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Trainer am Handgelenk

Fitness-Armbänder

Sie begleiten uns beim Joggen, messen unsere Schritte und fordern uns auf, nach einem langen Tag im Büro noch eine Runde um den Block zu drehen: Immer mehr Menschen nutzen Fitness-Armbänder, Smartwatches und Apps, um ihre Gesundheit zu überwachen. Mediziner und Datenschützer streiten über positive Einflüsse und mögliche Gefahren für Verbraucher.

07.03.2016, 11:27 Uhr / Lesedauer: 3 min
Das Angebot an Fitness-Armbändern wächst rasant – schließlich wollen immer mehr Menschen ihre Gesundheit überwachen.

Das Angebot an Fitness-Armbändern wächst rasant – schließlich wollen immer mehr Menschen ihre Gesundheit überwachen.

Laut einer Umfrage von Bitkom Research zeichnet jeder dritte Deutsche ab 14 Jahren seiner Gesundheitswerte mit Hilfe von Fitness-Trackern – sogenannten Wearables – auf. Dabei werden Daten wie die Herzfrequenz oder die Länge der zurückgelegten Laufstrecke von einem tragbaren Gerät erfasst und anschließend an ein Smartphone übermittelt. Über die dort installierte App werden die Werte ausgewertet – der Nutzer kann nachvollziehen, wie sie sich verändert haben.

Eine handvoll Geräte

Fast täglich kommen neue Produkte und Anwendungen auf den Markt. „Vor vier Jahren, als ich meinen ersten Vortrag zum Thema gehalten habe, gab es gerade mal eine Handvoll Geräte, und viele Nutzer klagten über deren mangelnde Funktionalität“, sagt Prof. Jürgen M. Steinacker, Leiter der Sektion Sport und Rehabilitationsmedizin an der Universität Ulm. 

Durch die Smartphone-Technologie habe sich das Segment jedoch massiv entwickelt. „Durch Sensoren wurde die Genauigkeit extrem verbessert.“ Derzeit gebe es schätzungsweise 25 000 Apps sowie viele hundert Geräte auf dem Markt. „Das ist eine Riesen-Entwicklung.“

Trainingsleistung dokumentieren

Doch wie können Nutzer davon profitieren, und welchen Einfluss haben Armbänder, Uhren und Apps tatsächlich auf die individuelle Fitness? „Alleine von einem Fitness-Tracker am Handgelenk werden keine Verbesserungen von sportlichen Leistungen herbeigeführt – dieser Tatsache muss man sich bewusst sein“, sagt Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Die technischen Helfer könnten jedoch gute Dienste leisten, um die Trainingsleistung zu dokumentieren. „Besonders am Anfang sind schnelle Fortschritte zu verzeichnen, und diese liefern die Motivation, weiter am Ball zu bleiben.“

Positiver Einfluss

Auch Prof. Steinacker ist von einem positiven Einfluss überzeugt – und sieht in ihnen eine große Chance: „Menschen profitieren davon, wenn sie sich anleiten, etwas zu tun. Wer ständig im Büro sitzt, für den bringen schon 15 Minuten Bewegung am Tag einen deutlichen Gewinn.“ Zumal die Geräte leicht zu bedienen seien. „Man braucht keine komplizierten Trainingsprogramme. Damit könnten wir gerade jene Menschen erreichen, die sonst gar keinen Sport machen – und das sind immerhin 50 Prozent der Bevölkerung.“

Wie nachhaltig sich die neue Technik tatsächlich auf den Gesundheitszustand ihrer Nutzer auswirkt, ist bisher kaum erforscht. „Eine Meta-Analyse von etwa 30 Studien zeigt aber positive Effekte: Menschen, die Schrittzähler benutzen, sind demnach insgesamt aktiver und leistungsfähiger und haben bessere Stoffwechselparameter“, sagt Prof. Steinacker.

Nicht allein auf Bestmarken setzen

Gerade Sport-Einsteiger könnten Aktivitäts-Tracker nutzen, um ihre Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen und eine gute Körperwahrnehmung zu entwickeln. „Nach einer Zeit sollten sie jedoch den Gebrauch reduzieren und auf die Signale des Körpers hören“, empfiehlt Froböse. Auch fortgeschrittene Sportler, so der Rat des Experten, sollten Fitness-Armbänder vor allem zur regelmäßigen Kontrolle nutzen.

