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Weg mit der Beule

Leistenbruch

Ein Leistenbruch kann unbehandelt lebensgefährlich sein. Damit es nicht so weit kommt, raten Mediziner in den allermeisten Fällen zu einer Operation. Und manchmal führt daran kein Weg vorbei.

05.09.2016, 15:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Weg mit der Beule

Umgangssprachlich ist bei der Leistenhernie vom Leistenbruch die Rede.

Eine Beule in der Leiste, zwischen Bauch und Oberschenkel: Das kann auf einen Riss der Bauchwand hindeuten – mit der Folge, dass sich mitunter Eingeweide von innen nach außen stülpen. Mediziner sprechen in einem solchen Fall von einer Leistenhernie – oder umgangssprachlich: Leistenbruch. Harmlos ist das nur, wenn der Bruch rechtzeitig erkannt wird.

„Ein unbehandelter Leistenbruch kann im Laufe der Zeit an Größe zunehmen“, sagt Ralph Lorenz, niedergelassener Chi-rurg und Leiter des Hernienzentrums Berlin-Spandau. Etwa wenn sich der Bauchinnendruck erhöht – beispielsweise durch Pressen auf Toilette. Dann können Baucheingeweide abgeklemmt werden. Mögliche Folgen sind etwa ein Darmverschluss oder eine Bauchfellentzündung.

Lebensbedrohlich

„Das ist äußerst schmerzhaft und zudem lebensbedrohlich“, sagt Lorenz. Damit es zu einem solchen Krankheitsverlauf nicht kommt, sollte bei der Diagnose möglichst bald operiert werden. „Nur in Ausnahmefällen kann bei jüngeren Patienten mit kleineren Leistenbrüchen zunächst abgewartet werden.“ Voraussetzung ist, dass sie keinerlei Beschwerden haben und etwa alle sechs Wochen zu einer ärztlichen Kontrolluntersuchung kommen.

27 Prozent der Männer und 3 Prozent der Frauen in Deutschland haben im Laufe ihres Lebens einen Leistenbruch. Diese Zahlen nennt der Chirurg Wolfgang Reinpold. Er ist in Hamburg Chefarzt der Chi-rurgischen Abteilung und des Hernienzentrums Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand sowie Erster Vorsitzender der Deutschen Herniengesellschaft. Männer sind häufiger betroffen, weil bei ihnen der Leistenkanal weiter ist.

Federung

Beim Mann befindet sich in der Leiste der Samenstrang einschließlich der begleitenden Blutgefäße, bei der Frau das Halteband der Gebärmutter. Die Leistenregion muss einiges abfedern. Beim Hochheben oder Tragen schwerer Gegenstände, aber auch beim Husten drücken die Bauchorgane auf den Leistenbereich. Normalerweise hält die Leiste, die aus Muskeln und Sehnen besteht, dem Druck stand. Erhöht er sich, kann es zum Leistenbruch kommen. Risikofaktoren sind neben körperlich anstrengenden Tätigkeiten auch Übergewicht, eine Schwangerschaft, eine Prostatavergrößerung sowie Asthma. „Häufig ist eine genetisch bedingte Bindegewebsschwäche Ursache eines Leistenbruchs“, sagt Reinpold.

Ein weiterer Hinweis sind Schmerzen in der Leistengegend. Diese können aber auch auf eine beginnende Vorwölbung der Leistenkanalhinterwand hinweisen – eine sogenannten Sportlerleiste. Betroffene sollten in jedem Fall zum Arzt gehen.

Ultraschall

Um zu einer sicheren Diagnose zu kommen, wird die Leiste des Patienten unter anderem per Ultraschall untersucht. „Das Ergebnis dieser Untersuchung sowie das Ausmaß der Beschwerden sind maßgeblich dafür, wie dringlich eine mögliche Operation ist“, erläutert Lorenz. Eine Vielzahl von operativen Möglichkeiten steht heutzutage zur Auswahl. Es gibt zum einen Verfahren, mit denen der Bruchsack zurückgeschoben sowie die Bruchstelle mit Nähten verschlossen und verstärkt wird. Zum anderen kann zusätzlich über der Bruchstelle ein Kunststoffnetz eingesetzt werden.

Eine Vielzahl von Leistenbruch-OPs findet ambulant statt. Ob ein Patient nach dem Eingriff zur Beobachtung im Krankenhaus bleibt, hängt von der Art des Bruchs ab. Eine volle Belastbarkeit ohne Einschränkung ist in der Regel nach drei Wochen möglich.

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