte Herzkatheterlabore – stehen den Medizinern zur Verfügung. Hier können die Experten das Herz mit modernster Technik untersuchen und behandeln. Da sich der Behandlungstisch um 90 Grad drehen lässt, könnte der Patient im Notfall sogar vor Ort operiert werden. „Gleichzeitig können wir Raumluft der sogenannten Klasse 1 erzeugen, steriler als in jedem OP.“

Ursache eines Herzinfarkts ist eine Gefäßverstopfung oder -verengung. Das Blut kann nicht mehr ungehemmt fließen, das Organ wird nur noch unzureichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Ist ein Gefäß ganz verschlossen, stirbt ein Teil des Herzmuskels ab. Ursache ist in den meisten Fällen eine Arterienverkalkung, die im Laufe des Lebens unter anderem durch Cholesterin, Bluthochdruck und Rauchen entsteht. Die gefährliche Verengung zu verorten und aufzulösen – darum geht es im Herzkatheterlabor.

Nur ein kleiner Pieks

Über die rechte Handgelenksschlagader wird ein Katheter, gerade mal ein bis zwei Millimeter im Durchmesser, in den Körper des Patienten eingeführt und in Richtung des Herzens gesteuert. „Auch wenn es vielfach anders dargestellt wird: Der Patient spürt nur einen kurzen Pieks, ähnlich der Spritze beim Zahnarzt“, betont Özcelik. Mit Hilfe eines Kontrastmittels, begleitet von Röntgenstrahlen und den wachsamen Augen einer Kamera, wird das Körperinnere auf einem großen Bildschirm sichtbar.

„Der Arzt hat wichtigen Parameter jederzeit im Blick und kann sich das Herz aus allen erdenklichen Perspektiven anschauen.“ So finden die Experten schnell die Stelle, an der Blutfluss unterbrochen wurde – und sie können das Gefäß weiten. „In dem Moment, in dem das Blut wieder fließen kann, geht es dem Patienten schlagartig besser. Ihm fällt im wahrsten Sinne ein Stein vom Herzen, wenn die heftigen Schmerzen endlich versiegen.“

Erneuten Infarkt verhindern

In vielen Fällen muss das betroffene Blutgefäß sofort stabilisiert werden, damit es nicht erneut zum Infarkt kommt. Zum Vergleich zieht Prof. Özcelik gerne das Bild eines Tunnels heran: „Er wird auch ausbetoniert, damit kein Geröll hineinfallen kann.“ Die Mediziner nutzen dafür sogenannte Stents – spiralförmige Implantate aus feinen Metall- oder Kunstfasern, die über den Katheter in den Körper eingebracht werden.

Die kleinen Helfer sind heute mit einer speziellen Beschichtung versehen. „Ein Stent ist immer ein Narbenreiz für das betroffene Gefäß – und eine Narbe kann dazu führen, dass erneut eine Verengung auftritt. Dank der Beschichtung werden die Narbenzellen jedoch in ihrer Entwicklung gebremst.“ Diese Weiterentwicklung der ersten Stents aus den 1990er-Jahren habe zu einer deutlich verbesserten Bilanz geführt. „Die Wiederverengungsrate ist von 50 auf unter 4 Prozent gesunken.“

Kalkablagerungen führen zum Gefäßverschluss

Haben starke Kalkablagerungen zum Gefäßverschluss geführt, ist erst ein anderer Schritt notwendig – das sogenannte Rotablationsverfahren. Dabei werden die Ablagerungen an der Engstelle mit einem feinen Bohrkopf und bis zu 18000 Umdrehungen pro Minute entfernt. Anschließend lässt sich der Stent problemlos einsetzen.

Vor zwei Jahren kam Cemil Özcelik, der vorher viele Jahre an der Berliner Charité und im Helios Herzverbund Südniedersachsen gearbeitet hatte, nach Recklinghausen. Er hat die medizinische Versorgung von Herzpatienten im Klinikum Vest auf neue Füße gestellt: Gemeinsam mit seinem Team baute er die beiden Herzkatheterlabore auf, sorgte dafür, dass alle Mitarbeiter für die komplexe Arbeit geschult werden. So ist das Expertenteam heute nicht nur für die Behandlung von Herzinfarkten bestens vorbereitet. Die Palette der Erkrankungen ist vielfältig.

Alter ist wesentlicher Risikofaktor

Vor allem das Alter spielt eine Rolle, wenn das Herz aus dem Takt gerät. Mit dem demografischen Wandel steigt die Zahl der Patienten, die sich mit Herz-Rhythmusstörungen im Klinikum Vest behandeln lassen. „Etwa 7 bis 8 Prozent der 70- bis 80-Jährigen leiden unter diesem Krankheitsbild“, sagt Prof. Özcelik. Diese Pa-tienten fühlten sich „unglaublich krank“, sie seien körperlich wenig belastbar und hätten zudem ein hohes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Medikamente können Betroffenen das Leben erleichtern und die Gefahren minimieren. Haben die Präparate nicht die gewünschte Wirkung, kann ein Herzschrittmacher eingesetzt werden.

Auch die sogenannte Herzklappenundichtigkeit ist in erster Linie eine Alterserscheinung. Dabei pumpt das Herz nicht mehr so, wie es sollte – Blut kann sich in der Lunge oder in anderen Teilen des Körpers zurückstauen. Patienten leiden unter einem starken Engegefühl in der Brustregion und wiederkehrender Luftnot. Erst vor kurzem sei das Klinikum Vest bei einer Begehung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) für seine erfolgreichen Behandlungsmethoden in diesem Bereich zugelassen worden, betont Prof. Özcelik.

Risikofaktoren kennen 

Grundsätzlich erfolge die Versorgung von Herzpatienten in Deutschland auf europaweit überdurchschnittlich hohem Niveau. Die Sterblichkeit durch Herzinfarkte oder die koronare Herzkrankheit sei seit Jahren stark rückläufig. Dabei habe jeder Einzelne die Chance, vorzubeugen: „Wenn ein Mensch seine Risikofaktoren kennt und die beeinflussbaren Parameter durch seinen Arzt entsprechend einstellen lässt, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit, zu erkranken, ganz erheblich.“

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