Denn das Streben nach immer besseren Leistungen könne auch zur Sucht werden. „Der Alltag sollte nicht davon bestimmt werden, immer neue Bestmarken zu erreichen.“ Nur wenn die Bewegung als solche im Vordergrund stehe, sei die Aktivität auf Dauer förderlich für die Gesundheit.

Überschaubare Daten

Ein weiterer Rat der Experten: Die Menge der erhobenen Daten sollte überschaubar bleiben. „Sinnvoll ist, die Herzfrequenz und Belastungsintensität sowie beim Radfahren oder Laufen die Geschwindigkeit zu erfassen“, sagt Prof. Steinacker. Auch einen Schrittzähler hält er für sinnvoll. Auch Prof. Froböse empfiehlt die Pulsmessung, außerdem eine Stoppuhr und einen Überblick über die bereits zurückgelegte Strecke. „Auf großen Schnick-Schnack kann ohne Probleme verzichtet werden – schließlich müssen die erhobenen Daten auch einen Nutzen haben.“

Die meisten Geräte seien inzwischen gut geprüft und erzielten relativ aussagekräftige Werte. „Dennoch sollte man sich vor dem Kauf informieren oder im Geschäft von einem Fachmann beraten lassen, welche Geräte eine hohe Messgenauigkeit haben – denn nur dann macht die Erhebung von Daten auch Sinn“, sagt Prof. Froböse.

Patienten sind besser informiert

Wer sich mit seinem Bewegungspensum und seinen sportlichen Leistungen beschäftige, werde automatisch routinierter im Umgang mit den Ergebnissen – und das bedeute auch einen Wandel im Verhältnis zwischen Arzt und Patient. „Der Patient wird kompetenter, er hat mehr Informationen – und der Arzt muss sich darauf einstellen“, sagt Prof. Steinacker. Langfristig bräuchten Mediziner Schnittstellen, um die Daten schneller auswerten zu können und auf dieser Grundlage Ratschläge für das weitere Verhalten zu geben. „Dafür müssen sie sich weiterbilden.“

Wer einen Fitness-Tracker oder eine App nutze, gehe mit Blick auf den Schutz seiner Gesundheitsinformationen immer auch ein Risiko ein, sagt Froböse. „Eine 100-prozentige Sicherheit, dass die Daten nicht weiterverwendet werden, gibt es nicht. Wer diese haben möchte, muss auf die gute alte Pulsuhr zurückgreifen und die Daten selber dokumentieren.“

Aktiv werden

Die meisten Hersteller zielten nicht nur auf Gesundheit und Wohlbefinden der Allgemeinheit ab, sondern vor allem auf eine Bindung der Nutzer an ihre Portale und Produkte, sagt auch Prof. Steinacker. „Die Nutzer werden auf Plattformen gelockt – und diese Plattformen sind gut gemacht, da steckt eine Menge Kompetenz drin.“ Kraft und Ausdauer trainieren

Wer fit für das Frühjahr werden möchte, sollte bald aktiv werden – ob mit oder ohne Fitness-Tracker. „Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt ein tägliches Pensum von 30 Minuten moderater Bewegung“, sagt Prof. Ingo Froböse. Bereits dieses Pensum habe positiven Einfluss auf die Gesundheit. Der Rat des Experten für alle, die es etwas sportlicher mögen: „Optimal ist es, etwa zwei bis vier Mal in der Woche die Ausdauer zu trainieren und an drei Tagen in der Woche ein Krafttraining zu absolvieren.“

Muskeln brennen

Dabei solle eine Übung jeweils so lange ausgeführt werden, bis die Muskeln „brennen“. „Wenn das Brennen in einen Schmerz übergeht, sollte man aufhören.“ Wichtig sei, auf die Signale des Körpers zu hören und Grenzen zu respektieren. „Und das funktioniert am besten ohne technische Hilfe.“

Nach einer repräsentativen Umfrage unter 1236 Personen von Bitkom Research nutzen derzeit 31 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren sogenannte Fitness-Tracker zur Aufzeichnung von Gesundheitswerten: 18 Prozent verwenden Fitness-Armbänder, 13 Prozent Smartphones mit Fitness-Apps und 6 Prozent Smartwatches. Die häufigsten gemessenen Werte sind Körpertemperatur, Körpergewicht, Anzahl der gegangenen Schritte sowie die zurückgelegte Strecke. Fast zwei Drittel der Nutzer wollen damit generell ihre Gesundheit verbessern, 36 Prozent wollen sich mehr bewegen, 26 Prozent mehr über ihren Gesundheitszustand wissen und 15 Prozent ihr Training optimieren.